Home Ein Hochgradritual von Andrew Michael Ramsay?

 

 

Aus:

Heinrich Lachmann: Geschichte und Gebräuche der maurerischen Hochgrade und Hochgrad-Systeme. 1866, 2-4

 

In zwei Fussnoten weist Lachmann auf das Ritual

„Schottischer Meister und Ritter des heiligen Andreas zur Distel“ in Friedrich Ludwig Schröder: Ritual-Sammlung. 1804/05, Band 1, 3-32, mit „Erklärung“ im 2. Band, 3-24, hin,

doch dabei handelt es sich um ein ganz anderes Ritual.

 

In der Ritualsammlung von Friedrich Ludwig Schröder (1805/06) finden sich zahlreiche weitere Rituale für Schottische Meister - leider alle undatiert und ohne Quellenangabe - unter anderem:

2. Erste Abänderung des Clermontschen Capitels: Schottischer Meister des heiligen Andreas von der Distel

4B. Aufnahme des schottischen Meisters (Strikte Observanz)

7B. Französische Grade 10: Grad des vollkommenen Schottischen Meisters

10C. Aufnehmungsloge für schottische Meister, welche gleichfalls schwarze Brüder genannt werden (Schwedisches System)

14. Schottischer Meister- und Rittergrad (Melissino-System?)

 

 

 

Auch Joseph Gabriel Findel: Geschichte der Freimaurerei, 1866, 257, behauptet:

Im Jahr 1741 kam der von Ramsay verfertigte Schottengrad, wahrscheinlich durch Graf Schmettow, nach Berlin.

 

Klaus C. Feddersen druckte diesen Text noch 1999 in seiner Sammlung „Rituale des hohen Ordens von heiligen Tempel zu Jerusalem, auch Strikte Observanz genannt“ (221-223) ohne jegliche Erläuterung ab.

 

Bei:

Christian M. Baumgartner: Die Strikte Observanz. 2007, 78-85,

heisst der Grad „Ritter des hl. Andreas von der Distel“, wobei aber kein Bezug auf einen allfällig von Ramsay gebildeten Grad genommen wird.

Vgl. auch die Schilderung desselben Grades bei

René Le Forestier: Die templerische und okkultistische Freimaurerei im 18. und 19.Jahrhundert. 1987 (frz. 1970), 127-130.

 

Zur Illustration bringt Baumgartner dreimal den selben Tapis, der freilich nicht zu der Beschreibung im Text passt:

82: Teppich des Ritters des Hl. Andreas von der Distel

90: Teppich des Schottischen Meisters im System von Clermont, um 1747

297: Teppich des Schottischen Meisters im System von Wilhelmsbad [1782] als „Teppich des Schottischen Meisters aus dem System von Clermont“

 

 

 

 

Abb. aus dem Buch: Les Francs-Maçons Ecrasés, 1747, nach Seite 328.

René Le Forestier: Die templerische und okkultistische Freimaurerei im 18. und 19.Jahrhundert. 1987 (frz. 1970), 187, bringt den Tapis mit der Seitenangabe 82 und der Legende: Teppich des Schottischen Meisters

Es handelt sich freilich um den Tapis des „gewöhnlichen“ Meisters (Beschreibung, 328-329), siehe auch:

Lehrlinge - Gesellen - Meister

„Die zerschmetterten Freymäurer“, 1746, Teil III

Der Tapis des Architecte ou Maître Ecossois zeigt nur 5 Tierfiguren (frz. 348-354: Renard, Pellican, Colombe, Singe, Lion), Abbildung z. B. bei:

Christian M. Baumgartner: Die Strikte Observanz. 2007, 27, mit der Legende von Klaus C. Feddersen: „Plan des Schottengrades einer französischen Loge von 1717“.

 

 

Zu Ramsay:

http://www.freemasons-freemasonry.com/bernheim_ramsay03.html

 

 

 

Nun Heinrich Lachmann im Kapitel „Schotten Grade“:

 

Seine Entstehung verdankt dieser vierte, und dadurch alle die vielen nach und nach darauf gepfropften Grade, dem Michael Andreas Ramsay der im Jahre 1740 bei einer Aufnahme in Paris eine Rede hielt, in welcher vorkommt: die Zeichen und Worte der Freimaurer seien wahrscheinlich die Kriegsparole gewesen, welche die Kreuzfahrer sich gaben, um sich vor den Sarazenen zu verwahren, die sich oft unter ihnen einschlichen und sie erwürgten u. s. w., und „einige Zeit nachher vereinigte sich unser Orden mit den Rittern des heiligen Johannes von Jerusalem, und von dieser Zeit an führen unsere Logen in allen Ländern den Namen des heiligen Johannes.“

 

Der erste von ihm erfundene, und die in verschiedenen Maurer-Systemen vorkommenden Grade, heißen Schotten-Grade, weil behauptet wird, sie seien in Schottland entstanden; von Einigen, der König Robert I., Bruce„ habe den Grad gestiftet und mit dem St. Andreas Ritterorden verbunden, um seine Getreuen für ihre Tapferkeit in der Schlacht von Bannockburn 1314 zu belohnen, Jacob lI. habe ihn 1688 aus Schottland mit nach Frankreich gebracht. Es ist aber aus Lawrie's Geschichte der Fr.-M. in Schottland erwiesen. daß da vor 1763 noch kein vierter Grad bekannt war. und Jacob hat erst am 2, Januar 1689 Schottland verlassen; die Zahl 1688 kann also nur Ordens-Chiffre sein.

 

 

Ramsay's Schottischer Meister.

 

In dem ersten dieser Schotten-Grade wird der Freimaurer zum Schottischen Meister und Ritter des heil. Andreas zur Diestel geschlagen, „im Namen Gottes, des Apostels Andreas, des Großmeisters (wobei Anfangs der König von Schottland genannt wurde) und des Meisters der Sch. L.“

 

Die Farbe der Loge wie der Bänder und Schürzen ist grün; die heil. Zahl 4. also geschehen 4 x 4 (- u u -) Schläge; das Zeichen ist: man setzt die rechte Hand vor die Stirn. als beschatte man sich die Augen, weil so der Hohepriester in's Allerheiligste gehen mußte; Griff: der Meistergriff, von dem geht man mit der Hand zum Ellenbogen und setzt da die Kralle ein; Wort: Jehovah; Paßwort: Gabaon.

 

Den Schott. Mstrn. wird die höchste Sittenreinheit zur Pflicht gemacht; sie sind hohepriesterliche Ordensbrüder und haben deshalb das Allerheiligste des Tempels im Besitz. während die Lehrlinge und Gesellen als Leviten den Vorhof. und die Meister als priesterliche Bbr. das Heiligthum bewohnen.

 

Auf dem Teppich sieht man die Bundeslade als ein Bild des Herzens der Brüder; ferner drei goldene Schalen in einem ausgehöhlten Cubiksteine, jede mit einem der Buchstaben J. G. O. bezeichnet. welche die drei wesentlichen Bestandtheile der ganzen Welt, Salz, Schwefel, Merkur bedeuten. Diese Schalen hatten vier Altmeister aus Schottland in den Ruinen des zerstörten Tempels von Jerusalem gefunden; darum heißen sie Schottische Meister. und ihnen zu Ehren stehen vier Lichter im Schottischen Tempel.

 

Noch sieht man auf dem Teppich vier Säulen: zwei abgebrochene kreuzweis gelegte und zwei aufrecht stehende; die ersten deuten darauf. daß durch Hiram's Tod die hohe Arbeit und Kunst völlig umgestürzt wurde, die andern sind durch die Schottische Brüderschaft wieder aufgerichtet worden. aber abgekürzt, um anzudeuten, daß die große allerheiligste Kunst nicht in ehemaliger Vollkommenheit ist (die übrigen Symbole ergeben sich aus der Erzählung der Aufnahme).

 

Der Aspirant wird mit dem Stricke um den Hals eingeführt. der hier das Ehrenband Hiram's heißt und muß durch die vier schottischen Schritte über den Teppich zum Altar schreiten; er stellt nämlich am Eingange des Vorhofs die Füße in Winkelmaaß und setzt erstens den linken Fuß rechts zum ehernen Meer, zweitens den rechten links zur Arche Noah, drittens den linken rechts zum babylonischen Thurm und tritt viertens mit dem rechten vorwärts zum kubischen Stein, wo er sich vor demselben wieder in's Winkelmaaß stellt.

 

Die Kunst der Schottischen Meister ist die Wissenschaft. theils aus den drei genannten Bestandtheilen eine Universal-Arznei zu bereiten. theils die niedrigen Metalle in das höchste, Gold, zu verwandeln. Diese Zubereitung geschieht nach einer Vorarbeit, nach den fünf Punkten der Schottischen Meister. deren Sinnbilder die sieben Stufen des ehernen Meeres, die Arche Noah, der babylonische Thurm und der flammende Stern sind, die darum alle auf dem Teppich stehen.

 

Man sieht hieraus, daß man schon damals die Eitelkeit des Ritterordens durch Goldmacherei und dergl. zu belohnen dachte. Die eigentlichen Anstifter waren die Jesuiten, die durch diese Verbindung den Katholicismus und den Prätendenten wieder in England einzuführen dachten.

 

 - Dieser Grad kam schon früh nach Deutschland, 1741, wahrscheinlich durch den Graf Schmettow, nach Berlin (Schottenloge Union); 1744 durch denselben nach Hamburg. die darauf gegründete Schotten-Loge nahm 1746 ihm zu Ehren den Namen Schmettow an, während schon 1745 neben ihr noch eine, Judica. Bestand; in Braunschweig hat zu derselben Zeit eine solche unter dem Namen Loge de Consolidation bestanden, die aber der einzigen übrig gebliebenen Nachricht zufolge ganz andere Gebräuche und Erkennungszeichen und lediglich alchymistische Tendenzen hatte.

 



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