Home Die Vorgeschichte der Globalisierung

 

Inhalt

Fernhandel in der Vorzeit und den ersten Hochkulturen

Raubzüge der Seefahrer

Welthandel, Telekommunikation, Internationale Gesellschaften

 

 

 

Fernhandel in der Vorzeit und den ersten Hochkulturen

 

Der Mensch hat schon immer Handel über weite Strecken getrieben. Das belegen archäologische Funde. In einer schwäbischen Höhle des Aurignacien (30 000 v. Chr.) fand man zu Schmuck verarbeitete Muschelgehäuse aus dem Mittelmeer. Kupferbarren aus Mitteldeutschland tauchen in Troja auf. Feuersteinwerkzeuge am Neuenburgersee sind aus Material gearbeitet, das auf Rügen gebrochen worden ist. Bekannt ist die weite Verbreitung von Muscheln und Bernstein in ganz Europa. Den Handelswegen von Obsidian und Lapislazuli sind Forscher vor allem im Nahen Osten nachgegangen.

 

Nach 3500 v. Chr. gab es einen materiellen wie kulturellen Austausch zwischen den ersten Hochkulturen in Ägypten und Mesopotamien, ab 2500 v. Chr. auch Handelsverbindungen zwischen Persien, Mesopotamien und der Induskultur.

Salz ist bei Hallstatt im Salzkammergut schon um 2500 v. Chr. abgebaut worden, und der Reichtum dieser Gegend war so gross, dass den Toten Elfenbeinschnitzereien aus Afrika, ägyptische Glasperlen, Gold- und Silberschmuck und seltene Muscheln mit ins Grab gegeben wurden.

 

Raubzüge der Seefahrer

 

Das erste grosse Seefahrervolk waren die Phönizier. Sie trieben Seehandel, waren gefürchtet wegen ihrer Raubzüge, beherrschten um 1000 v. Chr. das ganze Mittelmeer und stiessen bis nach England vor. Vielleicht umfuhren sie bereits Afrika.

 

Jahrtausende später übernahmen die portugiesischen Seefahrer ihre Rolle: Seit sie für ihren König, den „christlichen Ritter“ Heinrich den Seefahrer, 1441 die ersten Sklaven aus Rio de Oro und bald auch aus Guinea mitbrachten, die Inseln Madeira und später die Azoren besiedelten und von da mit Holz, Zucker, Wein, Wachs, Honig und Harz zurückkamen, wurde die Kolonisierung ein einträgliches Geschäft, das aber auch Kapital brauchte. Das wurde an der Börse beschafft.

Nach 1500 bildete sich, wie ein Börsenhistoriker berichtet,  bereits "a feverish capitalistic boom". Rasch traten Neuerungen auf wie "futures" im Getreidehandel, "public bonds" mit Kurslisten, der Begriff "obligation" sowie organisierte Spekulation, Arbitrage-Handel und Broker. Eine erste Panik im Herzen der europäischen Finanzwelt, in der "Neuen Börse" von Antwerpen, fand 1541 statt.

Der grosse Gelehrte und Humanist Erasmus von Rotterdam stöhnte: „Wann regierte je die Habgier unumschränkter und wurde weniger bestraft?“ Und der englische Staatsmann Thomas Morus klagte, Gold und Silber seien zum „Blut der gesamten Gesellschaft geworden“.

 

Um 1550 verkündete Kaiser Karl V. (=Carlos I.), er herrsche über ein Reich, „in dem die Sonne nie untergeht“. Seither sind europäische Handelshäuser (z. B. „Russia Company“, 1553; „East India Company“ 1602) rund um den Globus tätig.

 

Welthandel, Telekommunikation, Internationale Gesellschaften

 

Ein weiterer Schub lässt sich seit 1850 feststellen. Im Bereich der Transportmittel bedeutete die Eisenbahn eine Revolution, und seit etwa 1880 waren Spezialschiffe, wie Tanker und Kühlschiffe, verfügbar. 1849-51 entstanden die ersten weltweiten Nachrichtenagenturen (Wolff, Havas, Reuters“). Das Transatlantikkabel für den Telegraphenverkehr war seit 1868 brauchbar.

 

1854 kreuzt der amerikanische Admiral Perry vor Tokio auf und erzwingt die Öffnung der japanischen Häfen. Die Eröffnung des Suezkanals 1869 verkürzte den Seeweg nach Asien drastisch. Die ersten multinationalen Gesellschaften entstanden, und moderne Organisationsformen wie Linie-Stab und Divisionen breiteten sich aus. Erfolgreiche Unternehmer in den USA wurden bald als „Robber Barons“ bezeichnet.

 

Ebenfalls um diese Zeit begannen sich vorausschauende Fachleute internationale Vereinigungen aufzubauen. Für fast alle wurde der Sitz in der Hauptstadt der neutralen Schweiz, in Bern, gewählt, etwa für die Internationale Fernmeldeunion (1868), den Weltpostverein (1874), das Sekretariat für den Eisenbahnfrachtverkehr (1890), die Interparlamentarische Union (1892) und die Büros für geistiges Eigentum (1893).

In Genf wurden so wichtige Organisationen wie das Rote Kreuz (1864) und das Blaue Kreuz (1877) gegründet. Der Genfer Elie Ducommun war 1892 Mitbegründer des Ständigen Internationalen Friedenbüros in Bern. Von 1920-1946 beherbergte Genf den Völkerbund, die Vorläuferorganisation der UNO.

 

Von 1850-1855 baute eine amerikanische Gesellschaft eine Eisenbahnlinie auf der Landenge von Colón nach Panama. Der Bau des Kanals begann unter Ferdinand Lesseps 1880, war aber erst – nach dem Konkurs der Franzosen - 1913 durch die Amerikaner fertiggestellt.

 

Eine weitere Vereinfachung und Beschleunigung der Telekommunikation ergab sich seit 1876 durch das Telefon und seit 1896 durch die drahtlose Telegraphie. Später kamen Bildtelegrafie (1925), überseeische Telefonverbindungen per Funk (1927) und Telex (1933) dazu. Radio (1921) und Fernsehen (1929) brachten zuerst das lokale Geschehen, bald auch das Weltgeschehen ins Haus.

 




Return to Top

Home

E-Mail



Logo Dr. phil. Roland Müller, Switzerland / Copyright © by Mueller Science 2001-2008 / All rights reserved

Webmaster by best4web.ch