Rund um die "Illusion of Control"
Die erläuternden Texte zu Overconfidence, Illusion of Control, Winner’s Curse und Hindsight Bias sind aus dem Buch von Franz Eisenführ, Martin Weber: Rationales Entscheiden. Heidelberg: Springer 4. Aufl. 2003, Seiten 366-372 <rot = kleinere Ergänzungen aus dem Buch sowie aus anderen Publikationen>
Overconfidence
Overconfidence-Bias (übersteigerte Selbstsicherheit; Illusion der Sicherheit) (auch Seite 181) Eine Reihe von empirischen Untersuchungen hat gezeigt, dass Leute dazu neigen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse deutlich zu überschätzen. So glaubten beispielsweise 82% der befragten Studenten, sie gehörten zu den 30% besten Autofahrern. Dieser sogenannte Overconfidence-Bias kann dazu beitragen, das hohe Handelsvolumen auf den Finanzmärkten zu erklären. Vgl. dazu Svenson (1981), Laschke und Weber (1999).
<auch: Meehl 1954; Adams 1957; Goldberg 1959; Oskamp 1965; Lichtenstein & Fischhoff 1977; Fischhoff, Slovic & Lichtenstein 1977 (extreme confidence); Alloy & Abramson 1979; Lichtenstein, Fischhoff & Philips 1982; Janis 1982; May 1986; March & Shapira 1987; Bedau & Radelet 1987; Gigerenzer, Hoffrage & Kleinbölting 1991; Griffin & Tversky 1992; De Bondt & Thaler 1995; Klayman et al. 1999; Bröder 2000; Soll & Klayman 2004>
< auch: Confirmation Bias 1960; Illusion of Validity, 1973; Perseveranz-Phänomen 1975; Hard-Easy-Effect 1977; Theory Perseverance, 1980; Positive Illusion 1986>
<auch: Overconfidence-Modell (DHS-Modell) Daniel, Hirshleifer & Subrahmanyan 1998>
Confirmation Bias Wason 1960; Wason & Johnson-Laird 1972; Mynatt, Doherty, & Tweney 1977; Koriat, Lichtenstein & Fischhoff 1980; Darley & Gross 1983; Klayman & Ha 1987 (positive test strategy heuristic in reasoning); Rabin & Schrag 1996; Nickerson 1998 Die erste gefundene „Regel“ (z. B. für 2-4-6) ist nicht immer gültig Für eine zu prüfende Hypothese wird nur nach solchen Beobachtungen Ausschau gehalten, welche die Hypothese erwartungsgemäss bestätigen
Illusion of Validity Kahneman & Tversky 1973; Einhorn & Hogarth 1978
Perseveranz-Phänomen (Nichtbeachten von negativer Information) Ross, Lepper & Hubbard 1975; Ross & Lepper 1980; Anderson, Lepper & Ross 1980
Hard-Easy-Effekt Lichtenstein & Fischhoff 1977; Lichtenstein, Fischhoff, Phillips 1982, Suantak, Bolger & Ferrell 1996 Overconfidence ist umso ausgeprägter, je schwieriger die Items im Sinne einer geringen Lösungswahrscheinlichkeit sind = Schlechte Kalibirerung bei schweren und gute bei leichten Aufgaben
Theory perseverance Nisbett & Ross 1980
Positive Illusions Bazerman 1986; Taylor 1989 Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten
Wishful thinking
Wishful Thinking Cyert, Dill, March 1958; Morlock 1967; Einhorn & Hogarth 1986; Bar-Hillel & Budescu 1995; Price 2000 Überschätzung der Wahrscheinlichkeit angenehmer und Unterschätzung der Wahrscheinlichkeit unangenehmer Ereignisse Ähnlich: unrealistic optimism Weinstein 1980 Die Meinung, dass einem selber negative Ereignisse seltener zustossen als anderen Menschen
„Best guess“ strategy Gettys, Kelly & Peterson 1973
Illusion of control
Illusion of Control <auch: „magisches Denken“>
Menschen glauben oft, mehr Kontrolle über zufällige Ereignisse zu haben, als es tatsächlich der Fall ist. Insbesondere in Situationen, die sie als bekannt ansehen oder in denen sie selbst aktiv werden können, beispielsweise indem sie zwischen alternativen Lotterien wählen können, tritt dieser von Langer (1975) als Kontrollillusion bezeichnete Effekt verstärkt zutage. Er führt zur Über- oder Unterschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen sowie zur Bevorzugung der Alternative, bei der eine höhere Kontrolle vorliegt. <auch: Henslin 1967; Langer & Roth 1975; Perlmutter & Monty 1977; Lopes 1982; Alloy, Abramson & Viscusi 1981; Alloy & Clements 1992; Bouts & Van Avermaet 1992; Friedland, Keinan & Regev 1992; Pfrang 1993; McKenna 1993 (unrealistic optimism); Biner, Angle, Park, Mellinger & Barber 1995; Budescu & Bruderman 1995; Rudski 2001; Thompson 2004; Ladouceur & Sevigny 2005>
<Langer fand in ihrem Experiment (Wettbewerbssituation/ unkontrollierbare Zufallsergebnisse): Je unkompetenter der Mitbewerber scheint, desto grösser scheinen die eigenen Chancen zu gewinnen.>
Fictious Non-Randomness Kahneman & Tversky 1972; Langer 1983 In Zufallsverteilungen Muster sehen Ähnlich: „Hot hand“ effect (auch: Clustering Illlusion) Gilovich, Vallone & Tversky 1985; Larkey, Smith & Kadane 1989; Tversky & Gilovich 1989, Gilovich 1993
Selbstwertdienliche Attributionen
Self-serving bias in the attribution of causality (selbstwertdienliche Verzerrungen) (siehe bereits bei den Theorien: Rotter 1954 und 1966) (siehe bereits: Fundamentaler Attributionsfehler 1958)
Miller & Ross 1975; Miller 1976, Ross 1977; Weary Bradley 1978, Zuckerman 1979, Lord 1979; Babcock & Loewenstein 1997 Informationen werden gemäss Vorurteilen interpretiert oder so dass sie dem Deuter nutzen Auch: Egocentric Bias (auch: False Consensus Effect) Ross, Greene & House 1977 (validity) Ross & Sicoly 1979; Gilovich, Medvec & Savitzky 2000 Auch: Ego-Defensive Bias Schlenker, Weigold & Hallam 1990
Ähnlich: Fear of invalidity Mayseless & Kruglanski 1987 Selbstwertminderung bei geringem Vertrauen in das eigene Wissen oder Schätzvermögen
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