Home "L'âme pupilline", das "Augenpüppchen"

 

 

Jan Bremmer: The early Greek concept of the soul. Priceton N. J.: Princeton University Press 1983, 17

(Paperbackausgabe 1987; 4. Aufl. 1993):

 

Page 17

 

… Yet it is obvious that the fact the head and psyché are sometimes used interchangeably does not necessarily lead to the conclusion that the psyché was located in the head. It can also mean that they represent the same thing, that is, the whole person.

The only valid conclusion to be drawn from the association is that the Greeks considered the head as very important, which, in itself, is not very surprising. What we know for certain about the psyché's location is merely that it flew away from the limbs (xvi.856; xxii.362)[10], or left the body through the mouth (ix.409), the chest (xvi.505), or through a wound in the flank (xiv.518) [11]. That is all Homer says of a positive nature about the psyche.

 

Annotations

10 The Greek word rhétea is sometimes, probably wrongly, translated as "mouth," see Regenbogen, Kleine Schriften, 14; Verdenius, "Archaische denkpatronen (pt.) 2," 113.

 

11 A number of peoples have thought the free soul resided in the eye in the form of a homunculus. This idea could have existed in early Greece, but we have only two testimonies for psyché departing from the eye and they both date from the later Roman empire.

However, the double meaning of koré as "girl" and "pupil of the eye" may be a survival of this belief, see. Babrius 95.35; W. Peek, Griechische Versinschriften, vol. 1 (Berlin 1955) no. 1166; Rohde, Psyche 1: 23 n. 1; K. F. Smith, "Pupula duplex," in Studies in Honour of B. L. Gildersleeve (Baltimore 1902) 287-300; E. Monseur, "L'âme pupilline," Revue de l'histoire des religions 51 (1905) 1-23; H. Bächtold-Stäubli (ed.), Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, vol. 1 (1927) 695-697; W. Déonna, "L'âme pupilline et quelques monuments," L'Antiquité classique 26 (1957) 59-90 and Le Symbolisme de l'oeil (Paris 1965) 30-35.

 

 

Erwin Rohde: Psyche. Seelencult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen. Freiburg und Leipzig: J. C. B. Mohr 1894:

 

Nachträge.

 

S. 22. Entweichen der „Seele" aus dem Munde, aus der Pupille des Sterbenden.

Der Glaube scheint noch durch in Versen wie dem auf dem Grabmal der Pomptilla, Kaibel. Ep. lap. 547 (I. Gr. Sic. et It. 607, e), V. 9. 10: ... Babrius 95, 35: … (s. Crusius, Rhein. Mus. 46, 319). Plinius n. h. 28, 64: augurium ex homine ipso est non timendi mortem in aegritudine quamdiu oculorum pupillac imaginem reddant.

 

 

H: Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglauben, Bd. 1, 1927, Sp. 695-697:

 

Augenpüppchen,

 

das kleine, verzerrte Spiegelbild, das man im Auge eines anderen sieht und das als die Seele des Menschen angesehen wird, die im Auge wohnt, die das Sehen vermittelt, die die Bewegung des Augapfels veranlaßt, die bewirkt, daß die verschiedenen Gemütsbewegungen aus dem Auge herausstrahlen, die, von Zorn und Neid bewegt, ihren Wohnsitz zeitweise verläßt, um über den Gegenstand ihres Hasses herzufallen, und die schließlich beim Tod des Menschen verschwindet, um nimmer wiederzukehren (118).

 

Beim Besprechen der Flechte muß der Kranke dem Sprecher ins Auge sehen, bis er sein „Augen-Mannli" schaut (Sarganserland) (119).

 

Gewisse Hornhauterkrankungen, bei denen die Hornhaut trübe und undurchsichtig wird, mögen auch zur Entstehung einiger merkwürdigen Ansichten über das Püppchen beigetragen haben. So heißt es, daß ein Mensch, in den „Holden“ gezaubert sind, daran erkennbar ist, daß man in seinen Augen kein Männlein oder Kindlein sieht oder nur ganz trübe (120).

Ein sicheres Zeichen bei den Zigeunern für eine Zauberin ist, daß sie keine Pupille (hier = Püppchen) hat. Sie blickt nicht den Leuten in die Augen, in ihren Augen sieht man kein Menschenbild, aber sie blickt in die Zukunft (121).

 

Durch das undeutliche und verschwommene Bild, das die trübe Hornhaut widerspiegelt, mag auch der in Deutschland und Frankreich existierende Glaube entstanden sein, daß das Bild, das man im Auge einer Hexe sieht, umgekehrt steht (122). Es kann aber noch ein anderer Grund maßgebend für diese Anschauung gewesen sein: Die Hexenrichter pflegten die Augen der Angeklagten zu prüfen, indem sie sie auf den Kopf stellten. Dabei mußten sie dann konstatieren, daß das Püppchen eine anormale Stellung hatte. In Loango (Afrika) ist es noch heute ein sicheres Zeichen einer Hexe, wenn ihre Augen die Außenwelt verkehrt widerspiegeln (123).

 

Nach deutschem Glauben sieht man auch in dem Auge eines verzauberten Menschen das Püppchen doppelt (124).

In dem angelsächsischen Dialoge „Adrianus und Ritheus" lautet die letzte Frage: „Woran kann man den nahe bevorstehenden Tod eines Menschen ersehen?" Ritheus antwortet: „In den Augen jedes Menschen sind zwei Menschenbilder; derjenige, in dessen Augen man diese Bilder nicht sieht, wird binnen 3 Tagen gestorben sein."

Dies scheint auf eine jüdische Vorstellung zurückzugehen, welche schon im Talmud angedeutet wird: Dreißig Tage vor dem Tode eines jeden Menschen wird dieser im Himmel ausgerufen, und von dem Augenblicke an verdunkelt sich der menschliche Schatten, und das Bild, das er auf die Wand wirft, verschwindet. In dem angelsächsischen Dialog ist der Schatten zum Schatten in den Augen geworden und sind die 30 Tage auf 3 reduziert (125).

 

Anmerkungen

 

118) Grimm Myth. 2, 988; Tylor Cultur 1, 425; Seligmann Zauberkraft 498.

119) Manz Sargans 67.

120) Grimm Myth. 2, 898.

121) Seligmann Zauberkraft 249.

122) Grimm Myth. 2, 903; Urquell 2 (1891), 72.

123) Seligmann Zauberkraft 249.

124) Grimm Myth. 2, 988.

125) Germania 26 (1881), 210-211.

 



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