F. W. Taylor und der Taylorismus
Zu Walter Hebeisen: Über das Wirken und die Lehre Taylors und die Kritik am Taylorismus. Reihe Mensch-Technik-Organisation, Band 24. vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich,1999.
Schon zu Lebzeiten galt Frederick Winslow Taylor (1856-1915) weltweit als Pionier der modernen Betriebsführung - als grosser Erfinder, Überbrücker der Kluft zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern, ja als Sozialrevolutionär.
Für Unternehmen, Arbeiter und Bevölkerung
Taylor entwickelte und verfolgte mit äusserster Konsequenz den Grundsatz, die Anwendung der menschlichen Arbeitskraft zum Gegenstand wissenschaftlicher Beobachtung und Analyse zu machen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zum Nutzen aller zu verwenden. Die mit seinem System der "wissenschaftlichen Betriebsführung" gesteigerte Produktivität sollte gleichermassen die Gewinne der Unternehmen steigern, die Verdienste der Arbeitenden und ganz allgemein den Wohlstand der Bevölkerung erhöhen.
Heftige Widerstände
Taylor stiess von Anfang an auch auf heftigen Widerstand, und zwar nicht nur bei Gewerkschaften. Auch von der Unternehmerseite kam Kritik. Die Auseinandersetzungen um seine Lehre gipfelten 1912 in einem Hearing, als Taylor in den USA vor einem Sonderausschuss des Repräsentantenhauses fünf Tage lang Rede und Antwort stehen musste.
Trotz Kritik: überall angewandt
Die Kritik an Taylor oder vielmehr am "menschenverachtenden" und „längst überholten" Taylorismus ist bis heute nicht verstummt. In der Praxis wird aber nach wie vor nach den Grundsätzen Taylors vorgegangen, die darauf hinauslaufen, Arbeitsmethoden und -abläufe aufgrund von systematischen Analysen zu entwickeln, anstatt sich auf Tradition und Faustregeln zu verlassen.
Ein überraschungsreicher Lebenslauf
Der an Überraschungen reiche Lebenslauf Taylors enthält viele Gründe für seinen grossen Erfolg, aber auch für die nicht verstummende heftige Kritik an seiner Person und seiner Lehre. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Kritik in den meisten Fällen auf schwachen Füssen steht und einer sachlichen, fairen Beurteilung nicht standhält.
Beurteilung des Buches
Es war eine gute Idee, streng chronologisch vorzugehen. Die Schilderung des Lebensganges, der wichtigen Werke und der Auseinandersetzungen ist interessant zu lesen, gewinnt durch die Detailtiefe Anschaulichkeit und gibt ein treffliches Bild der Zeit von ca. 1880 bis 1915. Die Sprache ist klar, präzise und leicht verständlich. Die Lektüre ist wegen des akribisch geschilderten Inhalts allerdings nicht gerade leicht, dafür ungemein informativ und lehrreich. Die Einbettung in die Zeit erhellt manche Zusammenhänge. Die Übersetzungen vieler trefflicher Zitate ins Deutsche sind elegant und gut gelungen.
Der Taylorismus ist auch heute weder überholt noch überwunden. Man kann ihn mit der Schrift von Hebeisen in seiner ganzen Aktualität neu entdecken.
(erschienen in „Management & Qualität“, Nr. 11/1999)
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