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Analyse – Beurteilung - Ratschläge

 

Inhalt

Drei Triebkräfte

Keine gravierenden Folgen

Positives Fazit

Wer nicht mitmacht, ist selber schuld!

Ratschläge für Entwicklungsländer

Es fehlt oft an Freiheit und Wissen

 

 

 

Drei Triebkräfte

 

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben vor allem drei Faktoren die Globalisierung weiter vorangetrieben, wie einem Diskussionsbeitrag von Arne Klau (von der ILO) an der Universität Freiburg i. Br. zu entnehmen ist:

 

1. die Handelsliberalisierung

 

Vor allem multinationale Zollreduktionen im Rahmen der GATT-Verhandlungen hatten einen beträchtlichen wachstumsfördernden Effekt und bewirkten eine zunehmende Öffnung nationaler Volkswirtschaften. Die durchschnittlichen Zollsätze in den Industrieländern sind von hohen zweistelligen Raten auf weniger als vier Prozent gefallen.

Als Konsequenz wuchsen die weltweiten Exporte (6% pro Jahr) stärker als das globale Sozialprodukt (4%pro Jahr). Dies bedeutet eine Versechsfachung des Weltsozialproduktes in den letzten 50 Jahren, während der Welthandel im gleichen Zeitraum um den Faktor siebzehn zunahm.

 

2. der technologische Wandel

 

Fortschritte in der Transporttechnik führten zu stetig fallenden Kosten von See- und Luftfrachttransporten. Innovationen wie Bildschirmzeitung (1977), NATEL (1978), Fax (1979), E-Mail (1981), Video-Konferenzen (1984) und Internet (1992) erweiterten das Spektrum der Kommunikationsmöglichkeiten bei sinkenden Kommunikationskosten.

 

3. die Internationalisierung der Produktion

 

Die Zahl multinationaler Unternehmen erhöhte sich von 7000 Ende der sechziger Jahre auf über 60 000 im Jahr 1998; die Zahl der ausländischen Tochterunternehmen wird auf 500 000 geschätzt. Die jährlich getätigten ausländischen Direktinvestitionen stiegen von 68 Mrd. US-Dollar (1960) auf über 640 Mrd. Dollar im Jahr 1998.

Niedrigere Handelsbarrieren und die Deregulierung nationaler Märkte haben zu einer internationalen Fragmentierung der Produktion und Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit geführt. Ein steigender Anteil des Welthandels wird firmenintern durchgeführt, und immer weniger Güter werden allein auf der Grundlage nationaler Vorprodukte hergestellt. An einem amerikanischen Auto ist nur noch ein Drittel der Wertschöpfung amerikanisch; alles übrige stammt aus acht anderen Ländern.

 

Keine gravierenden Folgen

 

Wenn man die Folgen nüchtern betrachtet, lässt sich folgendes beobachten:

 

Vor allem kleine Länder profitieren von der Globalisierung – wenn sie sich öffnen. Behindern sie den Handel und ist ihre Wirtschaftspolitik nur auf das eigene Land fixiert, gehen sie leer aus. Das lässt sich in Asien und Afrika feststellen.

In den einzelnen Ländern haben sich die Einkommensunterschiede vergrössert. Das ist weniger auf die Globalisierung als auf den technischen Fortschritt zurückzuführen, der die Nachfrage nach gering qualifizierter Arbeit sinken lässt. Das gilt für Industrie- wie Entwicklungsländer.

 

Die Stabilität nationaler Arbeitsmärkte hat sich nicht verändert. Aber wenn ein Erwerbstätiger einen neuen Arbeitsplatz sucht, muss er oft in eine andere Branche wechseln. Hinzu kommt eine Ausbreitung von Teilzeitarbeit und befristeten Arbeitsverhältnissen.

 

Länder, die gegen fundamentale Arbeitsnormen und Umweltschutzvorschriften verstossen, haben davon keine Wettbewerbsvorteile und ziehen auch nicht mehr ausländische Investoren an. Exportorientierte Industrien respektieren diese Normen eher als in binnenorientierte.

 

Obwohl die multinationalen Gesellschaften versuchen, sich so zu organisieren, dass ihre Steuern in möglichst „günstigen“ Ländern anfallen, werden die Heimatländer kaum unter einem Steuerausfall leiden, denn das Wirtschaftswachstum bringt mehr Einnahmen. Auch eine eigenständige Wirtschaftspolitik ist trotz der Teilnahme an multilateralen Handels- und Investitionsabkommen möglich.

 

Positives Fazit

 

Das Fazit des Wissenschafters ist positiv: Die Globalisierung bringt insgesamt mehr Wohlstand – auch wenn einzelne Branchen oder Unternehmen Verluste machen.

 

Der Anpassungsdruck ist tatsächlich gross. Doch die Globalisierung muss oft als Sündenbock hinhalten, wenn politische Entscheidungsträger unpopuläre Entscheidungen zu legitimieren versuchen. Dabei sind viele gegenwärtige wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme hausgemacht und haben nichts mit aussenwirtschaftlicher Verflechtung zu tun haben.

 

Weder die in vielen Industriestaaten bestehende Arbeitslosigkeit, die Staatsverschuldung, die Finanzierungsprobleme des Sozialstaats noch die Mehrzahl der Umweltprobleme haben ihre Ursache in der Globalisierung.

 

Also: Die Kernfunktionen des Staates werden durch die Globalisierung nicht massgeblich beeinträchtigt. Mit einer moderne Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitk lassen sich die nationalen Auswirkungen der Globalisierung bewältigen. Die häufig gestellte Forderung nach einem „Primat der Politik“ über die Wirtschaft verkennt, dass eine durch politische Intervention den Regeln von Markt und Wettbewerb entzogene Wirtschaft weder höhere Effizienz noch grössere individuelle Freiheit mit sich bringt.

 

Wer nicht mitmacht, ist selber schuld!

 

„Die wesentlichen Auswirkungen des Globalisierungsprozesses bestehen in einer erhöhten globalen Wohlfahrt durch Ausnützung von Spezialisierungsvorteilen, Diffusion neuer Technologien und intensiveren Wettbewerb. Diese Wohlfahrtsgewinne kommen sowohl Menschen aus Industrie- als auch in Entwicklungsländern zugute. Dabei hängen die Grössenordnung der Wohlfahrtsgewinne sowie ihre internationale und intranationale Verteilung neben Marktentwicklungen stark von der Politik der einzelnen Staaten ab.“

 

Ratschläge für Entwicklungsländer

 

Trotz Globalisierung ist also immer noch jedes Land selbst für sein Schicksal verantwortlich – auch die allerärmsten. Gemäss Arne Klau ist unter dem Zauberwort „Öffnung“ für diese besonders wichtig:

  • Aufgabe der staatsgelenkten Industrialisierung und Importsubstitution zugunsten einer eher markt- und wettbewerbsorientierten Wirtschaftspolitik
  • Abbau von Handelshemmnissen und Zollschranken
  • Abschaffung von Marktregulierungen in bestimmten Branchen und damit Ermöglichung ausländischer Direktinvestitionen
  • Abbau totalitärer und autokratischer Regierungssysteme und Respektierung der Menschenrechte
  • Investition in Humankapital und Massnahmen zur Qualifizierung der Arbeitskräfte.

 

Ferner wird ein Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO empfohlen (noch 50 Länder stehen abseits).

Das verringert die Souveränität der Staaten keinesfalls. Die WTO gestattet ausdrücklich die Verfolgung gesundheits-, umwelt- und sicherheitspolitischer Ziele mit handelspolitischen Maßnahmen, soweit diese den Prinzipien der Transparenz und Nichtdiskriminierung unterliegen. Auch bestimmte Massnahmen zum Schutz heimischer Industrien sind erlaubt. Und überdies steht nationalen Politiken eine Vielzahl von Möglichkeiten offen, die von der Liberalisierung oder dem technischen Fortschritt negativ Betroffenen zu unterstützen.

 

Es fehlt oft an Freiheit und Wissen

 

Ähnliche Vorschläge sind einer Studie zu entnehmen, die arabische Wissenschafter im Auftrag der UNDP gemacht haben.

 

Das geringe wirtschaftliche Wachstum (0,5%) in den 22 arabischen Ländern (mit 280 Mio. Einwohnern) ist vor allem „dem Fehlen von Freiheit und Wissen und der mangelnden Beteiligung der Frauen am wirtschaftlichen und politischen Leben“ zuzuschreiben.

Für Forschung und Entwicklung wird nur gerade 0,5% des Bruttosozialprodukts ausgegeben (Japan 2,9%), und nur 0,6% der Bevölkerung benutzt das Internet. Die Hälfte aller arabischen Frauen sind Analphabetinnen; in manchen Ländern dürfen sie nicht einmal wählen. Überhaupt steht es mit den Grundfreiheiten und den politischen Rechten, aber auch etwa der Unabhängigkeit der Medien schlecht.

 

Die Wirtschaft hat viele dirigistische Elemente, private und öffentliche Monopole stören die Marktkräfte. Die Arbeitsproduktivität ist tief und weiter sinkend. Die Pro-Kopf-Produktion ist bloss halb so gross wie diejenige von Korea.

 




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