Globalisierung: eine Einbahnstrasse
(geschrieben im Sommer 2002)
Siehe auch: Die Vorgeschichte der Globalisierung Globalisierung aus der Sicht der Wissenschaft
Der Titel besagt, dass alles, was sich der Globalisierung entgegenstemmt, überfahren wird. Die Globalisierung ist unaufhaltsam. Aber sie kann gelenkt werden: mit Moral, nationalen Anstrengungen und internationalen Vereinbarungen.
Inhalt Teil 1: Analyse und Situationsbeurteilung Was heisst "Globalisierung"? Die Globalisierung ist nicht neu Unterschiedliche Beurteilung Positive und negative Aspekte der Globalisierung Eine winzige „Elite“ Was hat die Globalisierung nicht gebracht? Philosophische Zusammenfassung Kein Widerstand möglich Teil 2: Lösungsmöglichkeiten Regulierung ist auf drei Ebenen möglich a. 1) Wirtschaftsethik - Business Ethics a. 2) Allgemeine Ethik b.) Jedes Land ist selbst verantwortlich c. 1) Internationale Vereinigungen c. 2) Engagement des einzelnen
Teil 1: Analyse und Situationsbeurteilung
Was heisst "Globalisierung"?
Das Wort „Globalisierung“ taucht in den 1980er Jahren auf und wurde in den 90er Jahren zum Schlagwort. Ein deutscher Bibliothekskatalog verzeichnet seit 1997 weit über 3000 Publikationen zu diesem Thema, der Internetsuchdienst Google gibt fast 300 000 Websites zum Wort „Globalisierung“ an, 600 000 zu „globalisation“, doppelt soviel zu „globalization“.
Mit dem Wort meint man „die Entstehung weltweiter Märkte für Produkte, Kapital und Dienstleistungen“. Doch davon werden nicht alle Staaten und Unternehmen gleich erfasst: Im wesentlichen handelt es sich um die grossen Multis, deren Geschäfte, Direktinvestitionen und Fusionen in erster Linie zwischen den Industriestaaten sowie den Schwellenländern abgewickelt werden. Afrika bleibt nahezu unberührt.
Besonders auffällig sind die Verschiebung von Arbeitsplätzen und die Abkopplung der Finanzmärkte von der realen wirtschaftlichen Entwicklung. Die Wechselkurse werden von spekulativen Kapitalströmen statt von fundamentalen Faktoren bestimmt. Die grössten Nutzniesser sind immer die Banken.
Globalisierungstendenzen lassen sich aber auch in anderen Bereichen feststellen, sei es in der Umweltpolitik, deren Probleme bereits seit Jahren nicht mehr national gelöst werden können, oder in der Sicherheit, in der Kultur und in der Gesellschaft.
Das Wort „Sicherheit“ weist auf die enorme Ausweitung und Verbreitung der Kriminalität (Drogen-, Waffen-, Kunst- und Menschenhandel, Geldwäscherei) hin. Das Wort „Kultur“ deutet hin auf die „McDonaldisierung“ der Welt, Hollywoodfilme in jedem Kino, CNN in fast jedem Haus und Englisch als Universalsprache für Wissenschaft und Technik, im Business und im Internet. Massive Werbung weckt weltweit den Wunsch nach weitgehend wertloser Massenware. Das Wort „Gesellschaft“ verweist einerseits auf riesige Flüchtlingsströme, auf Migration aus politischen und wirtschaftlichen Gründen sowohl innerhalb von Ländern als auch zwischen Ländern und gar Kontinenten. Anderseits kommt es zu Annäherungen und Vermischung von Rassen, Völkern, Sprachen und Religionen. Viele Abendländer fühlen sich heute als Buddhisten; viele Asiatinnen heiraten in den Westen.
Die Globalisierung ist nicht neu
Man kann den Anfang der Globalisierung bei den Höhlenbewohnern, bei den Raubzügen der Phönizier (1000 v. Chr.), bei den Beutezügen der portugiesischen Seefahrer (seit 1441) oder bei der Eisenbahn und Telekommunikation (um 1850) ansetzen. So richtig los ging es aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Für die Schweizer Industrie ist die Globalisierung schon lange eine Selbstverständlichkeit, ja eine Notwendigkeit, denn vom einheimischen Markt könnte sie nicht leben. Daher lautet die Frage nicht, ob Globalisierung gut oder schlecht sei, sondern was man daraus macht.
Globalisierung ist kein neues Phänomen, sondern eine Intensivierung der bisherigen grenzüberschreitenden Transaktionen – materielle wie geistige -, die bis anhin unter dem Titel „Internationalisierung“ gelaufen sind. Die Alten Römer beherrschten einst die abendländische Welt mit der „Pax Romana“, der Kommunismus wiederum verhiess die Weltrevolution, und heute haben wir die „Pax Americana“. Neu ist allerdings die Stärke und Schärfe des Anpassungsdruckes.
Unterschiedliche Beurteilung
Die Meinungen gehen weit auseinander. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man sagen, dass die Profiteure der Globalisierung – also die wirtschaftliche Starken und politisch liberalen – „dafür“ sind, die Verlierer, die Linken und Nationalisten „dagegen“. Einige Vorwürfe lauten:
Positiv ist die Förderung der Dritten Welt. Es wird in Gebiete investiert, die bisher nicht berücksichtig worden sind. Dort werden qualitativ hochstehende Produkte hergestellt. Im geistigen Bereich bedeutet Globalisierung Abschiednehmen von alten Gedankenmustern. Im seelischen Bereich ermöglichen die modernen Kommunikationsmittel eine sofortige weltweite Übertragung von Ereignissen aller Art – vom Sport bis zum Terror. Ohne Berichte in den Medien wüssten wir z. B. fast nichts vom Wirken Bruno Mansers. Daher könnte die Globalisierung ein Weg zu einem allumfassenden Wissen zeigen, zu einer pan-sphärischen Verständigung zum Nutzen aller Lebewesen und deren Umwelt auf diesem Planeten.
Positive und negative Aspekte der Globalisierung
Die Globalisierung bietet insbesondere kleinen Ländern wie der Schweiz einen weltweiten Markt für Waren und Kapital. Sie bietet innovativen Ländern die Chance, eigenes Wissen und Können in die Welt hinauszutragen. Damit leisten sie effiziente und fruchtbare Entwicklungshilfe bei Ländern, die nicht über dieselben Möglichkeiten verfügen. Anderseits können starke Nationen wirtschaftlich schwache missbrauchen, indem sie dort billige Arbeitskräfte zu schlechten Bedingungen arbeiten lassen. Damit zerstören sie aber auch den Arbeitsmarkt im eigenen Land. Gleichzeitig werden sanierungsbedürftige Länder gezwungen, mit ihrem mühsam erwirtschafteten Kapital im Handelsaustausch teure und qualitativ hochstehende Produkte zu importieren, die sie unter Umständen gar nicht brauchen oder nicht zu gebrauchen wissen.
Einerseits kann die Globalisierung Menschen und Länder zusammenbringen und das Verständnis füreinander fördern. Anderseits fehlen oft die nötigen Fachkräfte, welche die Mentalität in den Entwicklungsländern verstehen und die Ausdauer dafür aufbringen, sich darin zu vertiefen. Die Förderung der Schul- und Berufsbildung ist durchaus möglich, aber es braucht dafür viel Geduld und Erfahrung.
Zweischneidig sind die potenten Instrumente der Globalisierung, nämlich schnelle und grosse Transportmittel sowie Computer und Kommunikationsmittel. Einerseits gewähren sie teilweise Informationsfreiheit, anderseits erleichtern sie den internationalen Interessen- und Terrororganisationen ihre Koordination und Logistik. Einerseits können Touristen rasch die halbe Welt erkunden, anderseits bringt der Tourismus westliche Denk- und Lebensweisen, Produkte und Abfälle in bisher „unerschlossene“ Gebiete.
Eine winzige „Elite“
In den globalisierten Unternehmen hat eine ganz kleine Gruppe von Führungskräften das Sagen. Sie treffen Entscheidungen, die vielleicht kurzfristig grossen finanziellen Erfolg versprechen, doch um die längerfristigen Konsequenzen – vor allem für die anderen – kümmern sie sich nicht. Es bedarf daher eines breit abgestützten Kontrollsystems, um Auswüchse zu vermeiden.
Das Schlimmste liegt darin, dass diese winzige „Wirtschafts-Elite“ nicht nur die Märkte, sondern auch die Politik (Filz), Kultur (z. B. via Sponsoring) und Wissenschaft (z. B. Bio-, Gentechnik, Saatgut; Mikrotechnik) dominiert. Dazu gibt es „Seilschaften“, einflussreiche Lobbies und weltweite Kartelle.
Was hat die Globalisierung der Dritten Welt gebracht?
Trotz (oder wegen?) der Globalisierung hat sich die Kluft zwischen 1. und 3. Welt vergrössert: Das Verhältnis der Durchschnittseinkommen des reichsten zum ärmsten Land der Welt vergrösserte sich in den letzten 100 Jahren von 9:1 auf 60:1. Der Welthandel stieg seit 1950 (61 Mrd. Dollar) um den Faktor 100, real um den Faktor 20.
Die Verschuldung der Dritten Welt stieg von 38 Mrd. Dollar 1965 auf rund 2500 Mrd. 1998. Ihr jährlicher Schuldendienst ist mit 250 Mrd. Dollar fünfmal grösser als die Entwicklungshilfe, die sie erhält.
Aufwärts ging es nur in einzelnen Regionen, in den Tiger-Staaten Ostasiens (z. B. Südkorea, Malaysia, Taiwan, Thailand) und in den Jaguar-Staaten Lateinamerikas (Chile, Mexiko), vor allem, weil diese wettbewerbsfähige Güter für den Weltmarkt produzierten. Andere Länder, besonders afrikanische und islamische, blieben weit zurück. In Zahlen: Während die asiatischen Entwicklungsländer ihren Anteil am Welthandel von 1970-1995 von 6% auf 19% steigern konnten, fiel er für Lateinamerika von 6% auf 4% und für Afrika von 4% auf 3%. Insgesamt ist nicht einmal ein Drittel der Weltbevölkerung in die Weltwirtschaft integriert.
Es hungern heute 800 Millionen Menschen auf dem Globus. Die Zahl der Menschen, die zum Leben weniger als zwei Dollar täglich verdienen, ist auf drei Milliarden gestiegen. In vielen Entwicklungsländern liegt die offene und versteckte Arbeitslosigkeit bei 40-50 %. Viele Menschen, besonders Jugendliche, empfinden ihre Lage als hoffnungslos.
Auf dem Weg zur Zweiklassengesellschaft
Doch nicht nur in globaler Sicht vergrössert sich die Kluft zwischen Reich und Arm, Mächtigen und Ohnmächtigen, sondern auch innerhalb aller einzelnen Länder. Die Entwicklung ist in den meisten armen Ländern zu rasch vor sich gegangen. Einige privilegierte Persönlichkeiten nützen die wirtschaftlichen Vorteile schamlos für sich aus. Der grösste Teil der Bevölkerung geht dabei leer aus. Auch in der Schweiz und anderen Industriestaaten entwickelt sich eine Zweiklassengesellschaft, z. B.:
Wirtschaftlich ergibt sich ebenfalls eine Zweiteilung: Nur ganz grosse oder ganz kleine Unternehmen werden überleben. Die mittelgrossen verschwinden, weil sie nicht mehr rentabel produzieren können. Ein Teil der kleinen Unternehmen kann in Nischen oder mit Spezialprodukten überleben, aber viele Kleingewerbe und lokale Firmen werden von Multis bedrängt und verdrängt.
Was hat die Globalisierung nicht gebracht?
Die Globalisierung hat weder Kriege verhindert, noch die Zahl der Verfolgten und Flüchtlinge vermindert. Es gibt immer noch Guerilla- und Widerstandsorganisation. Die Atomwaffenarsenale wurden nicht abgebaut, Bio- und Chemiewaffen eher aufgebaut. Auch der Raubbau an natürlichen Ressourcen sowie die Verschmutzung und Vergiftung der Umwelt wurde nicht gebremst. Bereits zeichnet sich ein Klimawandel ab. Kinder und Frauen werden immer noch in vielen Ländern gering geachtet und wirtschaftlich benachteiligt.
Die UNO beschreibt in 12 kurzen Punkten, was global gesehen, das „Glück“ der Menschen ausmachen würde. Die Bewohner der „Wohlstandsinseln“ in Westeuropa, Nordamerika und Ostasien dürfen sich darüber Gedanken machen, finden sich doch unter diesen Forderungen:
Philosophische Zusammenfassung
Positiv gesehen: Die Globalisierung hat soviel Reichtum geschaffen, dass dieser bei gerechter Verteilung allen Menschen zugute kommen würde. Sie zeigt allen Menschen, dass wir auf demselben Planeten wohnen. Sie verbreitet abendländische Ideale, wie Demokratie statt Oligarchie, Menschenrechte statt Gewalt, Gerechtigkeit statt Willkür, soziale Marktwirtschaft statt Planwirtschaft, Leistung statt Vetternwirtschaft.
Negativ gesehen: Die Globalisierung ist der extrem verstärkte Hebelarm der uralten menschlichen Krankheit „Habgier“. Sie hat kein Gewissen, beruht sie doch auf technischer und ökonomischer Rationalität.
Die Wissenschaft sieht alles anders. Kein Wort von hungernden Millionen und drückenden Schuldenbergen. Ihr Tenor lautet zynisch: Wer nicht mitmacht, ist selber schuld! Ob es unser Planet jedoch ertragen würde, wenn alle 6,3 Milliarden Menschen auf westlichem Standard – etwa punkto Konsum, Verkehr und Energieverbrauch - lebten? Kluge Leute haben ausgerechnet, dass es für diesen Standard 2,5 Planeten braucht.
Kein Widerstand möglich
Obwohl die Globalisierung von Menschen gemacht wird, die in Multis, Parlamenten und Regierungen sitzen, hat sie die Wucht einer Naturgewalt. Sie scheint unaufhaltsam. Das ist ähnlich wie beim „technischen Fortschritt“, der „Verstädterung“ oder der „Überalterung der Gesellschaft“. Während aber der einzelne bei der Technik partiell noch Nein sagen kann – Verzicht auf Fernseher und Auto, Computer oder Handy – ist bei der Globalisierung kein Widerstand möglich. Die Protestaktionen an den Welthandelsgipfeln in Seattle (November 1999) und Genua (Juli 2001) oder beim World Economic Forum in Davos waren zwar medienwirksam, machten aber einen eher kläglichen Eindruck. Desgleichen die Grüppchen von französischen Bauern, die gegen McDonald’s auffuhren.
Teil 2: Lösungsmöglichkeiten
Regulierung ist auf drei Ebenen möglich
Wie auch immer man die Globalisierung beurteilt, es bleiben die Fragen: Soll und kann man sie bremsen oder wenigstens regulieren? Wenn ja, wer soll und kann das tun – und wie und womit?
Menschenwerk kann reguliert werden a) von innen (oder „oben“) her durch Moral (= sittliches Verhalten und Gewissen) b) in jedem Land durch Vorschriften und Gesetze c) global durch internationale Vereinbarungen.
Und auf jeder Ebene sind Vereinigungen tätig.
a. 1) Wirtschaftsethik – Business Ethics
Theoretische Erörterungen über Moral laufen unter dem Titel „Ethik“. Wirtschaftsethische Richtlinien finden sich schon im Buddhismus, in der Bibel und später im Koran. In der Blütezeit des Mittelalters wurden solche von den (katholischen) Scholastikern gepredigt. Die Reformatoren begründeten die kapitalistische Ethik. Seither gibt es insbesondere Ratgeber für junge Kaufleute.
Seit etwa 1830 machten sich die Gelehrten erneut Gedanken über die sittlichen Grundlagen der Wirtschaft. Ab 1890 erlebten die katholische Soziallehre wie die evangelische Wirtschaftsethik einen neuen Aufschwung.
In den 1960er Jahren boten einige amerikanische Business Schools erstmals Kurse über soziale Verpflichtungen von Unternehmen (corporate social responsibility) an. Als eigenständiger Forschungsschwerpunkt und als Lehrfach etablierten sich „Business Ethics“ in den 70er Jahren. 1983 wurde an der Hochschule St. Gallen eine Forschungsstelle für Wirtschaftsethik eingerichtet; später wurde daraus ein Institut. 1998 hat die Société Générale de Surveillance (SGS) mit SA8000 (Social Accountability 8000) eine weltweite Norm für ethisches Verhalten auf den Markt gebracht. Da sich unter den wichtigen Themen Kinderarbeit, 48-Stunden-Woche, Recht auf Ferien, usw. finden, ist diese Norm besonders für Multis wichtig, die ihre Produkte in der Dritten Welt produzieren lassen. Im „World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)” - ursprünglich eine Initiative von Stephan Schmidheiny - sind mittlerweile 160 Multis aus über 30 Ländern zusammengeschlossen. Das „Corporate Social Responsibility Forum“ von Prinz Charles vereinigt 65 Multis. Bei beiden dabei sind ABB und Nestlé, bei ersterem noch Holcim, Roche, Novartis, SGS, Swiss Re, Syngenta, UBS und Zürich. Im Januar 1999 forderte der Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, am World Economic Forum in Davos die Wirtschaftsführer auf, sich auch um die sozialen und ökologischen Belange der Welt zu kümmern. Im Sommer 2000 wurde dazu das Programm „Global Compact“ ins Leben gerufen. Auch hier beteiligen sich ABB, Novartis und UBS, dazu CS und Serono.
Es sieht aber so aus, als blieben alle diese Bemühungen, den Managern und Wirtschaftskapitänen ein „Gewissen“ zu vermitteln, rein akademisch. Und auch „Codes of Conduct“, welche die Firmen selber seit den 1980er Jahren aufstellten, blieben weitgehend Lippenbekenntnisse.
a. 2) Allgemeine Ethik
Einen anderen Weg zeigen die Religionen. 1893 fand in Chicago der erste Weltkongress statt, der versuchte, östliche und westliche Religionen einander näher zu bringen. Der indische Weisheitslehrer und Freimaurer Swami Vivekananda hielt eine viel beachtete Rede. 1936 führte der „World Congress of Faiths“ in London die verschiedenen Religionen des Commonwealth zusammen. 1956 gründete Sant Kirpal Singh die “World Fellowship of Religions”.
Einen neuen Anlauf unternahm der katholische Schweizer Theologe Hans Küng mit seiner 1995 formell gegründeten Stiftung „Weltethos“. Küngs Hauptforderung lautet: Ethik muss wieder zu einem öffentlichen Anliegen von erstrangiger Bedeutung werden. Dahinter steckt die grundlegende Einsicht: Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden. Und: Kein Religionsfriede ohne Dialog der Religionen.
Immer noch aktuell aus dem Zeitalter der Vernunft sind die Bemühungen des Philosophen Immanuel Kant um den “Ewigen Frieden“ 1795. Zehn Jahre vorher hatte er unter anderem den praktischen Imperativ aufgestellt: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloss als Mittel brauchest.“
Der Psychoanalytiker Erich Fromm formulierte es fast 200 Jahre später etwas einfacher: Der Mensch kann und muss dem andern Menschen und der Umwelt von Nutzen sein – nicht diese aus-nutzen.
b.) Jedes Land ist selbst verantwortlich
Trotz Globalisierung sind immer noch alle Länder selber für ihr Schicksal verantwortlich – auch die allerärmsten. Die Rezepte lauten für sie gleich wie für die „entwickelten“ Länder, nämlich Förderung von Demokratie und Liberalisierung, Bildung und Forschung, politischer Stabilität und Rechtssicherheit. Dazu kommen drastische und energische Reformen in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen, Abbau von Subventionen und Protektionen sowie Achtung der Frauen und Kinder.
(Sieh auch die Ratschläge der Wissenschaft.)
c. 1) Internationale Vereinigungen
Es gibt über 40 000 internationale Organisationen, die sich mit der Regulierung der Weltwirtschaft und den Folgen der Globalisierung befassen. Das bewegt sich von der UNO mit ihren Sonderorganisationen über die Welthandelsorganisation (WTO), die Internationale Handelskammer (ICC) und die Weltverbände der politischen Parteien bis zu den Umweltschutzorganisationen und humanistischen Vereinigungen. Grossen Einfluss haben auch die internationalen Beratungsagenturen wie Accenture oder PriceWaterhouseCoopers mit 10 000en von Mitarbeitern.
Interessant wäre zu wissen, was Freimaurer (ca. 3 Mio. Mitglieder), Odd Fellows (ca. 800 000 Mitglieder), Rotarier (1, 2 Mio.), LIONS (1,5 Mio.), Kiwanis (330 000) und Junior Chamber International (40 000) bezüglich Globalisierung unternehmen. Oder sind sie geistige Konkursunternehmen? Und was unternehmen die Scientologen (8 Mio.) diesbezüglich?
c. 2) Engagement des einzelnen
Der Einsatz für den Frieden kann heute fortgesetzt werden durch den Einsatz für eine Regulierung der Globalisierung. Das kann sowohl im eigenen Land geschehen als auch durch Mitarbeit in einem internationalen Gremium - je nach Kenntnissen, Interessen und Temperament.
Ein Beispiel unter vielen: Der neue Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, der Thailänder Supachai Panitchpakdi hat bei seinem Amtsantritt Anfang September 2002 verlauten lassen, er plane die Bildung eines Kreises „aus allseits respektierten Persönlichkeiten“. Diese „so genannte Gruppe eminenter Personen ... könnte Konflikte im Vorfeld aufgreifen und Beschlüsse vorbereiten.“
Gerade sonst un-politische Menschen können als weitgehend „neutrale“ Fachleute nicht-gouvernementale Aspekte in die Diskussion bringen. Ohne eine Zusammenarbeit von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und Initiativen auf allen Ebenen ist die Globalisierung nicht zu bewältigen.
Die sozialdemokratische deutsche Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat Ende 2000 erkannt, „dass der Globalisierung Regeln gegeben werden müssen“, und die Vorsitzende der deutschen CDU Angelika Merkel formulierte gleichzeitig, die Aufgaben des 21. Jahrhunderts sei, „Markt und Menschlichkeit zusammenzubringen“.
Man könnte als Leitlinie auch Sustainabilty wählen. Was heisst „Sustainability“? Das Wort wurde 1992 durch die Konferenz von Rio populär. Es bedeutet, dass der Mensch bei allen Unternehmungen sowohl die wirtschaftlichen, ökologischen wie sozialen Faktoren und Auswirkungen beachten soll. Das heisst, er muss gleichzeitig den Profit, die Umwelt und die Menschen im Auge haben.
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