HomeGesammelte Lebensweisheiten

Einsichten und Lebensregeln, Ratschläge und Entscheidungsregeln

 

Zusammengestellt für eine Volkshochschulvorlesung, Juli 1987

 

Siehe auch:                Fünf wichtige Einsichten

                                    Die philosophische Haltung

                                    Wichtige ethische Gebote, Tugenden und Verpflichtungen aus der Weltgeschichte

 

 

Lebensweisheiten

 

· Das Neue ist nicht immer gut und das Gute nicht immer neu.

· In der Realität sieht manches anders aus als man sich vorgestellt hat. Wenn "es" eingetreten ist, ändert sich das Bild schlagartig. Daher verlangt man: "learning by doing".

· Entscheidungen sind brutal. Jede Entscheidung vernichtet andere Möglichkeiten - für einen selber wie für andere.

· Dem Menschen stehen sechs Entscheidungsprinzipien zur Verfügung:

- Gewohnheiten und Erfahrungen sagen, was man und wie man es bisher getan hat

- Sitte und  Brauch sagen, was von einem erwartet wird

- Gelüste oder Einfälle sagen, was man gerade tun möchte

- Das Gewissen sagt, was gut und böse ist

- Die Vernunft sagt, was man alles bedenken muss

- Die "gerichtete Intuition" (der "Spürsinn") vereinigt all dies.

· Gewohnheit und Brauch entlasten vor dem Nachdenken, bedeuten aber wie die Gelüste einen Verzicht auf freie Wahl.

· Das Vorhandensein oder Fehlen des Gewissens zeigt sich in der Gesinnung oder Mentalität.

· Das Gewissen ist die Frucht der menschlichen Gemeinschaft, insbesondere der Familie.

· Die Moral ist unteilbar wie das Leben und die Persönlichkeit.

 

 

Zitate

 

· Gewissenserforschung bedeutet: tief in sich hineinhorchen.
"In Wirklichkeit erkennen wir nichts; denn die Wahrheit liegt in der Tiefe", meinte Demokrit.
"Kehre in dich selbst zurück", forderte Augustin, "im Innern des Menschen wohnt die Wahrheit."

 

· Bleib dir selber treu!
"This above all: to thine own self be true,
And it must follow, as the night the day,
Thou canst not then be false to any man."
                         (Shakespeare: Hamlet)

 

· Konfuzius sagt:

"Wenn die Alten die lichte Tugend offenbar machen wollten im Reiche, ordneten sie zuvor ihren Staat;
wenn sie den Staat ordnen wollten, regelten sie zuvor ihr Hauswesen;
wenn sie ihr Hauswesen regeln wollten, vervollkommneten sie zuvor ihre eigene Person;
wenn sie ihre eigene Person vervollkommnen wollten, machten sie zuvor ihr Herz rechtschaffen;
wenn sie ihr Herz rechtschaffen machen wollten, machten sie zuerst ihre Gedanken wahrhaftig;
wenn sie ihre Gedanken wahrhaftig machen wollten, vervollständigten sie zuvor ihr Wissen."

 

· "Sagen Sie

Ihm, dass er für die Träume seiner Jugend

Soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird,

Nicht öffnen soll dem tötenden Insekte

Gerühmter besserer Vernunft das Herz

Der zarten Götterblume - dass er nicht

Soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit

Begeisterung, die Himmelstochter lästert.

Ich hab´ es ihm zuvor gesagt."

                           (Friedrich Schiller: Don Carlos)

 

· "Masshalten ist die Grundlage der Sittlichkeit

und die erste Tugend des Menschen.

Ohne sie ist er ein wildes Tier."

                                 (Napoléon)

 

Lebenskunst II

 

1. Die höchste Anforderung an die Lebenskunst: zu wissen, wo Anpassung, wo Widerstand erforderlich ist, zu wissen, wo Verständnis und wo Kritik angebracht ist, zu wissen, was man dulden und was man bekämpfen sollte.

Weil wir Menschen unter Menschen sind, können und sollen wir nicht alles mit "heiterer Gelassenheit" hinnehmen, sondern manchmal ist "gelinder Zorn" vonnöten, z. B. empörter Protest gegen Intoleranz, gegen Vergewaltigung, gegen das Böse.

Wut tut gut, aber sie macht blind. Da wir Menschen sind, können und müssen wir aber auch mit dem andern reden und Brutalität, Egoismus und Verdorbenheit in etwas Besseres zu verwandeln versuchen. Aber wenn er nicht mit sich reden lässt?

 

2."Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

(diese oft Friedrich Christoph Oetinger zugeschriebenen Zeilen stammen von Reinhold Niebuhr, ca. 1941)

 

3. Diese Weisheit ist nicht ganz von dieser Welt. Denn, auch wenn der Mensch sich als Herr der Welt fühlen sollte: Er ist es nicht ganz, und er ist in mancher Hinsicht nicht einmal Herr seiner selbst. Dies zu wissen, macht den mündigen Menschen aus.

 

4. "Ich leb und waiss nit, wie lang

Ich stirb und wais nit, wan

Ich far und waiss nit, wahin

Mich wundert, dass ich froelich bin."

                     Grabspruch des Martinus von Biberach (15. Jh.)

 

 

Lebens-Kunst

Einige Volksweisheiten, Sprichwörter, Redewendungen

 

Siehe auch: Georg Büchmann: Geflügelte Worte. Der Zitatenschatz des deutschen Volkes. 30. Aufl. neubearbeitet von Werner Rust und Gunther Haupt. Berlin: Haude & Spener 1961; und viele weiter Auflagen.

Günther Drosdowski, Werner Scholze-Stubenrecht: Der Duden, Bd. 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. Mannheim: Dudenverlag 1992.

Felix Hammer: Antike Lebensregeln - neu bedacht. Zürich: Edition Interfrom/ Osnabrück: Fromm 1989.

Wolfhart Berg: Runterschalten! Die neue Lebenskunst: Weniger ist garantiert mehr. Landsberg am Lech: mvg-Verlag 1997.

 

 

Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitern Stunden nur.

Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König.

Carpe diem (Pflücke den Tag). Lebe jetzt!

Morgenstund' hat Gold im Mund.

 

"Fortes fortuna adjuvat." Dem Mutigen hilft Gott oder: "Wer wagt, gewinnt".

Fürchte dich nicht.

Ordnung ist das halbe Leben. Die andere Hälfte ist die Moral.

Der kluge Mann baut vor.

Bereit sein ist alles.

 

Früh übt sich, was ein Meister werden will.

Vor die Tugend haben die Götter den Schweiss gesetzt (Hesiod).

"Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen" (1. Mose 3, 19)

 "Ora et labora" (Benedikt von Nursia)

Arbeiten und nicht verzweifeln (Carlyle).

Wer schaffen will, muss fröhlich sein.

Ohne Fleiss kein Preis.

Arbeit schändet nicht.

Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben.

 

Tue recht und scheue niemand.

"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" (Goethe).

Geben ist seliger denn nehmen.

Keiner zu klein, Helfer zu sein.

"Wer die Praxis ohne die Theorie liebt, ist wie ein Seemann, der auf ein Schiff ohne Steuer und Kompass steigt und nie weiss, wohin er gerät" (Leonardo da Vinci).

"Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie" (Kurt Lewin).

Wissen befreit.

"Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch tun" (Goethe).

Wo Rauch ist, da ist auch Feuer.

In dubio pro reo.

Alles zu seiner Zeit.

Gut Ding will Weile haben.

Was du tust, das tue bald.

Verschiebe nicht auf morgen, was du heute tun kannst.

Eile mit Weile.

Keine übermässigen Belastungen.

Ruhig Blut bewahren.

Trotzdem, trotz allem, dennoch.

"Wer für die Zukunft sorgen will, muss die Vergangenheit mit Ehrfurcht und die Gegenwart mit Misstrauen aufnehmen."

Zeit ist eine kostbare Gabe.

Kommt Zeit, kommt Rat.

Müssiggang ist aller Laster Anfang.

Lieber spät als niemals.

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige.

Nimm dir Zeit und nicht das Leben.

Steter Tropfen höhlt den Stein.

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Man muss die Feste feiern wie sie fallen.

Packe die Gelegenheit beim Schopf.

Was man von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück.

 

Macht korrumpiert.

Planlose Gewalt stürzt durch eigene Last.

Recht geht vor Macht.

Alles hat seinen Preis.

Kein Mensch muss müssen.

Üb' immer Treu und Redlichkeit.

Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht.

Leben und Leben lassen.

Es ist der Geist, der die Materie bewegt.

Es ist der Geist, der sich den Körper baut.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

 

"Ne quid nimis." Nichts zuviel.

Allzu straff gespannt zerspringt der Bogen.

Sei nicht übermütig im Glück, nicht kleinmütig im Unglück.

Die Freuden, die man übertreibt, verwandeln sich in Schmerzen.

 

Die Sonne bringt es an den Tag.

Handle so als hinge von dir und deinem Tun das Schicksal der Welt ab.

Ein jeder kehre vor seiner Tür.

Der Mensch ist soviel wert, wie er sich selber schätzt.

 

Ein Lügner muss ein gutes Gedächtnis haben. Es bleibt immer etwas haften.

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Unrecht Gut gedeiht nicht. "Crime doesn't pay".

 

Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Grösste.

Es ist Mass und Ziel in den Dingen, es gibt schliesslich bestimmte Grenzen.

Frisch gewagt, ist halb gewonnen.

Sapere aude. "Erkühne dich, weise zu sein" (Schiller)

Der Klügere gibt nach. Aber: Widersteh schon im Anfang!

Beim Lehren lernt man.

Eines schickt sich nicht für alle. "Quod licet Jovi, non licet bovi". Schuster, bleib bei deinen Leisten.

 

 

Der Mensch als "individuum ineffabile"

 

1. Der Mensch gehört zwei Reichen an: der Natur und der Kultur. Er hat eine biologische wie eine kulturelle Vergangenheit.

2. Der Mensch hat die ganze Evolution des Lebens in sich. Sein Gehirn umfasst mehrere Regulationsstufen des Verhaltens (gleichzeitig), z. B. Amöbe, Fisch, Krokodil, Pferd oder Wolf, Affe und Mensch.
Es kommt auf die Abstimmung dieser Ebenen an. Der Neokortex muss die Kontrolle behalten, aber auch auf die früheren Schichten hören.
(In der Praxis gibt es Regressionen auf die verschiedenen Schichten.)

2. Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt der Welt.

3. Der Mensch ist Schöpfer und Geschöpf der Kultur.

4. Der Mensch ist ein personales und soziales Wesen.

5. Der Mensch ist "ni bête ni ange..." (Pascal)

6. Alle Menschen stecken in Netzen, die andere gewoben haben, aber auch in selbstgestrickten.
Das sind Entscheidungsnetze, aber auch Nutzennetze und Kostennetze.

7. Der Mensch steht zu sich selber und zu andern im Verhältnis der Reziprozität, der gegenseitigen Förderung und Abhängigkeit.

a) Ich kann nur Erfolg haben, wenn ich an mich selber glaube. Ich kann nur stark sein, wenn ich mich selber nicht zugrunde richte.

b) Ich bin in vielerlei auf andere Menschen angewiesen, und sie sind umgekehrt auf mich angewiesen.

8. "Alle Menschen sind gleich an Würde und an Rechten geboren."

Alle Menschen haben die gleichen Grundbedürfnisse. Aber je nach Anlagen, Erziehung und Umwelt, nach ihrer Entwicklung und persönlichen Erfahrung sind sie ungleich in Charakter und Temperament, Mentalität und Meinungen, Stresstoleranz und Reaktion auf Stress. Demgemäss haben sie trotz gleicher Bedürfnisse einen ungleichen Bedarf. "Was dem einen syn Uhl, ist dem andern sin Nachtigall."

9. Dem Menschen sieht man nicht an, was er ist, war oder sein wird.

10. Der Mensch steht unter paradoxen Forderungen. Eine der auffälligsten ist: "Du sollst dies oder das freiwillig tun." Gottlieb Duttweiler sagte: "Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit."

11. Der Mensch stellt ebensolche paradoxen Ansprüche an die Umwelt und die Mitmenschen. Er möchte "den Fünfer und das Weggli".

12. Alle Menschen sind Sünder, Schwindler und Schwätzer.

13. Niemand ist vollkommen. Es gibt unter Menschen nichts Narrensicheres und nichts Vollkommenes.

14. Der Mensch muss mit Widersprüchen und Unvollkommenheiten leben.

 

 

Die 60 goldenen Entscheidungsregeln (Meta-Regeln)

 

1.a) «quidquid agis, prudenter agas et respice finem."
Was du auch tust, handle klug und bedenke das Ende (das Ziel, die Folgen).
b) Denn: Jede Lösung hat Nachteile.
c) Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

 

2. "Versäumt nicht zu üben

die Kräfte des Guten."

            (Goethe: "Symbolon", 1813)

 

3. "Lebe, wie Du, wenn Du stirbst,
wünschen wirst, gelebt zu haben!
Bleibe treu dem Pflichtgebot,
halte fest an Tat und Streben,
dann wird über Welt und Tod,
Dich ein reines Herz erheben!"

 

4.a) Man kann nicht alles haben.
Denn: "Qui trop embrasse, mal étraint."
b) Man kann auch nicht "den Fünfer und das Weggli" haben, oder den Pelz waschen, ohne ihn nass zu machen.
c) Niemand kann zwei Herren dienen.

 

5.a) Wer viel will, muss stark sein - auch seelisch.
b) Das Wollen ist auf das Können abzustimmen. Beides kann vermehrt oder vermindert werden.
c) Die Frage lautet: Kann ich alle Folgen tragen?
d) Mute dir und den andern nicht zuviel zu.
e) Man muss mit den eigenen wie den fremden Kräften haushalten.
f) Je länger der Weg, desto mehr muss man Kräfte und Mittel einteilen - und auch den Weg.
g) Jeder ist "Unternehmer" seiner Anlagen, Kräfte, Kenntnisse und Mittel.

 

6.a) Fälle keine "einsamen" Entscheide.
b) Man muss reden miteinander. Auch die "andere Seite" verdient Gehör.
c) Das Gespräch klärt, wenn es ehrlich und weder Disput noch Gerede ist.

 

7.a) Man muss Ja sagen zum Leben (und seinen eigenen Anlagen) und Nein zu allen Verlockungen und Verführungen (z. B. Drogen, Sekten, Hetzereien, Handgreiflichkeiten).
Beides bedeutet: Sein Leben selber gestalten.
b) Wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht. Denn: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.
c) Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
d) Wer Pech angreift, besudelt sich.
Oder: Ihr sollt eure Perlen nicht vor die Säue werfen.
e) Übermut tut selten gut.
f) Wer Schulden macht, sich subventionieren oder bestechen lässt, ist nicht mehr sein eigener Herr und Meister.
g) "Im Zweifel nie!" ("In gewissen Dingen gibt es keine Birne.")

 

8.a) Man muss sorgfältig beobachten, besonders das Unauffällige, Unscheinbare.
b) Erst schauen, dann überlegen, dann handeln. "Warte, lose, luege, laufe!"
c) Man soll in sich selbst und andere hineinhorchen.
Fragen: Was sind meine, seine Bedürfnisse, "Bestimmungen", Berufungen.

 

9.a) Humor ist die beste Medizin.
b) Wer den Humor verloren hat, hat alles verloren.
c) Ein Lächeln kann Berge versetzen.
d) Verbissener Ernst führt oft in Sackgassen. Was mit heiterer Gelassenheit oder heiligem Zorn angenommen oder angepackt wird, ist oft "halb so schlimm".

 

10. "Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem andere nicht schadet", heisst es in der französischen Erklärung der Menschenrechte (1789).
Oder moderner: Meine Freiheit endet dort, wo diejenige der anderen anfängt.
Oder: Wer seine Grenzen sprengt, verletzt diejenigen seiner Nachbarn.

 

11. Wer mit dem Kopf durch die Wand geht, muss manches draussen lassen.

 

12. Keine Halbheiten. Lieber etwas gar nicht anfangen, als halbherzig daran gehen und bald aufgeben.
"Nichts halb zu tun ist edler Geister Art."

 

13.a) Den Dingen und Menschen ins Auge sehen und darin das Beste suchen.
b)"Prüfet aber alles und behaltet das Beste."

 

14.a) Vor jeder Entscheidung muss man sich die Frage stellen: Will ich nach dem Gewissen oder nach meinen Gelüsten entscheiden.
b) Die Folgen von Gewissensentscheiden sind leichter zu tragen als Entscheidungen nach Lust und Laune.
Es heisst zwar: "Der Gerechte muss viel leiden." Aber auch: "Den Gerechten gibt's der Herr im Schlaf."
c) Wer nach Gelüsten entscheidet, ist erpressbar.

 

15.a) Wenn wir nicht mehr weiter wissen, müssen wir unsere Optik ändern. Das heisst: entweder die Blickrichtung ändern oder auf ein höheres Betrachtungsniveau steigen. "Reculer pour mieux sauter."
Von oben oder von der andern Seite sieht manches anders aus.
b) In einer verfahrenen Lage kann man es mit dem Gegenteil versuchen.
c) Statt auf Bedürfnisse auf Ziele achten.
d) Sich in den andern hineinversetzen. Oder fragen: "Wie sieht mich der andere?"

 

16.a) Wir müssen einerseits möglichst viele Aspekte sammeln, anderseits immer wieder versuchen, sie zusammenzufassen und in eine Ordnung zu bringen. Wir müssen wechselweise nuancieren und schematisieren.
b) Das Einfache ist zu komplizieren.
Wenn etwas aber zu kompliziert wird, muss man wieder vereinfachen oder auf das Einfache zurückgehen.
c) Dazu dient Suchen, Fragen und Reden einerseits, offene Besinnung und konzentriertes Nachdenken anderseits.
d) Kreativität besteht aus einem Wechselspiel von Suchen und Ordnen, Schweifen und Konzentration.

 

17. Eingriffe in Systeme müssen energisch, aber behutsam vorgenommen werden. "Fortiter in re, suvaiter in modo."

 

18.a) Gleiches ist gleich, ungleiches ist ungleich zu behandeln.
b) Niemanden an die Wand stellen. Dem Feind eine golden Brücke bauen.
c) b) Das Ausmass des Eigennutzes ist mit der Ehrfurcht vor dem Gegenüber abzustimmen.

 

19.a) "Es ist das Wissen des Herzens und des Instinkts (Spürsinns), auf das sich die Vernunft stützen muss, auf das sie alle Ableitungen gründet" (Pascal).
b) Heftige oder bohrende Gefühle wie Eifersucht, Neid, Ehrgeiz, Hass, Gier, Eigensinn sind jedoch schlechte Ratgeber.

 

20. Leben heisst: auswählen.
Entscheiden heisst: neue Akzente setzen.
Verantworten heisst: Zusammenhänge beachten.

 

21. Frage dich bei jeder Tat:
Fördert sie das Leben?
2. Entspricht sie der Menschenwürde?
3. Dient sie dem Gemeinwohl?
4. Steht sie in Einklang mit der Schöpfung?

 

22. Vorsicht und Rücksicht sind zwei Seiten derselben Medaille: der Übersicht.
"Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit."

 

23. Präzisieren steht vor jeder Entscheidung:
a) Was sind meine Beweggründe? (Eigennutz, Rache, Neid?)
b) Was will ich wirklich? Was ist die Absicht, was ist das Ziel?
c) Brauche ich das wirklich? Oder: Muss ich unbedingt … ?
d) Wenn ja, ist es das Richtige?

 

24. Vor "schnellen" Entscheidungen auf 10 zählen,
vor langsameren: einmal darüber schlafen.

 

25.a) Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
b)Wer Wind säet, wird Sturm ernten.

 

26.a) "Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?"
b) "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".
c) Hochmut kommt vor dem Fall.
d) Nicht päpstlicher sein als der Papst.
e) In der Bescheidenheit zeigt sich der Meister.

 

27.a)An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
b) Das Werk lobt den Meister.

 

28. Alles hat eine Vorgeschichte und einen Hintergrund:
der Mensch
jeder Ratgeber
Ideologien, wissenschaftliche Theorien
jede Situation (ob individuelle, politische oderwirtschaftliche).

 

29. Wer weiterkommen will, muss fragen:
Gibt es andere Möglichkeiten?
Kann ich alle Folgen tragen?
Können die andern die Folgen tragen?

 

30. Nicht von den Umständen oder den andern etwas erwarten, sondern selber eine mutige Tat vollbringen. Sein Leben selber, "beherzt" in die Hand nehmen.
"Mein Glück soll, so weit wie möglich, meine Sache sein."

 

31. Entscheiden statt vor sich her schieben.
Oft ist wichtiger, dass überhaupt als was entschieden wird.
Entscheiden heisst, seine Freiheit wahrnehmen.
Fichte: "Freiheit besteht nicht darin, dass ich tun kann, was ich will, sondern dass ich wollen kann, was ich will."

 

32. Unterscheiden, was "bloss" wünschbar und was machbar ist.

 

33. Oft ist eine Entscheidung die Wahl zwischen zwei Übeln.
Es gilt, sich für das eine entscheiden und das Beste daraus zu machen.

 

34. Bei Beurteilungen die Vorsilbe "un-" durch "noch nicht" oder "nicht immer" ersetzen, z. B.: "rede-unbegabt" wird so zu "noch nicht sehr rede-geübt", "unaufrichtig" zu "nicht immer aufrichtig".

 

35. a) Das Gute, Positive bejahen und fördern ist wirkungsvoller (auch lernpsychologisch) als über das Schlechte zu schimpfen.
b) Lob ist wirksamer als Tadel.

 

36.a) Überwinde das Böse mit dem Guten.
b) Nicht müde werden Gutes zu tun.

 

37. Zuversicht ist eine Kraftquelle, wenn sie auf das "Richtige" gerichtet ist. Zweifel ehrt, aber lähmt.

 

38. "Einmal heisst: immer wieder", sagt die Psychologie.

 

39.a) Es kommt meist anders heraus als wir denken.

b) Gerade was wir vermeiden wollen, ereignet sich oft.

 

40. Jede getroffene Entscheidung bedeutet einen neuen Anfang.
"Wer neu anfangen will, soll es sofort tun", sagt Kungfutse.

 

41. Der schlechteste Weg ist der Ausweg. Manchmal ist es besser, umzukehren, damit man besser sieht.

 

42. Eine Münze aufwerfen und dann das Gegenteil tun.
Warum? Das Ergebnis des Wurfs bringt uns die eine Möglichkeit schlagartig nahe; dann zeigt sich oft spontan, ob wir sie ausführen wollen.

 

43. "Not macht erfinderisch." Aber die Not muss offenbar gross sein.

 

44. "Wie man in den Wald ruft, so tönt es heraus."
Ist der Mensch denn eine Reaktions-Maschine?
"Vertrauen erweckt Vertrauen."'

 

45. Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle.
Fragt sich nur, in welchem Zustand.
Und vielleicht möchten wir aufs Meer hinaus.

 

46. Die strengsten Gesetze stammen nicht vom Menschen, sondern von der Natur (Physik, Chemie, Biologie).
Aber belastender sind oft die inneren Zwänge und der soziale Druck.

 

47.a) Der Verzicht auf höhere Bindungen macht anfälliger für "niedere" Abhängigkeiten (Süchte, Rituale, Moden, Gruppenmeinungen).
b) Die meisten Krisen sind programmiert. Wer auf Freiheit pocht, muss sich aus dem Automatendasein lösen.

 

48. Jedes Ziel oder Engagement richtet unser Bemühen aus und bündelt die Kräfte, aber es engt den Blick ein.

 

49. Über den eigenen Schatten zu springen, ist erwünscht.
Aber was, wenn man dabei stolpert?

 

50. "Verschiebe nicht auf morgen, was du heute tun kannst."
Und: Das Naheliegende zuerst tun; "eines nach dem andern wie in Paris."
Aber erledigt sich nicht manches durch "Abwarten und Tee trinken", duch Vergessen oder Liegenlassen?

 

51. "Wer A sagt, muss auch B sagen." Aber ist nicht alles dem Wandel unterworfen?

 

52. "Wer rastet, der rostet."

 

53. Ich sollte wissen, was ich will.
Aber der Weg ist oft wichtiger als das Ziel.

 

54.a) Jede Regel bedarf der Interpretation.
b) Alle Menschen können dieselben Regeln anwenden. Je nach Veranlagung, Erziehung und Erfahrung werden sie sie jedoch anders interpretieren.

 

55. Von nichts kommt nichts. "Ohne Fleiss kein Preis".
Aber: Einigen fällt alles in den Schoss; statt Fleiss gibt es Erpressung.

 

56. Gibt es Argumente gegen Sorgfalt und Zuverlässigkeit? Nein, nur Launen und andere Gelüste.

 

57. Hoffnung liegt in jedem Leid. "Durch Schmerzen empor".

 

58. Zusammen ( = gemeinsam) ginge es besser.

 

59. Begriffsscharfes Denken bringt Klarheit.
Z. B. Was ist Spontaneität anderes als: seinen Launen und Gelüsten nachgeben? "Lässig" ist meist fahrlässig.

 

60. Mehr Konsequenz im Denken und Verhalten ist nötig. Aber: Letzte Konsequenz ist tödlich.

 

 



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