Home Zur Geschichte des Mopsordens

 

 

Anselm Maler im Nachwort des

Faksimilenachdrucks von

Der verrathene Orden der Freymäurer, und das offenbarte Geheimniß der Mopsgesellschaft. Amsterdam/ Berlin/ Frankfurt, Leipzig: Arkstee und Merkus 1745;

Habichtswald: George 2000, o. S.

 

 

Die Geschichte des Mopsordens hat bisher keine umfassende Darstellung gefunden. (1) Dass die Gründung um 1740 erfolgte, nachdem die Bulle Clemens' XII. „In eminenti apostolatus specula" (1738) „jedem Christgläubigen" untersagt hatte, freimaurerischen Sozietäten beizutreten, darf aber als wahrscheinlich gelten. Als Urheber nennt das Vorwort den Herzog von Bayern und Kölner Kurfürsten Clemens August. Damit ist die Erfindung katholischen Adelskreisen zugeschrieben, was durch die Tatsache gestützt wird, dass der Orden zunächst an kleineren katholischen Residenzen plaziert war. Dennoch dürfte nicht nur die konfessionelle Reaktion auf das Wort des Papstes die Initiative veranlasst haben. Auch die gesellige Praxis der Aristokratie in Frankreich, wo die Frauen der Maurerbrüder „mopses" genannt wurden, ist zu bedenken.

 

Seit 1730 waren in Frankreich Gesellschaften entstanden, die Frauen in ihre Gemeinschaft aufnahmen und als sogenannte Adoptionslogen maurerische Ritualformen nachahmten. Dazu gehörten der Ordre de la félicité und der Ordre des Dames écossaies de l'hospice de Mont-Tabor. Der Ordre des chevaliers et des dames de l'ésperance fand nach 1757 in Hamburg, Jena, Göttingen, Hannover, Stuttgart und anderwärts Anhänger.

 

Ob sich auf ähnliche Weise der Ordre des Mopses in Deutschland verbreitete, bleibt noch zu klären. Mopslogen etablierten sich am fürstbischöflichen Hof zu Fulda, (2) aber auch im protestantischen Adel Pommerns und am Schweriner Hof. Aus der Residenz Meissen stammen Kaendlers galante Freimaurer-Figurinen mit Dame und Mops sowie die im Taxa-Buch des Künstlers verzeichnete Figur der „Dame vom Mops-Orden", nämlich Johanna von Anhalt-Dessau, Witwe des Markgrafen Philipp Wilhelm von Brandenburg-Schwedt. (3) Mitglieder der Hofgesellschaft, die der erstmals 1751 nachweisbaren Mopsloge im herzoglich-sächsischen Neustadt a. d. Orla angehörten, unterhielten gleichzeitig Verbindungen zur „Antimassonischen Sozietät" zu Schleiz.

 

Auf den frivolen Unterhaltungszweck nicht nur dieser Mopsloge hat daraus schon ihr Entdecker geschlossen. (4) Die von der Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine, einer Anhängerin der „Maçonnerie des Dames", in Bayreuth eingeführte Mopsloge bestand von 1742 bis 1748. Sie wurde 1750 durch Spielrituale der Adoptionsmaurerei abgelöst. (5) Den verbliebenen Spuren ist: zu entnehmen, dass Mopslogen nicht nur als Ableger maurerfeindlicher Sozietäten bestanden, die das egalitäre Prinzip ablehnten, oder als Logen mit androgyner Geselligkeit, wie sie für 1766 die Existenz des Mopsordens in Hamburg (6) sowie ein „Ordens-Buch des Nürnbergischen Mopsen-Capituls" bezeugt, das von 1745 bis 1806 geführt wurde. (7)

In Göttingen bestand die Mopsgesellschaft als Studentenorden ohne weibliche Mitglieder und wurde nach einer Schlägerei am 8. Februar 1748 behördlich verboten. Anstoss erregte bei der Universitätsleitung die Verbindung zu Mopsbruderschaften in Helmstedt, Braunschweig und Hamburg sowie die wiederauflebende Dienstbarkeit der jungen gegenüber den älteren Studenten, der sogenannte Pennalismus. (8) Ob die Verfügung das Verschwinden des Ordens tatsächlich bewirkte, bleibt indessen fraglich, da seine rohe studentische Praxis noch in J. W. A. Kosmanns satirischem Roman Spitzbart der Zweite oder die Schulmeisterwahl (1785) geschildert wird. (9)

 

Der ursprüngliche Sinn des Mopsordens ist dessen Statuten leicht zu entnehmen. Schon das Mops-Emblem - der Schosshund - verweist auf den galanten Charakter der Gründung; zudem betonen ihn die Zweideutigkeiten des verspielten Rituals und die vom Zeitgeschmack bedingten parodistischen Züge. Das Parodieren durchzieht die Dichtung und die Kunstmoden des 18. Jahrhunderts bis in ihre biedermeierlichen Ausläufer hinein und gehört zu den bevorzugten Formen geselliger Belustigung im Rokoko.

 

So etwa befriedigt die literarische Produktion zwischen 1740 und 1780 das Unterhaltungsbedürfnis mit einer Fülle von Gesellschaftsepyllia, deren Prototyp, Alexander Popes Lockenraub (1712), die Aufgabe hatte, einen Eklat in der Londoner Gentry zu bagatellisieren. Ähnliche, meist nacherfundene Salonbegebenheiten werden von zahlreichen deutschen und französischen Nachahmern besungen, deren Kleinepen - darunter von Johann Jakob Dusch Der Schoosshund (1756) - die Geselligkeit der Zeit in frivole Homerparodien kleiden.

In der Gründung des Mopsordens die Analogie zu sehen, fällt nicht schwer. Sie passt zu den Erfindungen der scherzhaften Satire und Karikatur. Doch erst die parodistische Praxis bürgerlicher Gesellschaftsspiele lässt sie plausibel erscheinen. Diese geben Aufschluss über Formen und Normen der Privatgeselligkeit im Aufklärungszeitalter und lassen sich, wie Dorothea. Kühme nachweist, als ein der Kunst vergleichbares Refugium für gesellige Kreativität und Spontaneität verstehen .(10) Spielpartituren sorgen für Lizenz beim Umgang mit der Konvention und mit gesellschaftlichen Tabus. Ihre Regeln bewirken, dass adlige und bürgerliche Stände auf gleicher Ebene handeln - ähnlich wie sich Adlige und Bürgerliche im Salon den Regeln des freien und gleichen Diskurses unterwerfen. Sie erlauben eine vom Zwang der Etikette befreite Begegnung der Geschlechter. Und sie üben einen Kanon sozialethischer Werthaltungen ein. (11)

 

In welchem Masse dies auf eine androgyne „Ordensspielerei" (Kretschmer) wie die Mopsgesellschaft zu übertragen ist, zeigt die Verwandtschaft mit den Ritual- und Zeremoniellparodien, deren Akteure die ständestaatliche Wirklichkeit der Epoche als „Könige" und „Fürsten", „Minister" und „Untertanen", „Äbte" und „Päpste", „Herren" und „Knechte" nachspielen. Andere umfangreiche Partituren illustrieren die feudale Lebenswelt, wenn sie das Spiel ins Boudoir einer Dame, in ein Künstleratelier, in die Sitzung einer gelehrten Akademie oder sonstige privatöffentliche Schauplätze verlegen. Für den Wechseldialog des Handwerksspiels sind die Fragen des Meisters und die Antworten der Gesellen und Burschen genau festgelegt.

 

Ein Maurerritual findet sich unter den von der Studie ermittelten Spielstoffen verständlicherweise nicht. Dennoch ist seine galante Rekapitulation durch die Mopspartitur zum Fundus der Ritualparodien zu rechnen, mit denen die - in unserem Fall aristokratisch geprägte - Unterhaltungsgeselligkeit auf die Zeitumstände reagiert. Der Verfasser selbst stellt die Beziehung her, wenn er als Zweck der Vereinigung das „lustigmachen" (S. 127) angibt. Dass eine Parodie gemeint ist, lassen die Bezugnahmen auf das (im Katechismus Travenols beschriebene) Maurerritual allenthalben durchblicken. Dem Veto gegen die Aufnahme des Bittenden entspricht das Kugelungsverfahren; der Prüfung des Mopses in der Kammer die Einführung des Suchenden; das dreimalige Kratzen an der Logentür ersetzt das Klopfen; die Bekleidung mit den Insignien des Mopses erinnert an die Requisiten des Logenbruders, auf dessen Gesinnung die memento mori-Devise und das (auch in den Ritualparodien der Gesellschaftsspiele beliebte) Gehorsamsversprechen des Neulings anspielen - „Ja, Grossmops" (S. 132). Fast alle Details des Mopsrituals wiederholen die des ernsten Gegenstücks (S. 126-136).

 

Wie weit sich die Mopsgesellschaft von diesem entfernt, lassen schliesslich ihre inhaltlichen Bestimmungen ersehen. Sollen doch zeremonielle Handlungen wie das groteske Zungezeigen Spötterei und Heiterkeit in dem „allerlächerlichsten Possenspiel" (S. 133) erzeugen, zumal wenn dieses den Neophyten dazu verpflichtet, den Hintern der Mopsfigur zu küssen „oder des Grossmeisters seinen" (S. 134).

Derartige Scherze dürften kaum die persönliche Vervollkommnung bezweckt haben, der sich die Freimaurerei verschrieben hatte. Im Katalog des Mopsordens haben Tugenden Vorrang, die dem Postulat der „Gefälligkeit" (S. 139) gehorchen. Diesem Schlüsselbegriff der Akkommodationsethik im Rokoko sind die in Tafelfreuden erfahrenen Mitglieder des Ordens verschworen, wenn es ihnen darum geht, ihre vernunftgeborene „Wollust" auszuleben (S. 140f.). Dass sie in jugendlichem Alter stehen (S. 142), wie es der Jugendkult der Rokokozeit verlangt, trennt sie womöglich am entschiedensten vom Logenentwurf der Freimaurerei.

 

So erweisen sich die beiden 1745 enthüllten Gründungen [der „Orden der Freymäurer“ und die „Mopsgesellschaft“] als beredte Zeugen unserer jüngeren Kulturgeschichte. Sie bilden komplementäre Erscheinungen im Gesellschaftsleben des 18. Jahrhunderts, in dem die Stände und Regionen die Vielfalt ihrer Eigenkulturen so viel stärker als heute ausprägen konnten. Die Variationsbreite der zahlreichen privatöffentlichen Vereinigungen der Aufklärungszeit, die sich an der Freimaurerei orientierten - Adoptionslogen, Spielorden, Studentenbruderschaften, Illuminaten u. a. m. - ist Ausdruck dieser Vielfalt. Sie bestätigt mittelbar den weltbürgerlichen Anspruch der Freimaurerei und gibt ihm ein historisches Profil im Vorgriff auf die Globalisierung unserer Tage.

 

 

Anmerkungen

 

(1) Für das hier Skizzierte stellte der Leiter des Deutschen Freimaurer-Museums Bayreuth, Hans Georg Lesser van Waveren, entlegenes Studienmaterial zur Verfügung, das Arndt Wolf, MvSt. der Göttinger Loge “Augusta zum goldenen Zirkel", aus seinem Bestand ergänzte. Beiden sei für das hilfreiche Engagement freundlich gedankt.

(2) Vgl. Kramer, Ernst: Fuldaer Möpse. In: domspatz, Jg. 9, 1989. Nr. 2.

(3) Vgl. Köllmann, Erich: Der Mopsorden. In: Keramos Nr. 50.  Köln 1970. S. 71 u. Anm. 3.

(4) vgl. Kretschmer, Ernst Paul: Von geheimen Gesellschaften. Verbindungen und Orden in Ostthüringen. Auf Spuren des Mopsordens in Thüringen. Mitteilungen der Grossloge “Deutsche Bruderkette" Nr. 4, o. J., Sonderdruck. S. 7 u. pass. (= Deutsches Freimaurer-Museum, Nr. 894).

(5) Beyer, Bernhard: Geschichte der Grossloge „Zur Sonne“ in Bayreuth von 1741-1811. Bayreuth 1954. S. 97.

(6) Anon.: Mopsorden in Hamburg. In: Der Unsichtbare. 3. Teil. Frankfurt 1766, S. 27-32. Deutsches Freimaurer-Museum Bayreuth, Nr. 6979.

(7) Unveröfftl. Mskr. Deutsches Freimaurer-Museum Bayreuth, Nr. 7107.

(8) Otto Meyer: Kulturgeschichtliche Bilder aus Göttingen. Hannover 1889, S. 68f.

(9) Trommsdorff, Hermann: Auf den Spuren des Mopsordens. In: Am rauhen Stein. Maurerische Zeitschrift der Grossen Loge von Preussen genannt Zur Freundschaft, Jg. 23. Berlin 1926, S. 60-63.

(10) Kühme, Dorothea: Bürger und Spiel. Gesellschaftsspiele im deutschen Bürgertum zwischen 1750 und 1850. Frankfurt, N. Y. 1997.

(11) Ebda., S. 15. 97, 143 u. pass.

 


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