Home Film und Mode

                     Ein langer Weg zur Damenmode der 1950er Jahre

                     Schauspielerinnen prägen Trends

 

(Teilweise) weiterführende Literatur:        Film und Mode (1953-2005)

siehe auch:                                                  Literatur: Mode (1526-2007)

                                                                      Musicals und Filme 1940-1970

 

siehe ferner:                                                 Erfindung ... Innovation – worum geht es?

                                                                       Christian Garve: Über die Moden. 1792

                                                                       Kleine Geschichte der frivoleren Mode (2000 v. Chr. - 1960)

 

 

bearbeitete und durch verstreute Notizen aus den Jahren 1965-1991 sowie durch weitere Nachforschungen

ergänzte Notizen für „Den ‚Aufbruch der vierziger Jahre’ nutzen“, Winter 1973/74 und Vorlesungen über „Menschenbilder“ 1982-84

 

 

Inhalt

1789-1820: die erste Befreiung von einengender Kleidung

1820-1945: eine lange Vorgeschichte und langsame Entwicklung:

a) zur langen Hose (1914) und weiter

b) zum kurzen Rock (1925) und weiter

c) zum Büstenhalter (1914) und weiter

d) weitere Entwicklungen

e) Trenchcoat (1901)

f) schulterfreie Abendkleider (1928)

1929: Hot pants - 1944: Fahrradhosen – (1850) 1947: Blue Jeans - 1948: Capri-Hose – (1900) 1952: Bermuda shorts

(1900) 1943: Bikini

Einflussreiche Kostümdesigner Hollywoods

1947/ 51 bis 1963: „Petticoats“

1952: „Merry Widow“ – 1953: Pyjama - 1956: Baby Doll – 1958: Strumpfhose – 1959: Lycra

(1890) 1950: Dufflecoat - (1913) 1951: T-Shirt - 1954: Kelly Bag – 1955: Chanel 2.55; Bonnie Cashin

1951: Stiletto – 1953: Ballerinas - 1956: spitze Schuhe

1950-1961: Pferdeschwanz- und: Kurzhaarfrisur, toupiertes Haar

1956 bis 1959: Audrey Hepburn und Brigitte Bardot: kombinieren weiter

1958: Trapez-Look und „Mini“

 

 

Jede Mode hat eine lange Vorgeschichte, denn die Mode lebt, das heisst: Sie entwickelt sich langsam und bewegt sich auf und ab.

Verantwortlich sind nicht nur textile und konstruktive Innovationen, Modeschöpfer und Fabrikanten, sondern auch Kostümdesigner und Filmstars.

Sehr viele Trends entwickelten sich in den USA und kamen nach kürzerer oder längerer Zeit nach Europa.

 

Der Einfluss des Kinos auf das modische Verhalten der Frauen, Männer und Kinder erstreckte sich insgesamt über 50 Jahre. Er begann um 1910 etwa gleichzeitig mit dem Aufkommen des Startums.

 

Die 1950er Jahre waren das letzte Jahrzehnt, da es noch kaum Fernsehen gab. Es war die letzte grosse Zeit, da der Film und die Filmstars einen grossen Einfluss auf die Abend- wie Alltagsmode hatten. Die Übergabe der Leitfunktion an das Fernsehen erfolgte langsam. Der Einfluss des Kinos hielt bis Mitte der 1960er Jahre an.

 

 

 

1789-1820: die erste Befreiung von einengender Kleidung

 

Das Jahrhundert der sogenannten „Aufklärung“ (1690-1789) ist – pauschal formuliert - an der Frau weitgehend vorbeigegangen. Erst die Französische Revolution brachte die Befreiung der Frau von modischen Zwängen oder wenigstens von einengender Kleidung. Doch es war ein Prozess, der sich über viele Jahrzehnte hinzog und vor grossen Rückschlägen nicht gefeit war – sogar noch in den 1950er Jahren.

 

Die Jahre nach 1789 brachten eine erste Erleichterung in den weichen und fliessenden Gewändern des Directoire, Empire und Regency. Es heisst etwa, das Kleid von Madame Tallien habe nur wenig Gramm gewogen und mehr enthüllt als verhüllt. Als sie einst in einem weissen Seidenkleid ohne Handschuhe und offensichtlich ohne Unterwäsche in der Pariser Oper erschien, kommentierte Minister Talleyrand: „Il n’est pas possible de s’exposer plus somptueusement!“

 

Vereinzelt trugen Frauen wie die Männer Hosen, aber nur zum Reiten und auf die Jagd – beispielsweise Kaiserin Joséphine.

 

Doch 1820 war es für lange Zeit schon wieder vorbei.

 

1820-1945: eine lange Vorgeschichte und langsame Entwicklung:

a) zur langen Hose (1914) und weiter

 

Bekannt ist dass die Schriftstellerin George Sand seit 1820 Männerkleidung trug, eisenbeschlagene Stiefel dazu seit 1831. Doch das blieb für fast ein Jahrhundert ein Einzelfall.

Weniger bekannt ist, dass auch die bekannte Okkultistin Helena von Hahn in Männerkleidung in der Welt herumgereist ist. Mit 17 Jahren (1848) heiratete sie den einige Jahrzehnte älteren Vizegouverneur von Armenien, Nikifor Blavatsky; schon nach wenigen Monaten floh sie vor ihm zuerst auf einem Pferd nach Tiflis, hernach in Matrosenkleidern nach Konstantinopel. 1855 versuchte sie, ebenfalls in Männerkleidern, erfolglos nach Tibet einzureisen; nachher trat sie in einem Zirkus als Reitkünstlerin auf. 1867 soll sie in der kleinen Armee Garibaldis gekämpft haben; in der Schlacht bei Mentana wurde sie verwundet.

 

Blue Jeans sollen zuerst in den 1850er Jahren von Levi Strauss in San Francisco aus grobem Tuch für Minenarbeiter hergestellt worden sein; die Nieten als Verstärkung der Nähte wurden 1873 patentiert. Spezielle Modelle für Frauen stellte Lewis erst seit 1930 her.

 

Seit 1880 waren Tennis, Fechten und Fahrradfahren die fast einzigen Sportarten, die von Frauen ausgeübt werden durften. Die richtige Bekleidung stellte dauernde Probleme. Mutige trugen bereits Knickerbockers (damals „Bloomers“ genannt). Seiher dienten die langen Hosen den Frauen im Sport, im Ersten Weltkrieg als Arbeitskleidung. (Eine detaillierte Schilderung der „Hosen, weiblich“ seit ca. 1789 bietet Gundula Wolter, 1994.)

 

Die ehemalige Sängerin Coco Chanel fing 1906 an, für ihre Freundinnen Hüte zu kreieren. Sie lieh sich Männerhosen aus und liess sich die Reithose eines Stallburschen nachschneidern. 1909 eröffnete sie einen Hutladen, 1913 die erste Modeboutique. Im Zweiten Weltkrieg führte sie den Männerpullover als Arbeitskleidung für Frauen und bequeme, anschmiegsame Kostüme aus Baumwolljersey ein.

 

Das ursprünglich von Indern und Persern getraqene baumwollene „Pyjama“ wurde um 1912 von den Frauen im Westen entdeckt. Nach dem Ersten Weltkrieg machte es, aus Seide oder Crêpe de Chine gefertigt,  als exklusives Haus- oder Strandkleid Furore. Die Bühnenschauspielerin Else Eckersberg war eine der ersten, die es 1919 öffentlich trug. Bald wurden auch „Pyiama-Parties“ durchgeführt.

 

Sportarten wie Tennis und Schwimmen wurden erst in den 1920er Jahren wieder Mode. Coco Chanel erlaubte, dass die braune Gesichtsfarbe al Zeichen von Sportlichkeit und Eleganz wahrgenommen wurde. Überdies verdanken wir ihr in dieser Zeit nicht nur Hosen für Frauen und die weisse Hemdbluse, die fleischfarbenen Strümpfe (1925) und das „Kleine Schwarze“ (1924 oder 1926), die kragenlose Cardigan-Jacke (1925), Modeschmuck und den Bubikopf (1921 von Asta Nielsen im Film „Hamlet“ vorgeführt), sondern auch ein Parfüm mit ihrem Namen (1921). Ihr Einsatz 1931 für Samuel Goldwyn und Hollywood war dagegen nicht sehr erfolgreich. Viele Stars weigerten sich, ihre einfachen und bequemen Kostüme zu tragen.

 

Die „Roaring Twenties“ machten die Hosen als Mode salonfähig – nicht zuletzt wiederum dank Coco Chanel. Doch erst seit Anfang der 30er Jahre zeigten sich viele Schauspielerinnen in langen Hosen wie auch in Shorts. Legendär sind von Marlene Dietrich der Hosenanzug (ein Smoking - engl, „tuxedo“ - von Travis Banton im Film „Morocco“, 1930; auch privat 1933) und die Shorts mit Seitenstreifen (1936). Im Fliegerdrama „Christopher Strong“ (1933) war Katherine Hepburn in ein hautenges einteiliges glitzerndes Fliegerdress eingezwängt.

 

Keilhosen im Sport gab es seit 1936. Im Winter 1940/41 wurden solche bereits im Sears Catalog angeboten, bezeichnet als „tapered professional-type pants“ mit „double elastic instep strap“. Die 1948 von Maria Bogner eingeführte Version entwickelte sich rasch zum Modeschlager sowohl für die elegante Frau als auch für Filmstars wie Jane Mansfield, Marilyn Monroe, Liz Taylor, Grace Kelly und Ingrid Bergmann. In den USA heissen die Hosen heute noch „Bogners“.

 

b) zum kurzen Rock (1925) und weiter

 

Es waren Tänzerinnen und Revuegirls, welche zuerst bei Bühnendarbietungen kurze Röcke trugen. Es gibt wunderschöne Darstellungen etwa von Amalia Brugnoli und Marie Taglioni, welche ab 1820 den Spitzentanz im romantischen Ballett perfektionierten. Rasch wurden die Ballettkostüme kürzer und fülliger, sodass sie schon 1860 fast wie die Petticoats der 1950er Jahre aussahen. Manche Gemälde von Edgar Degas machten sie bekannt. Das hielt sich etwa fünfzig Jahre lang – siehe die weitabstehenden glockenförmigen Tutus von Marie Petipa (1890), Anna Held (1896/97), Fritzi Scheff in „Mlle Modiste“ (1905) oder Anna Pavlova (1910).

 

In Variéte und Vaudeville, Operette und Music Hall seit etwa 1830 zeigten die jungen Frauen ebenfalls ihre Beine – manchmal auch mehr. Aufsehen erregte Ada Isaac Menthen um 1860 in ihren kurzen Kostümen. Chormädchen trugen auch hautenge Tricots (seit 1876 auch fleischfarben) oder kurze Höschen. Völlige Nacktheit auf der Bühne wie in Naturistenkreisen gab es seit etwa 1890.

Den ersten Schönheitswettbewerb führte Phineas T. Barnum 1854 durch. Doch erst 1912 wurde Cleo de Merode als erste „Schönheitskönigin der Welt“ gefeiert.

 

Im Film zeigte der Filmpionier Georges Méliès seit 1896 in fast allen seinen Streifen Mädchen aus den „Folies Bergères“. Mack Sennett zeigte ab 1912 leichtgeschürzte Mädchen auf verschiedene Arten als „Keystone Bathing Girls“.

 

Eine Kuriosität der Jahre 1915/16 war die sogenannte „Kriegskrinoline“. Auf einigen Karikaturen ist sie sehr kurz.

 

Im Alltag wurden kniefreie Röcke erstmals in den 1920er Jahren getragen, besonders kurze 1927/29, dann erst wieder in der ersten Hälfte der 40er Jahre. 1935 trugen die Frauen als Sommerdress statt Shorts ein kleines Röckchen.

In der Filmkomödie von Ernst Lubitsch „So This Is Paris“ (1926) erscheint Lilyan Tashman mit einem kurzen gebauschten Tanzkleid zu einem Charlestonwettbewerb (ähnlich wie schon in Lubitschs Filmoperette „Die Puppe“, 1919). In der Komödie Now We’re in the Air“ (1927) trat Louise Brooks in einem riesigen grünen Tutu auf.

 

1927 bot die Pariser Modeschöpferin Madeleine Cheruit ihren aristokratischen Kundinnen ein kniekurzes weit ausgestelltes Abendkleid in orangem Taft an. Ihr Kollege Jean Patou, bekannt für seine leichten Bade- und Tenniskostüme, hatte die Vereinigten Staaten besucht und brachte von dort eine frische, sportliche Note nach Europa.

In Lubitschs romantischer Musicalkomödie „Liebesparade“ (1929) trägt Lillian Roth einen kurzen Faltenrock.

 

Im Musicalfilm „Sunny“ (1930) zeigt sich die jungverstorbene Marilyn Miller in einem kurzen, weitausgestellten Kleid. In der Musicalkomödie „Are You There?“ (1930) trug eine Mädchengruppe minikurze grosskarierte Kleidchen; ähnliches zeigte die deutsche Musikrevue „Premiere“ (1936). In der H. G. Wells-Verfilmung „Things to Come“ (1936) trugen Margaretta Scott und die frühverstorbene Pearl Argyle einen Minirock, desgleichen Lana Turner in „Dancing Co-Ed“ (1939) und Marlene Dietrich in „Destry Rides Again“ (1939).

Greta Garbo soll im Film „Mata Hari“ (1931) einen ähnlich kurzen Rock getragen haben, doch die Zensur verlangte, dass die Szene herausgeschnitten werde.

 

Im November 1930 hatte das Singspiel „Im weissen Rössl“ Premiere. Es ging um die Welt und mit ihm das “Dirndl“-Kostüm „mit straff sitzendem Mieder, gebauschten Ärmeln und weiten Röcken mit spitzenbesetzten Taftunterröcken (Ingrid Loschek, 1984, 138). Laut Time Magazin nahm die Pariser Haute Couture bereits 1937 diese Mode auf.

 

Den Sarong machte die Sängerin Dorothy Lamour im Kassenschlager „The Jungle Princess“ (1936) populär. Sie trug ihn noch in einigen anderen Filmen und als „femme fatale“ in mehreren „Road to ...“-Filmen der Paramount 1940-1952.

 

Fröhliche lateinamerikanische Mode machte die in Brasilien aufgewachsene Sängerin und Tänzerin Carmen Miranda in mehreren Technicolor-Musicals der Fox 1940-44 in Nordamerika populär. Ihre farbenfrohen Röcke, oft nabelfreien Tanzkostüme, Glitzerkeider und Blusen sowie hohen Plateauschuhe brachten – nebst ihren lustigen Liedern - etwas Aufhellung in die Kriegszeit. Ihre abenteuerlichen Hutkreationen, vielfach mit Früchten und Gemüsen, brachten ihr den Übernamen „The Lady with the Tutti-Frutti Hat“ ein. Ihr exotischer Auftritt wurde immer wieder gerne als komische Farce imitiert – meist von Männern.

 

c) zum Büstenhalter (1914) und weiter

 

Wie schon im Rokoko wurde ab 1830 die Frau erneut für ein halbes Jahrhundert in Korsetts gezwängt und in Krinolinen und Stiefeletten gesteckt. Das Reformkleid der Temperenzlerin und Frauenrechtlerin Amelia Bloomer (1851) fand wenig Anklang, und die Befreiung von Fischbeinstäbchen und Schnürung dauerte manches Jahrzehnt, insgesamt fast 100 Jahre bis er die heutige Form erhielt.

 

Die Erfindung des Büstenhalters wird von 1859 bis 1914 zahlreichen Unterwäschefabrikanten, Näherinnen und Modeschöpfern in USA, Frankreich und Deutschland zugeschrieben. Wesentlichen Einfluss hatten die verschiedenen Kleider-Reformbewegungen seit 1880, darunter die Wienerin Emilie Flöge (1904), die Engländerin Lady Duff-Gordon, genannt „Lucile“ (ca. 1910) sowie die französischen Modeschöpfer Herminie Cadolle (1889/ 1905), Jeanne Paquin (1891), Jacques Doucet (ca. 1910), Paul Poiret (1910), Madeleine Vionnet (1912) und Coco Chanel (1913). Erst seither gab es auch elastische Gürtel (1911) und völlig getrennte Hüftgürtel (1920).

Dieser Befreiungsschub brachte der Korsettindustrie beträchtliche finanzielle Einbussen und rief sogar Experten wie Havelock Ellis (1910) auf den Plan. Sie setzen der Abschaffung des Korsetts beträchtlichen Widerstand entgegen.

 

Paradoxerweise verlangte die Mode bald nach der „Erfindung“ des Büstenhaltes eine „flache“ Brust. Die Frauen mussten eine knabenhafte Figur zeigen; sie wurden „Flappers“ genannt. Insbesondere die Firma Maidenform (1922 gegründet), hatte darunter zu leiden, denn der Ehemann und Partner der Gründerin war ein Hobby-Bildhauer. Er verbesserte die Konstruktion des Büstenhalters unter anderem durch elastisches Material und getrennte Körbchen.

Einen recht betonten Busen zeigte bereits 1934 Loretta Young im Film „The House of Rothschild“.

1934 wurde der trägerlose Büstenhalter eingeführt. 1935 begann man Bügel in Büstenhalter einzunähen und die Firma Warner Brothers definierte die Körbchengrössen mit den Buchstaben A bis D. 1936 erfand Maidenform das kreisrunde Nähen zur Herstellung spitzer Büstenhalter. Darüber wurde oft ein enganliegender Pullover („sweater“) getragen. Unter anderem trug das der 16jährigen Lana Turner in ihrem Filmdebut 1937 den Titel „Sweater Girl“ ein.

 

Seit Mitte der 1930er Jahre wurde in der Nachfolge der Kurven von Jean Harlow und Mae West von einigen Schauspielerinnen - beispielsweise Loretta Young und Carole Landis, Veronika Lake und Bette Davis, Ava Gardner und Rita Hayworth - der Natur vermutlich auch mit „falsies“ (der Begriff erst seit 1943) nachgeholfen.

 

Der im Winter 1940/41 gedrehte Western „Outlaw“ mit Jane Russel war wegen Schwierigkeiten mit der Zensur über fünf Jahre lang blockiert. Erst 1946 konnte er in San Francisco einem breiteren Publikum vorgeführt werden. In Frankreich wurde er 1948, in Deutschland 1951 (unter dem Titel „Geächtet“) erstmals gezeigt.

 

1942 gab es für den Büstenhalter verstellbare Träger. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete Frederick Mellinger einen Wäscheladen am Hollywood Boulevard. Zweideutig war die Bezeichnung, die er dem von ihm entwickelten „push-up bra“ gab: „Rising Star“ (1948). 1947 stieg auch die Firma Playtex (1932 gegründet) ins Miederwarengeschäft ein. Der legendäre „Maxwell bra“ war nun auch in der Schweiz erhältlich. Die Büstenhalter waren sehr spitz und erhielten so martialische Bezeichnungen wie „bullet bra“ (1947) oder „torpedo bra“. Von 1949 bis 1969 lancierte die Firma „Maidenform“ 163 Kampagnen mit dem Slogan „I dreamed I went shopping my Maidenform bra“ und dergleichen. Viele weibliche Stars trugen solche formende Produkte.

 

d) weitere Entwicklungen

 

Um 1900 begann man der Körperpflege mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Schönheitssalon entstanden; man sprach erstmals von „Reizwäsche“. 1910 kamen Kunstseidenstrümpfe (aus Rayon) in Deutschland auf den Markt, 1940 Strümpfe aus Nylon in den USA. 1940 Strümpfe aus Nylon in den USA. 1943 versteigerte Betty Grable (verheiratet mit Harry James) ihre Nylon-Strümpfe für 40 000 Dollar zugunsten einer Kriegsanleihe.

Das deutsche Konkurrenzprodukt Perlon wurde seit 1943 für Damenstrümpfe verwendet. Bald verwendete man diese Polyamide auch für Unterwäsche, später für Kleider, z. B. Nylonhemden (1949).

 

Seit 1946 produzierte Dow „Lurex“, seit 1950 DuPont „Orlon“. Bald gab es auch „Dacron“ („Terylene“), Dralon (1954), „Diolen“ (Enka, 1954), „Trevira“ (Hoechst, 1956), usw.

 

Von „Sweater „ sprach man seit 1882, von „Pullover“ seit 1908. In seinem Erstlingsroman „This Side of Paradise“ (1920) spricht der junge F. Scott Fitzgerald davon, dass der Hauptdarsteller „one sweater or T shirt“ eingepackt habe.

 

Das T-Shirt stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Es heisst, die amerikanischen Soldaten hätten es den europäischen abgeschaut und wegen seiner Form so genannt. Soldaten der US Navy verfügten allerdings schon 1913 über ein ähnlich leichtes Unterhemd. 1932 beauftragte ein kalifornischer Football-Trainer die Firma Jockey zur Herstellung einer verbesserten Version. Im Zweiten Weltkrieg diente es als „Trainings-Shirt“ der amerikanischen Marine. Ein Soldat der Luftwaffe schaffte es damit am 13. Juli 1942 sogar auf das Titelbild von „Life“.

Das sogenannte „Polohemd“ (den Begriff gibt es im Englischen seit 1887) wurde vom französischen Tennisspieler René Lacoste entwickelt. Er trug es, als er 1926 das U. S. Open gewann. Ein Jahr später gab ihm die amerikanische Presse den Übernamen „the alligator“. Er machte dieses Tier zum Markenzeichen, als er 1933 eine Firma zur Herstellung seiner Hemden gründete.

 

Junge Mädchen trugen schon seit der Jahrhundertwende manchmal kurze Haare. Doch erst um 1920 wurde die Bubikopf-Frisur als Zeichen der Emanzipation Mode. Ingrid Loschek (1984, 86) bringt hiefür die Filmschauspielerin Asta Nielsen (siehe oben bei Coco Chanel), die Operettensängerin Fritzi Massary und Andrée (Marie?) Prevost ins Spiel.

Immer wieder kopiert bis heute wurde die Pagenfrisur in der Form wie ihn die junge amerikanische Tänzerin Louise Brooks in einigen Filmen seit 1925 trug. Kurz zuvor hatte diese übrigens auf einer Europareise den Charleston nach London gebracht, von wo aus er sich rasch weiter ausbreitete.

 

e) Trenchcoat (1901)

 

Im Auftrag der britischen Armee entwickelte der englische Kleiderhersteller Thomas Burberry einen eleganten, vor allem leichten und doch robusten Regenmantel, den die Offiziere im Ersten Weltkrieg tragen konnten: den Trenchcoat. (Burberry hat aber offenbar einen ersten Entwurf schon 1901 vorgelegt.) Der Trenchcoat erfreute sich nach dem Krieg rasch bei Zivilisten grosser Beliebtheit. Das typische Futter-Muster wurde 1924 eingeführt. Auch noch im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Mantel getragen, allerdings erwiesen sich kürzere Mäntel („field jackets“) als praktischer.

 

Besonders die weiblichen Hollywoodstars zeigten sich gerne Im Trenchcoat: Greta Garbo (dazu ein blaues Beret; 1931), Bette Davis, Marlene Dietrich, Katharine Hepburn (aus Leder), Joan Crawford und viele andere Stars. Humphrey Bogart trug schon einen Trenchcoat im Film „Dark Victory“ (1939), nicht erst in „Casablanca“ (1942) – wo auch Ingrid Bergman einen trug. Anfang 1942 wurden gerade zwei Filme gedreht, in denen Hauptdarsteller einen Trenchcoat trugen: „Grand Central Murder“ (1942) mit Van Heflin in einem aus Leder, Journey into Fear“ (1943) mit Dolores Del Rio als exotischer Tänzerin. Kurz darauf trugen auch Anna Lee im Spionagefilm „Hangmen Also Die“ (1943), Claire Trevor in „Farewell My Lovely“ (1945), Nina Foch in „My Name is Julia Ross“ (1945), Janis Paige in „Her Kind of man“ (1946) und Ann Carter als Filmtochter von Humphrey Bogart in „The Two Mrs. Carrolls“ (1947) einen solchen Mantel.

 

Populär wurde der Trenchcoat auch durch verschiedene Comics wie „Dick Tracy“ (1931ff), „Doctor Occult“ (1935-38), „The Phantom“ (1936ff) und „Crimson Avenger“ (1938). Der Kriminalschriftsteller Mickey Spillane stattete seinen Detektiv Mike Hammer (1947ff) ebenfalls mit einem Trenchcoat aus. Eine Generation später trugen ihn Peter Sellers in den „Pink Panther“-Filmen (1963ff) und Peter Falk in den „Columbo“-Filmen (1968ff).

 

f) schulterfreie Abendkleider (1928)

 

Den Kontrast zu den flachbrüstigen „Flappers“ der 1920er Jahre bildeten „Stilkleider“ mit reichlichen Stoffmengen (Ingrid Loschek, 1984, 78, 80).

 

Als Erfinderin des trägerlosen Abendkleides kann die englische Designerin Dolly Tree bezeichnet werden. Sie hatte in den 1920er Jahren in London und Paris zahlreiche Revuen, Musicals und Filme ausgestattet. 1926 reiste sie nach New York und schuf bald die gewagten Kostüme – darunter schulterfreie - für Mae West in ihren Broadway-Stücken „Diamond Lil“ (1928) und „The Pleasure Man“ (1928). Das bekannte Foto von Mae West in einem schulterfreien Kleid an einem Klavier ist nicht datiert.

Seit 1930 schuf Dolly Tree ihre Kreationen in Hollywood, zuerst für die Fox-Studios, hernach für MGM, hier an der Seite von Adrian. Besonders häufig arbeitete sie für Myrna Loy und Jean Harlow. In den 12 Jahren von 1931 bis 1942 war sie für die Kleider in über 170 Hollywood-Filmen verantwortlich. Es ist zu vermuten, dass sie auch Mae Wests  Kleider für die Verfilmung von „Diamond Lil“ (unter dem Titel“ She Done Him Wrong“, 1933) geschaffen hat, obwohl Edith Head die Urheberschaft dafür in Anspruch nahm.

 

Bald zeigten sich auch andere Schauspielerinnen in ihren Roben schulterfrei: Colleen Moore in „Footlights and Fools“ (1929), Jeanette MacDonald in „Love Me Tonight“ (1934), Anna Sten in „Nana“ (1934), Myrna Loy in „The Thin Man“ (1934), Pola Negri in „Mazurka“ (1935), Irene Dunne im Westernmusical „High, Wide and Handsome“ (1937), Marie Déa in „Pièges“ (1939), usw. Imposant wirkte Bette Davis in ihrer schulterfreien roten Satin-Ballrobe von Orry-Kelly in „Jezebel“ (1938).

Beliebt waren Abendroben aus Taft, Tüll und Seidenmousseline, um 1938 besonders auch Silber- und Goldlamé.

 

Mehr Erfolg als Coco Chanel in den USA hatte die nicht mehr ganz junge Italienerin Elsa Schiaparelli. Sie hatte 1928 ihre erste Boutique in Paris eröffnet. In den 30er Jahren liessen sich auch viele Schauspielerinnen aus Hollywood bei ihr einkleiden, beispielsweise Gloria Swanson, Joan Crawford, Norma Shearer, Tallulah Bankhead, Marlene Dietrich und Greta Garbo. Für den Film „Every Day’s a Holiday“ (1937) schuf sie Kostüme für Mae West. Die Parfümflasche für Elsas Parfüm „Shocking“ (1936) war den Kurven von Mae West angenähert. Noch 1952 kleidete Elsa für den Film „Moulin Rouge“ Zsa Zsa Gabor.

 

Im Zweiten Weltkrieg zeigten sich nur Filmschauspielerinnen und Sängerinnen –beispielsweise Betty Grable (1942) und Dorothy Lamour in „Masquerade in Mexico“ (1945) - schulterfrei. Legendär wurden das im Herbst 1945 von Jean Louis eng geschnittene Kleid für Rita Hayworth im Film „Gilda“ und ein ähnliches Kleid, das die etwas jüngere Ava Gardner in „The Killers“ (1946) trug. Extrem weit war dagegen die bestickte Krinoline, welche die singende June Haver im Musical „I Wonder Who’s Kissing Her Now“ (1947) zu einem schulterfreien silbrig leuchtenden Bustier trug.

Für die Frauen der feinen Gesellschaft gab es erst nach der harten Kriegszeit ab 1947 wieder schulterfreie Abendkleider.

 

1929: Hot pants – 1944: Fahrradhosen - (1850) 1947: Blue Jeans - 1948: Capri-Hose – (1900) 1952: Bermuda shorts

 

So etwas wie „hot pants“ („heisse Höschen“) wurden bereits 1929 in Hollywood und Hollywood-Filmen (z. B. Bessie Love in "Broadway Melody") getragen. 1935 posierte die 19jährige Betty Grable in solchen auf Rollschuhen für ein PR-Foto. Kurze Shorts trug sie in manchen Filmen, auch im Tanzfilm „Footlight Serenade“ (1942). Ihre Beine waren von Twentieth Century-Fox eben erst für eine Million Dollar bei Lloyds versichert worden.

Blendend weisse Shorts trug Lana Turner im Film „The Postman Always Rings Twice“ (1946). Dazu gehörte auch ein bauchfrei gewickeltes Top und ein weisser Turban, kreiert von Irene Lentz (die von 1937-50 in über 100 Filmen für Kostüme verantwortlich war).

 

1944 kreierte die Modeschöpferin DeDe Johnson in Los Angeles die „Fahrradhosen“ („pedal pushers“), wadenlange sportliche Hosen, damit Frauen unbeschwert auf dem Fahrrad fahren konnten. Sie schafften es bereits am 28. August 1944 auf die Titelseite von „Life“. Aber erst die Teenager-Idole Annette Funicello und Sandra Dee machten sie ab Mitte der 1950er Jahre populär.

 

Im Privatleben liebte es Betty Grable, auch lange Hosen zu trage, z. B. 1940 beim Durchsehen ihrer Berge von Fanpost. Die 20jährige Lauren Bacall hat spätestens seit ihrer Heirat mit Humphrey Bogart (1945) privat gerne weite Hosen, beim Segeln und am Swimmingpool Shorts getragen.

 

1947/48 wurden im Katalog von „Sears, Roebuck and Co.“ bereits Blue Jeans speziell für Frauen als Freizeitkleidung angeboten.

1948 trug Doris Day in ihrem ersten Film („Romance of the High Seas“) lange weite Hosen. Im Privatleben trug sie unbekümmert und mit Begeisterung Blue Jeans (1950) und alle möglichen Arten von engen, langen oder dreiviertellangen Hosen.

Liz Taylor trug privat bei festlichen Anlässen seit 1949 gerne füllige Röcke, in ihren frühen Filmen auch Jeans (z. B. in „A Place in the Sun“, 1951).

1949 wurden die ersten Jeans in Deutschland hergestellt. Doch erst die frühen Filme mit Marlon Brando (1951-1954) und die drei Filme mit James Dean (1955-56) machten die Blue Jeans in Europa salonfähig.

 

Ebenfalls von der Royal Navy, und zwar bereits um 1900 in London, sollen die „Bermuda shorts“ erfunden worden sein. Sie breiteten sich über das ganze Empire aus, auch nach Bermuda. Dort wurde dieses Uniformstück bereits in den 1920er Jahren auch für Zivilisten zurecht geschnitten. In den 1940er Jahren wurden die Bermudas von britischen Touristen in die USA und nach Europa getragen, unter anderem nach Capri. Dort erzählt man sich zwar eine andere Geschichte: In den 1940er Jahren hätten die lokalen Behörden den Frauen verboten, allzuviel Bein zu zeigen. Da die Polizisten auf der Insel bereits kurze Hosen trugen, verfiel man auf die Lösung, auch für Sonnenanbeterinnen knielange Shorts anzufertigen.

http://www.geocities.com/bill_brettschneider/

Die Bezeichnung „Bermuda shorts“ taucht erst 1952 im Italienischen und Englischen auf.

 

1948 hatte die deutsche Modedesignerin Sonja de Lennart - deren Familie seit 1900 immer wieder nach Capri gereist war - in ihrer „Capri Collection“ enganliegende, dreiviertellange Hosen mit einem kurzen seitlichen Schlitz vorgestellt. Bereits 1949 posierte die deutsche Schauspielerin Mady Rahl in der noch heute üblichen engeren, sommerlichen Form der Caprihose für Sonja Lennart, 1950 die österreichische Schauspielerin Erni Mangold mit der Ausführung für den Winter.

Diese Hosen wurden später von anderen Modeschöpfern nachgeahmt, z. B. von Emilio Pucci, der 1949 in Capri seine erste Sport-Kollektion (noch ganz in schwarz und weiss) präsentierte und im Jahr darauf die Boutique „Emilio“ eröffnete. In Deutschland wurden die engen Dreiviertelhosen mit gekrempeltem Saum produziert und als „Fischerhosen“ bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde von den Münchner Modehäusern (und Konkurrenten von Sonja de Lennart) Bogner und Unützer eingeführt - in Anlehnung an den damaligen deutschen Erfolgsschlager „Die Capri-Fischer“, gesungen von Rudi Schuricke (1949).

 

Edith Head liess 1952 die Caprihosen zusammen mit den andern Bestandteilen von de Lennarts Capri-Kollektion, dem weitschwingenden Rock, der hochgeschlossenen Bluse und dem breiten Gurt, von den drei italienischen Schwestern Fontana (Sorelle Fontana) für Audrey Hepburn in „Roman Holiday“ herstellen.

 

Zu dieser Zeit war Edith Heads Stern schon am Sinken. So kam es, dass der Regisseur von „Sabrina“, Billy Wilder, befand, sie dürfe nur noch die langweiligen Strassenkostüme für den ersten Teil des Films anfertigen, die Audrey Hepburn vor der Pariser Zeit trug. (Auch die Caprihosen aus „Roman Holiday“ wurden nochmals verwendet.) Die „richtigen Pariser Kleider“ sollten von einem echten Pariser Designer entworfen werden. Die Wahl fiel auf das junge, vielversprechende Talent Hubert de Givenchy. Edith Head wurde fuchteufelswild, Der Film wurde im Spätherbst 1953 zum Teil in Paris gedreht. Givenchy entwarf drei wunderbare Kleider: ein graues Kleid, ein schwarz-weisses Ballkleid und ein schwarzes Cocktailkleid mit einem flachen, weiten Bateau-Ausschnitt („shoulder-skimming boat-neck“); bekannt geworden als "Sabrina-Ausschnitt".

Raffiniert wie Edith Head stets war, verstand sie es dennoch, sich als Kostümbildnerin für den ganzen Film in Szene zu setzen, sodass sie den Oskar allen erhielt – Hubert de Givenchy wurde mit keinem Wort erwähnt. Edith Head behauptete später sogar, sie habe auch den „Sabrina-Ausschnitt“ erfunden.

 

Auch Doris Day, Jane Russell und Marilyn Monroe, Kim Novak, Sophia Loren, Anita Ekberg und viele andere liebten die Caprihosen. Sie hielt sogar Einzug in die Existenzialistenlokale von Saint-Germain-des-Près: „Junge Frauen gefielen sich in schwarzen Rollis, schwarzen, engen Fischerhosen und flachen Sandalen, glatten langen Haaren und schwarzgeschminkten Augen à la Juliette Gréco“, weiss Gundula Wolter (1994, 270) zu berichten.

 

Seit 1957 tauchen „Röhrlihosen“ in verschiedenen Varianten auf und werden rasch beliebt.

 

(1900) 1943: Bikini

 

siehe auch: http://www.bikiniscience.com/bsmain.html

 

Schon um 1900 hatte der deutsche Lebensreformer Valentin Lehr einen praktischen, schlichten zweiteiligen Badeanzug für Frauen erfunden. Eine Abbildung davon soll sich bereits in Richard Ungewitters Bildband „Die Nacktheit“ (1906) finden, wie Havelock Ellis in „Sex in Relation to Society“ (1910, 144) berichtet.

Auch der Tänzer und Choreograph Rudolph von Laban entwickelte im Ersten Weltkrieg auf dem Monte Verità bei Ascona einen zweiteiligen Anzug. Das kunstvolle leichte Kostüm, das die Garbo als „Mata Hari“ (1931) trägt, bildet eine attraktive Variante. Doch erst 1933 sieht man in den USA zweiteilige Badeanzüge für den Strand, anfänglich aus Wolljersey - in Deutschland „Palm Beach Combination“ genannt. Das frisch aufgekommene Material Lastex wurde für Badekleider (1935), bald auch für Büstenhalter, Hüftgürtel und Korsetts verwendet.

 

Tänzerinnen mit richtigen zweiteiligen Kostümen - knappe Shorts und ein davon getrenntes Oberteil - traten 1930 im Zusammenschnitt von Revuen und Musical-Einlagen „Paramount on Parade“ auf. Als Freundin „Jane“ von Tarzan im Film „Tarzan and His Mate“ (1934) zeigte sich Maureen O’Sullivan bereits im Lendenschurz mit separatem Oberteil aus Leder. Bette Davies zeigte bereits 1932 kurz einen zweiteiligen Badeanzug (sun suit) in „Three on a Match“; weitere solche Badeanzüge trug die Mexikanerin Dolores Del Rio 1933 in „Flying Down to Rio“ und 1935 im Film „In Caliente“.

 

Rita Hayworth zeigte sich auf dem Titelbild von „Life“ am 11. August 1941 im zweiteiligen Strandkleid. Im Film „The Palm Beach Story“ (1942) trug Claudette Colbert einen zweiteiligen Badeanzug, desgleichen Esther Williams in ihrem ersten Film „Andy Hardy’s Double Life“ (1942). In „Life“ vom 27. September 1943 erschien ein kleines Photo von Chili Williams in einem schwarz gepunkteten weissen Bikini (daher: „The Polka Dot Girl“). Damit wurde sie sofort zum „Number One Pin-Up.Girl“ der amerikanischen Soldaten. Die Nachfrage nach dem Foto war enorm: In wenigen Tagen schrieben 10 000, sie möchten gerne ein Bild. „Life“ druckte das Foto am 22. November 1943 nochmals ab und nach 100 000 Briefen am 25. November 1946 erneut. Ein weiterer Nachdruck erschien im Herbst 1986.

 

Im Sommer 1944 tauchten auf den Titelblättern des Army-Magazins „Yank“ mehrere Schauspielerinnen im zweiteiligen Badeanzug auf, etwa Yvonne de Carlo und Rita Hayworth; desgleichen in der Air-Force-Zeitschrift „Brief“, beispielsweise Dorothy Lamour. Eine Schönheit im Bikini zierte sogar das Titelbild der Ausgabe von „Life“ am 9. Juli 1945. Bei Fotositzungen im Sommer 1945 und im Frühling 1946 trug Marilyn Monroe ebenfalls ein Art Bikini.

 

Das „offizielle“ Geburtsdatum ist aber erst der 5. Juli 1946. Sowohl der Modeschöpfer Jacques Heim wie der Maschinenbauingenieur Louis Réard behaupten, den Bikini „erfunden“ zu haben. Schnell wagten auch weitere Hollywoodgrössen, diese neue Art Strand- und Badeanzug zu tragen, etwa Virginia Mayo (1947), , Cyd Charisse (1947), Esther Williams (1947), Rita Hayworth (1948), Ava Gardner (1948) und Betty Grable (1949). In dem im Winter 1947/48 gedrehten Film „Easter Parade“ tauchten bereits eine ganze Reihe Bikinis auf. Doch noch 1954 erregte Jane Russell in dem Musical und Modefilm „The French Line“ mit ihrem Tanzkleid, einem Pseudo-Bikini“ den Unmut der Zensoren.

 

Ein Bikini am Strand zu tragen war viele Jahre lang verboten, besonders in katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal. Nachdem an der Miss-World-Wahl von 1951 Miss Schweden in einem Bikini gesiegt hatte, wurde dieses Kleidungsstück für die weiteren Wahlen verboten - angeblich um allen Kandidatinnen dieselbe Chance zu geben.

 

1952 zeigte sich die 17jährige Brigitte Bardot ausgiebig im Bikini im Schwarzweissfilm „Manina“. Im Jahr darauf führte sie der Regisseur Roger Vadim in die Filmwelt in Cannes ein, wo sie am Strand im Bikini posierte (Photo im „Stern“, Nr. 19, 10. Mai 1953). 1954 zeigte sich die 18jährige Ursula Andress am Strand von Ostia ebenfalls im Bikini. Im Frühling 1955 fur die 23jährige Diana Dors in einem Nerz-Bikini am Filmfestival von Venedig in einer Gondola den Canale Grande hinunter, und bald darauf posierte auch die 22jährige englische Schauspielerin Joan Collins im Bikini am Strand.

 

Einflussreiche Kostümdesigner Hollywoods

 

Der Schweizer René Hubert war ab Mitte der 1920er Jahre einer der wichtigsten Kostümdesigner in Hollywood; er hat von 1924-1964 in fast 200 Filmen mitgewirkt. Der Kalifornier Walter Plunkett kleidete die Stars von 1927-1966 in über 150 Filmen, der Australier John Orry Kelly von 1932-1963 in über 300. Der Franzose Jean Louis Berthault war von 1944-1973 für ebenfalls rund 200 Filme in Hollywood tätig, beispielsweise für „Gilda“ (1946) und „Pillow Talk“ (1959). William Travilla konnte es besonders gut mit Marilyn Monroe, die er in vielen Filmen einkleidete. Allein im Jahrzehnt 1950-59 schuf Bill Thomas in über 100 Filmen Kleider und Accessoires.

 

Im Februar 1947 hatte Christian Dior die „Ligne Corolle“ (Blütenkelchlinie) für die elegante Dame eingeführt: figurbetontes Oberteil, schmale Taille und einen weitschwingenden wadenlangen Rock. Amerikanische Journalisten gaben ihr den Namen „New Look“. Vor allem die Abendkleider wurden fortan immer weiter und breiter. Die wichtigsten Materialien waren Satin und Organza, Taft und Tüll, die Unterröcke  gestärkt. Eine luftige Zeichnung solcher Petticoats (auf Deutsch auch als „Jupon“ bezeichnet) findet sich von Walter Niggli im Buch „Am Puls der Mode“ (1980, 37). Im Oktober 1947 stellte die Schweizer Modezeitschrift „Annabelle“ bereits eine „Satin-Krinoline“ vor; eine beliebte Bezeichnung für die enorm weiten Kleider war „Wolken“. Im Februar 1948 wartete das Magazin „Spiegel“ mit einer neuen Wortschöpfung auf: „Weiblich, taftraschelnd mit volantreichen Unterröcken“ sei die neue Sommermode, „die stoffreiche Frou-Frou-Linie“. Im Herbst schrieb er über eine Modeschau in Frankfurt: „Dann und wann vibrierte eine Krinoline vorüber.“

 

Ebenfalls um 1947 taucht das sogenannte „Cocktailkleid“ auf.

 

Diors Rivale Jacques Fath schuf eine weite, füllige blaue Robe für Moira Shearer im Film „The Red Shoes“ (1948). Dior selbst kleidete Marlene Dietrich im Hitchcock-Film „Stage Fright“ (1950) und in „No Highway“ (1951). Auch Pierre Balmain verführte mit weiten Abendroben und schuf ab 1951 Kostüme für über 30 Filme.

 

Der französische Modeschöpfer Hubert de Givenchy hatte seine erste Lehrzeit bei Fath gemacht. 1952 eröffnete er als 25jähriger sein Atelier in Paris. Es heisst, er habe für nicht weniger als 73 Filme Kostüme entworfen – nicht nur für Audrey Hepburn (1953-1966).

 

Die Französischlehrerin Edith Head dominierte die Filmgarderoben über 50 Jahre. Sie war seit 1928 in über 400 Filmen als Kostümbildnerin tätig. Sie stand von 1938 bis 1967 bei Paramount unter Vertrag, nachher noch 14 Jahre bei Universal. Sie arbeitete 30 Jahre mit Alfred Hitchcock zusammen (1946-1976). Sie wurde 35 Mal für ihre Kreationen für den Oscar nominiert und erhielt ihn acht Mal. Für Grace Kelly entwarf sie unter anderem die imposanten Röcke in „Rear Window“ (1954) und „To Catch a Thief“ (1955).

 

Die Kostümdesignerin Helen Rose stattete von 1941-1968 mehr als 200 Filme aus. Liz Taylor und Grace Kelly heirateten in Brautkleidern, die sie entworfen hatte.

Rosemary Odell schuf von 1945-1969 die Kostüme für über 100 Filme. Irene Sharaff kreierte seit 1943 die Kleider für zahlreiche Musicals und erhielt fünf Oscars. Sie schuf unter anderem die ungeheuer weiten Tanzrobe aus Thaiseide und Satin für Deborah Kerr im Musicalfilm „The King and I“ (1956). Von Walter Plunkett stammt die Riesenrobe von Liz Taylor in „Raintree Country“ (1957).

 

1947/ 51 bis 1963: „Petticoats“

 

siehe auch:

http://www.clotheslinejournal.com/shirtwaist.htm

 

 

In der Petticoat-Welle der 1950er Jahre fliessen mehre Modeströmungen zusammen, darunter

·        die kurzen und bauschigen Dirndl-Röcke,

·        die ebenfalls bauschigen oder kurzen Röckchen in Revuen, Revue- und Tanzfilmen der 30er und 40er Jahren (von den „ Gold Diggers of Broadway“, 1929, bis zu Betty Grable auf dem Titelbild von „Life“ am 11. Dezember 1939 im Broadway-Musical „Du Barry Was a Lady“, 1940 auf einem „grand piano“ sitzend, oder in „My Blue Heaven“, 1950, und „Wabash Avenue“, 1950; auf dem Titelbild von „The Photoplayer“ vom 15. Januar 1949 liftete sie eine Krinoline hoch und zeigte ihre Beine);
1939 brachte „Life“ ein Photo von Peter Stackpole“ mit den Beinen von Virginia Gilmore;
kurze Röckchen trugen auch die Tänzerinnen des Jitterbug-Wettbewerbs in der Musical-Komödie „Living It Up“ (1954),

·        die extremen Krinolinen in üppigen Kostümfilmen wie "Naughty Marietta (1935, mit Jeanette McDonald", „Camille“ (1936, mit Greta Garbo) „Maytime“ (1937, mit Jeanette McDonald), „Jezebel“ (1938, mit Bette Davis), „Marie Antoinette“ (1938, mit Norma Shearer), „Wuthering Heights“ (1939, mit Merle Oberon), „Gone With the Wind“ (1939, mit Vivien Leigh) und "Louisiana Purchase" (1941); der Chor im Musical „I Wonder Who’s Kissing Her Now“ (1947) trug sogar riesige Krinolinen, die durchsichtig waren und die Beine sehen liessen,

·        die weiten Abendroben der Jahre 1935-39, oft mit Krinolinen unterstützt; „Life“ brachte 8. März 1943 ein eindrückliche Photoserie einer „Southern Hoopskirt Pary“von Alfred Eisenstaedt, am 25. Februar 1946 eine Photoserie aus New Orleans: „Girls dressed in full petticoats“ und im April 1950 ein Photo von Lisa Larsen einer wirbelnden Tänzerin auf dem Parkett,

·        die Tutus der Ballett-Tänzerinnen in den 40er Jahren (siehe George Balanchines „Dances Concertantes“, 1944),

·        die weiten Röcke der Lindy-hop- und Jitterbug-Tänzerinnen (siehe das Titelblatt von „Life“ am 23. August 1943),

·        die fliegenden Röcke in Western-Filmen,

·        die langen weiten Röcke über gesteiften Unterröcken des New Look vom Februar 1947 (siehe Richard Martin, Harold Koda, 1996);

·        • die langen weiten Röcke über vielen Unterröcken der Tänzerin Cyd Cahrisse seit 1951 (z. B. auf den Titelbildern von „Ilustrated“, 1951, „Enterprise“, 1952, „Life“, 29.6.1953 und im Film „Brigadoon“), von Mitzi Gaynor auf dem Titelbild von „Look“, 6.5.1952“ oder von Vera Ellen im Film „The Belle of New York“ (1952) und

·        die weiten Röckchen von „Hollywoods children“ (siehe „Life“-Titelbild vom 18. Juli 1949).

 

Massgeblich beteiligt an der Verbreitung der gesteiften Petticoats in der Alltagswelt war die Texterin und Fotomodell Anne Fogarty. Sie liess sich zur Modeschneiderin ausbilden und erhielt 1948 eine Anstellung bei „Youth Guild“ in New York. Es heisst, dass sie, inspiriert von den Röckchen der Balletteusen, den New Look für die amerikanischen Teenager adaptierte. Seit 1950 war sie für „Margot Dresses“ tätig und propagierte für Alltagskleider immer mehr steife Unterröcke, meist aus Nylon, was als „paper doll silhouette“ bezeichnet wurde. Sie gilt als „Queen of the full skirt“. Sie fand, Frauen allen Alters, nicht nur Mädchen, sollten und könnten diese „Krinolinen“ tragen. Eine spezielle Version war der sogenannte „poodle skirt“ für Mädchen (der Begriff seit 1952), bei dem der Rock mit einem Pudel verziert war.

 

Ein Photo im Online-Archiv der Zeitschrift „Life“ (http://images.google.com/hosted/life) zeigt bereits 1951 Anne Fogarty mit Cathv McManus von „Vogue“ und Jeane Saxer vom Warenhaus "Lord & Taylor" in enorm weiten Petticoats. Ein Life-Titelbild vom 5. März 1951 zeigt in schwarzweiss eine junge Frau in „Dior’s pleats and petticoats“.

 

An der Verbreitung dieser Art von Röcken waren auch zahlreiche Filmmusicals beteiligt  Denn den neuen Schnitt der kurzen „bouffant petticoat“ oder „bouffant skirt“ zeigten beispielsweise 1951 „An American in Paris“ (Ballett-Kostüme: Irene Sharaff), „Rich, Young and Pretty“ (Kostüme: Helen Rose), „Show Boat“ (Walter Plunkett) und „Royal Wedding“, 1952 „April in Paris“ (Lea Rhodes) und die Musicals „Hans Christian Andersen“ (Mary Wills) und „The Merry Widow“ (Helen Rose), 1953 die Musicals „I Love Melvin“ (Helen Rose), „Dangerous When Wet“ (Helen Rose) und „The Band Wagon“ (Mary Ann Nyberg) sowie „Torch Song“ (Helen Rose), „Gentlemen Prefer Blondes“ (Travilla) und die „Glenn Miller Story“ (Jay A. Morley Jr.).

 

Die aus heutiger Sicht „klassischen“ kurzen Petticoats tauchen 1952 auf. Im Januarheft von „Harper’s Bazaar“ zeigt ein Photo von Paul Radkai eine Frau mit weisser Bluse, Wespentaille und dunklem, bauschigem Rock. Das Februar-Titelbild von „Harper’s Bazaar“ zeigte ein wunderbar weisses Kleid mit weitem Rock, rundum schwarz gepunktet, von Richard Avedon fotografiert. Der Sears-Katalog stellte für die amerikanische Dame ein „glamorous coat dress“ mit einem separatem Petticoat aus Rayon-Taft vor: „Dirndl petticoat is red plaid with crinoline around bottom to make it stand out.“

An der Welturaufführung des Films „Sudden Fear“ trug Joan Crawford einen weiten Rock. Als sie sich völlig erschöpft auf eine Treppe setzte, sah man die steifen Petticoats, die sie darunter trug („Stern“, Nr. 34, 24.8.1952).

Weitere Bilder sind ein PR-Foto von Lana Turner für den Film „The Merry Widow“ (1952), eines von Marlene Dietrich aus dem Western „Rancho Notorious“ (1952), eines von Janet Leigh (vielleicht in Zusammenhang mit dem Film Houdini“, 1953) sowie von Audrey Hepburn auf dem Titelbild von Life am 27. Juli 1953 mit der Legende „Cancan Lingerie“.Im Film „How to Marry a Millionaire“ (gedreht im Frühling 1953) trug Lauren Bacall mehrere Röcke mit Petticoats.

Am 31. August 1953 erschien in „Life“ ein Bericht über Anne Fogarty („Ahead of Dior“). Ebenfalls als Schöpferinnen von Petticoat-Mode werden Ceil Chapman und Suzy Perette genant. Bereits im Oktober 1953 sprach die „New York Times“ von einem „Petticoat Craze“ – trotz der von den Modeschöpfern damals propagierten „Futteral-Silhouette“.

 

In Europa breitete sich diese Mode erst aus, nachdem Christian Dior im Herbst 1953 seine Kuppellinie (La ligne vivante“) und der napolitanische Modeschöpfer Emilio Schuberth in Italien und Deutschland 1954 seine Kreationen vorgestellt hatte, die auf mehren Lagen von gesteiften Unterröcken ruhte. Zu Schuberths Kundinnen gehörten Anna Magnani, Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Soraya.

 

IIn den ersten deutschen Filmen, in denen Rock’n’Roll getanzt wurde („Charleys Tante“, gedreht 1955; „“Das Sonntagskind“, 1956; „Die Halbstarken“, 1956), trugen die Tänzerinnen noch keine gesteiften Petticoats; solche gab es erst im Film „Wenn die Conny mit dem Peter“ (1958), beispielsweise zum Lied „Teenager-Melodie“.

 

Im Frühling 1955 stellte Dior die A-Linie vor, und im Sommer 1956 lancierte Hubert de Givenchy den Ballon-Look für Cocktailkleider. Balenciaga folgte bald darauf.

 

Farbenprächtige Titelbilder von „Life“ zeigten bauschige Petticoats am 12. April 1954, 12. September 1955 und am 2. April 1956.

 

 

1952: „Merry Widow“ – 1953: Pyjama - 1956: Baby Doll – 1958: Strumpfhose – 1959: Lycra

 

Die Wäschefabrikantin Warner benutzte die Première des Film-Musicals „The Merry Widow“ Anfang September 1952 zur Präsentation Ihres neu konstruierten Korselett und verlieh ihm den Namen „Merry Widow“. Lana Turner, die Hauptdarstellerin des Films, meinte dazu, es sei unzweifelhaft von einem Mann ausgedacht – eine Frau würde das nie einer anderen Frau antun.

Bereits in dem im Oktober 1953 rasch gedrehten Piratenfilm „Raiders of the Seven Seas“ trug Donna Reed am Anfang auch eine solche Konstruktion, in strahlendem Weiss. In deutschen Filmen trugen unter anderem Liselotte Pulver („Heute heiratet mein Mann“, 1956) und Ingmar Zeisberg („Für zwei Groschen Zärtlichkeit, 1957) derartige Korseletts, dazu steife weisse Petticoats.

 

In „Roman Holiday“ (1953) liebäugelt Audrey Hepburn mit einem Männerpyjama (beliebt seit den 20er Jahren). Die Bezeichnung „Baby Doll“ für ein kurzes Nachthemd soll vom gleichnamigen Film (1956) mit Carroll Baker stammen.

 

Die Einführung der Strumpfhose wird dem Franzosen Antoine Verley (1958) und dem Amerikaner Allan Gant (1959) zugeschrieben. Ihr Siegeszug setzte jedoch erst mit der Verbreitung des Minirocks ab 1964 ein.

 

Die Elastan-Faser „Lycra“ wurde 1959 patentiert und zuerst für Mieder, dann erst für Badekleider verwendet.

 

(1890) 1950: Dufflecoat - (1913) 1951: T-Shirt - 1954: Kelly Bag – 1955: Chanel 2.55, Bonnie Cashin

 

Der Dufflecoat war ursprünglich für die englische Marine entworfen und von Feldmarschall Montgomery im Zweiten Weltkrieg häufig getragen worden. Ab 1950 wurde er, blau oder schwarz, mit Kapuze und Knebelköpfen von Männern im Alltag, bald auch von Frauen getragen.

 

Fast den ganzen Film „Endstation Sehnsucht“ (1951) trug Marlon Brando entweder ein ärmelloses Unterleibchen oder ein T-Shirt, in „The Wild One“ (Premiere am 30.12.1953) trug er die bereits seit 25 Jahren auf dem Markt erhältliche Motorradjacke „Perfecto“. Seither tragen Rebellen diese oder ähnliche Lederjacken.

 

Handtaschen waren erst um 1900 Mode geworden. In den 30er Jahren brachte das Pariser Familienunternehmen Hermès eine trapezförmige Tasche mit festem Boden heraus. Seit 1954 bediente sich Grace Kelly mehreren Arten dieser Tasche und machte sie populär. Der Hersteller durfte sie „Kelly Bag“ nennen.

Im Februar 1955 brachte Coco Chanel eine kleine Handtasche an zwei langen goldenen Ketten auf den Markt, sodass sie über die Schulter getragen werden konnte – gemäss dem Datum wurde sie schlicht „2.55“ genannt. Ebenfalls mit einem Schulterriemen versah im selben Jahr einen geräumigen Stoffbeutel die eigenwillige Mode-Designerin Bonnie Cashin.

 

1954 kreierte Coco Chanel das Tweed-Kostüm, bestehend aus einem losen Jäckchen ohne Revers mit vier Taschen und einem leicht ausgestellten Rock.

 

1951: Stiletto – 1953: Ballerinas - 1956: spitze Schuhe

 

Spätestens seit dem Filmmusical „Pointed Heels“ (1929) hatten zahlreiche Schuhmacher - darunter Henry Rayne und André Perugia, der im Zweiten Weltkrieg als Ingenieur in einer Flugzeugfabrik arbeitete – Anstrengungen unternommen, den hohen Absatz von Damenschuhen schlanker und eleganter zu machen. Legendär unter Fetischisten sind die übersteilen Schuhe, die er 1948 für die 73jährige französische Sängerin und Entertainerin Mistinguett geschaffen haben soll.

Auch Herman Delman, David Evins und Palter De Liso versuchten sich in hohen Absätzen. Doch erst in den 50er Jahren gelang der Durchbruch zum Bleistiftabsatz und damit auch die (teilweise) Befreiung vom Fetischgeruch.

 

Die Erfindung des „Stiletto“ wird mehreren Künstlern zugeschrieben. Sie umkleideten einen langen Metallzapfen mit einer Plastik-Hülle als Absatz für einen hohen Pumps.

Am meisten genannt werden der Italiener Salvatore Ferragamo (1952) und die Franzosen Charles Jourdan (1951) und Roger Vivier (je nach Quelle: 1952-55), welch letzterer 1953-63 für den Modeschöpfer Christian Dior arbeitete. Gemäss dem Schuhmuseum im Castello von Vigevano wurde in dieser norditalienischen Stadt der Stöckelabsatz 1953 von einer nicht näher bekannten Gruppe von Schuhmachern erfunden.

Ferragamo stellte über 40 für Marilyn Monroe her. Legendär sind ihre scharlachroten Satin-Schuhe in „Gentlemen Prefer Blondes“ (1953). Jane Mansfield war stolz auf ihre Sammlung von über 200 Paar Stöckelschuhen.

Vigiers Modelle wurden von Ava Gardner – die auch Kleider von Dior trug - und Brigitte Bardot geschätzt.

Die Erfindung der scharf zugespitzten Schuhe wird der amerikanischen Schuhdesignerin Beth Levine (1956) zugeschrieben. Später führte sie – wie auch André Courrèges (1964) - die Stiefel wieder in die Mode ein. Nancy Sinatra besang diese mit dem Song „These Boots Are Made for Walking“ (1966).

 

Bereits 1941 hatte die Modeschöpferin Claire McCardell ihre Kleiderkollektion in den USA mit Ballerina-Schuhen von Capezio gezeigt. Seither trugen auch Frauen, die nicht Tänzerinnen waren, diese Fussbekleidung. Aber es war erneut Audrey Hepburn welche sie in verschiedenen Formen in „Roman Holiday“ (1953), „Sabrina“ (1954) und „Funny Face“ (1957) populär machte.

 

1950-1961: Pferdeschwanz- und Kurzhaarfrisur, toupiertes Haar

 

Im Jahre 1950 berichteten amerikanische Zeitungen, dass die Mädchen nun „pony-tail coiffures“ zeigten. Brigitte Bardot trug als junge Frau (1952) ebenfalls eine solche Pferdeschwanz-Frisur und machte sie später durch Filme wie „Doctor at Sea“ (1955) und „Et dieu créa la femme“ (1956) populär. In „Roman Holiday“ trägt Audrey Hepburn eine Kurzhaarfrisur mit kecken Fransen, in „Sabrina“ (im Herbst 1953 gedreht; erst ein Jahr später in den Kinos) am Anfang eine Pferdeschwanz-Frisur (anfänglich auch als „Ross-Schweif-Frisur“ bezeichnet).

1954 malte Picasso 13 Brustbilder von Sylvette David mit einem „Rossschwanz“. Es heisst - offensichtlich unkorrekt -, dieser Typ Frau sei ein Vorbild für Brigitte Bardot im Film „Et dieu créa la femme“ gewesen.

 

Für andere Frisuren stilbildend waren unter anderem Doris Day und Leslie Caron, Grace Kelly und Liz Taylor.

1948 hatte der deutsche Kaufmann Hans Erich Dotter eine Lotion für professionelle Friseure entwickelt, mit welchem sie dem Haar ihrer Kundinnen eine dauerhafte Form verleihen konnten: „Goldwell ideal“. Als 1955 der Haarspray auf den Markt kam, dauerte es allerdings noch ein paar Jahre bis Brigitte Bardot, Farah Diba (mit ihrer Hochzeitsfrisur im Dezember 1959) und bald wiederum Audrey Hepburn in „Breakfast at Tiffany’s“ (im Spätherbst 1960 gedreht) den toupierten Haarturm populär machten - und weitere Modetrends, beispielsweise den über 80jährigen Trenchcoat.

 

 

1956 bis 1959: Audrey Hepburn und Brigitte Bardot kombinieren weiter

 

Schon im 1956 gedrehten Film „Funny Face“ hatte sich Hubert de Givenchy mit Hilfe von Audrey Hepburn modisch austoben können, mit extrem schmalen und extrem weiten Kleidern (unter anderem die „Kuppellinie“), mit Hosen und Mänteln, Hüten und Accessoires.

 

Neben Audrey Hepburn war Brigitte Bardot die einflussreichste Filmgestalt der 1950er Jahre. Sie kombinierte in “Et dieu créa la femme” (November 1956) die meisten Modetrends: den hochgebundene Pferdeschwanz - aber auch die Löwenmähne -, die Ballerinas und den kurzen Rock über Petticoats. Am Anfang des Films lag sie nackt auf dem Bett. Manchmal trug sie Hosen, manchmal lief sie barfuss. Einmal posierte sie in einem Bikini aus Vichy-Karos.

Nun erst wagten es die jungen Frauen, sich in dem bereits zehn Jahre zuvor „erfundenen“ zweiteiligen Badekleid zu zeigen. Der Film machte auch Saint-Tropez als Ferienort bekannt.

 

Zur Heirat mit Jacques Charrier im Juli 1959 trug BB einen weitausgestellten kurzen Rock mit rosa-weissen Karos – dem Vichy-Muster - des Modeschöpfers Jacques Estérel. Kurz nach Weihnachten 1959 wurde der Film „Voulez vous danser avec mois?“ mit BB uraufgeführt; darin tanzte sie in einem ebenfalls rot-weiss karierten weit schwingenden Rock.

 

Das bedeutete den Höhepunkt der aufgebauschten Herrlichkeit. 1963 war sie für immer vorbei. Sie wurde abgelöst durch alle Arten von Hängern und Kostümen, Minis und Hosen.

 

1958: Trapez-Look und „Mini“

 

1957 wurde der 21jährige Mode- und Bühnenzeichner Yves Saint Laurent Art Director des Modehauses des eben verstorbenen Christian Dior. Seine erste Kollektion nahm eine Anregung seines Meisters - die A-Linie (1955) - auf: Die „Ligne Trapèze“, die er am 30. Januar 1958 vorstellte, machte den Anfang mit der Befreiung der Frau vom „Zwang der Wespentaille“. Ähnliches hatte Cristobal Balenciaga mit seiner „Robe sac“ (je nach Quelle 1950, 1954- 58) vor.

Diors „Beat-Look“ von 1959 fand beim Hause Dior jedoch keinen Gefallen. 1963 eröffnete er die „Op-Art-Mode“; eines der schönsten Beispiele wurde im Sommer 1965 das mit dem Gemälde von Piet Mondrian bedruckte Kleid. Im Sommer 1966 lancierte den Smoking für Frauen und eröffnete er als erster Couturier ein Prêt-à-porter-Geschäft, die Boutique Rive Gauche, wo Markenkleider ab der Stange zu kaufen waren.

Er entwarf auch unzählige Kostüme für die Ballette von Roland Petit, Für den Film war er ab 1963 tätig; 1967 begann er Catherine Deneuve einzukleiden.

 

Kniekurz waren die Frauenröcke bereits für kurze Zeit in den Jahren 1927-29 und 1944-46 gewesen.

Nun entwarf 1958 in London Mary Quant ihre ersten minikurzen Hängerchen (vgl. die Zeichnungen 1959/60 bei Ingrid Loschek, 1984, 257), doch „Vogue“ nahm erst 1963 Notiz davon, nachdem 1960 ein minikurzes Zeltkleid und 1962 ein kurzes „Rex-Harrison-Cardigan-Dress“ auf den Markt gekommen waren (Ingrid Loschek, 1991; 271; Gerda Buxbaum, 1999, 83, 182). Eine farbige künstlerische Huldigung an den Mini ist das grossformatige Pop-Art-Bild von Franz Gertsch „Mireille, Colette, Anne“ von 1967.

 



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