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Geschichte und Persönlichkeiten, Firmen und Produktemit besonderer Berücksichtigung der Innerschweiz
siehe auch Kurzfassung: Schweizergeschichte: Meilensteine englische Fassung: Swiss Peculiarities - Swiss Personalities - Swiss Firms – Swiss Products
Teil I: Frühzeit und politische Geschichte Teil II: Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftspioniere (800/1200-2000) Teil III: Schweizer im In- und Ausland und Ausländer in der Schweiz (500 v. Chr.-2000)
Teil I: Frühzeit und politische Geschichte
Ab 500 000 v. Chr.: Jäger und Sammler
Vielleicht eine halbe Million Jahre lang streiften nomadisierende Wildbeuter durch das Gebiet der heutigen Schweiz. Sie jagten - vermutlich mit Hilfe von Feuerjagd (Treibjagden) und Fallgruben - Höhlenbären, Riesenhirsche, Auerochsen, Wollnashörner und Mammuts und sammelten wilde Früchte, Pilze, Honig, Insekten und Amphibien. Sie benützten Höhlen und überhängende Felsdächer als kurzzeitige Lagerplätze und errichteten einfache Zelte aus Zweigen in der freien Landschaft. Das Feuer spendete ihnen Licht und Wärme und diente zum Kochen und Braten. Höhlenmalereien, wie sie in Frankreich und Spanien seit ca. 30 000 v. Chr. besonders gut erhalten sind, kennt man in der Schweiz nicht, auch keine Kleinkunst (wie etwa Statuetten), nur einige Gravierungen.
5000/4000 v. Chr. - 800 v. Chr.: Bauern und Handwerker
Zwischen 5000 und 4000 v. Chr. wurden die Jäger und Sammler durch Bauernvölker verdrängt. Sie kamen von Nordosten (Bandkeramische Kultur) und von Südfrankreich her und liessen sich bald am Rande von Seen in Siedlungen von etwa 7-10 Häusern sesshaft nieder. Diese werden oft als "Pfahlbauten" bezeichnet, weil man versuchte, die Fundamente durch das Einrammen langer Pfähle gegen ein Versinken im feuchten Untergrund zu sichern. Ackerbau und Viehzucht führten zu einer reichen kulturellen Entfaltung, aber auch zu einem raschen Wachsen der Bevölkerung. Hausbau und Waldrodung, Töpferei, Weberei und Metallbearbeitung, die Herstellung von Käse und Gebäck, Vorratshaltung und Handel, die Verbesserung von Geräten und Waffen sowie soziale Ordnungsformen waren wichtige kulturelle Errungenschaften. Um das Jahr 1000 v. Chr. kam als neue Hausform der Blockbau auf, und es wurden Terrassensiedlungen errichtet.
800 v. Chr. - 1 v. Chr.: Barbarische Kelten
Etwa seit der Beginn der Eisenzeit, seit 800 v. Chr., ist das Volk der Kelten nordwestlich der Alpen fassbar. Es drängte die Ligurer und Veneter in den Süden zum Mittelmeer ab. Es wird von griechischen Autoren als "barbarisch" beschrieben, da es sich ab 400 v. Chr. fast über ganz Europa ausdehnte (einerseits nach Italien, in die Türkei und nach Rumänien, anderseits nach Frankreich und Spanien, England und Irland). In den östlichen Alpen leben die Räter (vielleicht Abkömmlinge der Etrusker), im Tessin die Lepontier und Insubrer. Einer der zahlreichen keltischen Stämme waren die Helvetier. Sie lebten im schweizerischen Mittelland in Dörfern (Weilern) und Einzelhöfen, später auch in befestigten Plätzen ("oppida"). Von ihrer Kultur zeugen einige Kunstgegenstände aus Gold. 58. vor Chr. wollten die Helvetier (und Rauriker vom Basler Rheinknie) nach Gallien (Südfrankreich) auswandern. Sie wurden aber bei Bibracte von Julius Caesar geschlagen und mussten in ihre Heimat zurückkehren.
1-400: Römer, ab 400 Germanen
siehe auch am Anfang: Berühmte Schweizer und bemerkenswerte Schweizer
Bis 400 n. Chr. gehörte das Gebiet der Schweiz zum riesigen Römischen Reich. Dann zogen die Vandalen (406) und Hunnen (436) durch das Land. Es folgte bis etwa 537 eine weitgehend herrschaftsfreie Zeit: Der grosse Westteil der Schweiz geriet unter den Einfluss der schwachen Burgunder, der mittlere unter den Einfluss alemannischer Gruppen, die östlichsten und südlichsten Teile unter den Einfluss der Ostgoten. Dann kamen von Westen her die Franken, zuerst die Merowinger, dann die Karolinger. Im Süden herrschten 200 Jahre die Langobarden.
Damals war das Gebiet der heutigen Zentralschweiz kaum besiedelt. Einzig das Urner Föhntal und die Flecken Schwyz und Luzern waren attraktiv genug für die alemannischen Siedler, die sich seit 537 mit den eingesessenen Bewohnern - romanisierten Kelten und Romanen (in den östlichen Alpen) - vermischten.
Die alemannischen Herzöge gerieten rasch in ein zunehmendes Abhängigkeitsverhältnis zu den Franken, was unter anderem auch die Christianisierung bedeutete. Schriftliche Zeugnisse (Urkunden, Bücher) sind seit etwa 700 erhalten.
800-1200: Grafen, Herzöge und Reichsvögte
Die karolingische Gesamtmonarchie reichte von der Spanischen Mark bis zur Nord- und Ostsee, bis fast nach Wien und Rom. Nach dem Tod Karls des Grossen 814 wurde sie in mehreren Etappen in eine östliche und eine westliche Hälfte aufgeteilt. Der östliche Teil der Schweiz kam zum dem, was später das Deutsche Reich wurde. Der westliche Teil der Schweiz gehörte noch etwa 150 Jahre zu einem Zwischenreich, dem Königreich Burgund, das 1033 zum Deutschen Reich geschlagen wurde. Das Tessin wurde 80 Jahre von italienischen Königen regiert.
Um 850 liessen Verwandte des ostfränkischen Karolingers Ludwig des Deutschen das Kloster Luzern wieder aufbauen; er selber stiftete die Zürcher Abtei Fraumünster und stattete sie mit Ländereien in Uri und andern Gebieten der Urschweiz reich aus.
Kurz nach 900 fielen erneut fremde Völker für kurze Zeit in das Gebiet der heutigen Schweiz ein: die Normannen von Norden, die Sarazenen von Süden und die Ungarn von Osten (926).
Seit 911 kann man von Deutschen Reich seit 962 von "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" sprechen. (Diese Bezeichnung wird allerdings erst nach 1400 gebraucht. Von 1034 bis 1499 resp. 1648 gehörte die ganze Schweiz zum Deutschen Reich.) Doch die sächsischen (oder: ottonischen) und dann fränkischen (oder: salischen) Kaiser hatten einen schweren Stand gegen die aufmüpfigen Herzöge. Bald erstarkten auch die einheimischen Fürsten, z. B. die Grafen von Zähringen (seit 1090), Lenzburg und Habsburg (seit 1177) sowie Kyburg. Sie amteten als Verwalter (Vögte) der deutschen staufischen Kaiser. Im Wallis und in der Welschschweiz agierten zwischen dem französischen und dem deutschen Reich seit 1000 die Grafen, dann Herzöge von Savoyen. Die Südschweiz wird von den Domkapiteln von Mailand und Como sowie später auch den Herzögen von Mailand beherrscht.
1200-1300: Allmähliche Befreiung
Die Schwyzer hatten allerdings schon im 12. Jahrhundert die "Reichsunmittelbarkeit" und 1240 einen "Freiheitsbrief" des Kaisers erlangt. Auch Uri wurde vom Kaiser von den Abgaben an die Habsburger freigekauft, was allerdings von geringer Bedeutung war, da Graf Rudolf von Habsburg (seit 1273 König) ein gerechter und sogar sehr beliebter Vogt war. Als er 1291 starb, schlossen die Talgemeinden der drei Orte Uri, Schwyz und Unterwalden einen Schutzbund, um ihre Freiheitsrechte auch in einer königslosen Zeit oder unter einem möglichen "fernen" König wahren zu können. "Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr; wir wollen frei sein wie die Väter waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen", lautet der Rütlischwur. Er ist der - literarisch formulierte - Gründungsakt der schweizerischen Eidgenossenschaft; sein personifizierter Ausdruck ist die Sage von Wilhelm Tell. Das heute noch vorhandene schriftliche Dokument ist der Bundesbrief von 1291.
1300-1400: Aufstieg zur politischen Macht
Die drei "alten Orte" hatten eine gute Nase gehabt, denn die nachfolgenden Habsburger versuchten tatsächlich die "Herrschafts-Schraube anzuziehen". Als die Schweizer aufmuckten, organisierte Herzog Leopold eine Strafexpedition. Gewarnt durch Ritter von Hünenberg, waren die Mannen des jungen Bundes am Morgarten (1315) vorbereitet; sie trieben das österreichische Heer in den Aegerisee und wurden damit zu einer militärischen wie politischen Macht. Nun sprach man bereits von den "Schweizern", und diese gebrauchten bereits das weisse Kreuz als Kennzeichen.
Das unter habsburgischer Herrschaft leidende Luzern schloss sich ihnen im Jahre 1332 an. So wurde das Landfriedensbündnis von 1291 zum Bund der vier Waldstätten. Der See, der sie alle berührt und verbindet, heisst "Vierwaldstättersee". Während sich auch die Stadt Zürich 1351 den Beistand der Waldstätten noch freiwillig sicherte, mussten sich Glarus und Zug im Jahr darauf dem expansiven Druck zähneknirschend beugen. Mit dem Beitritt Berns im nächsten Jahr war die Alte Eidgenossenschaft in ihren wichtigsten Grundzügen festgelegt.
Aber erst in der Schlacht von Sempach (1386) konnten die Luzerner, in der Schlacht von Näfels (1388) die Glarner beweisen, wir ernst es ihnen war, den Habsburgern die Stirn zu bieten.
Ab 1400: Eroberungslust, innere Händel und Reisläuferei
Die Eroberungslust der Schweizer war nun nicht mehr zu bremsen. Das mussten zuerst die Aargauer und dann die Thurgauer, ja sogar die Burgunder spüren, deren Sturz die Eidgenossen mit der Schlacht von Murten (1476) einleiteten. Zwar waren sie damit zu einer europäischen Macht geworden, doch untereinander gerieten sie sich in die Haare. Der Obwaldner Eremit Niklaus von der Flüe konnte in letzter Minute an der Tagsatzung in Stans (1481) den Bürgerkrieg zwischen den Städten und den Waldstätten verhindern.
Damit musste sich die Kriegslust einen Ausweg suchen: Man trat in fremde Kriegsdienste. Mancher Kaiser und König sicherte sich gegen hohes Entgelt die Kampfkraft der mit Hellebarden und Morgensternen kämpfenden rauen und unbarmherzigen Söldnern aus dem einstigen "Volk der Hirten". Die Reisläuferei bildete bis 1800 eine sehr wesentliche Erwerbsquelle für die männliche Bevölkerung.
Urs Graf: Schlachtfeld. Tusch- und Federzeichnung 1521.
In Luzern legt noch heute das Löwendenkmal (1820) Zeugnis vom kämpferischen Willen der Schweizer ab, als sie 1792 für Ludwig den XVI. die Tuilerien bis auf den letzten Blutstropfen verteidigten. Und bis auf den heutigen Tag stellt die Innerschweiz die - allerdings friedliche - päpstliche Schweizergarde in Rom (gegründet 1506).
Nach der Eroberung des Tessins (1478-1512) sowie der Waadt und des Unterwallis im Jahre 1536 entsprach der territoriale Bestand der Eidgenossenschaft ungefähr dem heutigen.
Die Reisläuferei schloss allerdings nicht aus, dass sich die Eidgenossen nicht auch untereinander in meist konfessionell bedingten Kriegen das Leben schwer machten. Auch der Freiheitsdrang der Bauern und von Untertanengebieten machte sich immer wieder in Aufständen Luft.
Seit 1815: Neutral, stabil und prosperierend
Nach dem Scheitern der napoleonischen Ideen, welche auch die Organisation der Schweiz kurze Zeit geprägt hatten ("Helvetik" und "Mediation"), wurde dem Land am Wiener Kongress 1815 die immerwährende, bewaffnete Neutralität garantiert.
Seither hat sich die Schweiz durch ihre "guten Dienste" in der internationalen Politik einen bleibenden Platz gesichert; sie hat beim Aufbau zahlreicher weltweiter Organisationen mitgearbeitet und bietet unzähligen Institutionen und Kongressen Gastrecht.
Gleichzeitig haben weitblickende Pioniere den Fleiss und die Genauigkeit der Bevölkerung - Einheimische wie Ausländer - genutzt, um aus einem an Rohstoffen armen Land eine führende Wirtschaftsmacht zu schaffen.
Die Schweiz als Sitz internationaler Organisationen
Als nach 1865 die ersten internationalen Organisationen gegründet wurden, wählten die meisten die Hauptstadt der Schweiz, Bern, zu ihrem Sitz, beispielsweise die Internationale Telegraphenunion ITU (1868-1948), der Weltpostverein UPI (1874), die Verwaltungsunion des Eisenbahnfrachtverkehrs (1890; seit 1985: OTIF), die Interparlamentarische Union IPU (1892-1911) und die Büros zum Schutz des geistigen Eigentums BIRPI (1893). Der Genfer Elie Ducommun war 1892 Mitbegründer des Ständigen Internationalen Friedenbüros in Bern (heute IPB).
Die schweizerische Neutralität begünstigte auch die Gründung der ersten internationalen Gesellschaft für den Frieden auf dem Kontinent (1830), des Roten Kreuzes (1864) und des Blauen Kreuzes (1877) in Genf, aber auch des International Bureau of Education (1925) und der International Federation of Business and Professional Women (1930).
1919 wurde Genf, vor allem mit Rücksicht auf die schweizerische Neutralität, aber auch als Ort des Roten Kreuzes, zum Sitz des Völkerbundes gewählt (bis 1946), der Vorläuferorganisation der UNO. Daher ist es leicht verständlich, dass die Schweiz nie vollständig ausserhalb der UNO sein konnte.
Genf beherbergt heute neben dem europäischen UNO-Sitz zahlreiche Organisationen der UNO (ILO, WHO, WMO, ITU, WIPO, Unctad, UNHCR) und weitere internationale Organisationen (z. B. IPU, 1889 gegründet, und IPB, 1891 gegründet; ferner IATA, ISO und WTO).
Seit 1815 eine "Insel der Stabilität"
Seit 1815 darf die schweizerische Eidgenossenschaft (Confoederatio Helvetica) als "Insel der Stabilität" gelten. Sie hat ihre Grenzen seither nicht mehr verändert.
Mit der Bundesverfassung von 1948 wurde sie zu einem modernen Bundesstaat mit einem Zweikammersystem (Volks- und Stände-, d. h. Kantonsvertretung) und einem siebenköpfigen Bundesrat als Kollegialbehörde an der Spitze. Die anfangs repräsentative Demokratie wandelte sich, zuerst in den Kantonen, unter dem Druck des Mittelstandes bald zur halbdirekten Demokratie. Das bedeutet, dass jeder Staatsbürger gleichberechtigt ist. Er wählt einerseits seine Vertreter ins Parlament, hat anderseits aber auch ein direktes Mitspracherecht in Sachfragen, und zwar über verbindliche Volksbefragungen in Abstimmungen sowie Initiative (als "Volksanregung") und Referendum (als "Volksveto").
Das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen wird durch das Prinzip des "kooperativen Föderalismus" geregelt: Die 26 Kantone sind souverän, arbeiten aber untereinander und mit dem Bund auf Grund genauer Kompetenzausscheidungen zusammen. In den meisten Kantonen bilden Bezirke eine Zwischenebene für die Verwaltung und Gerichtsorganisation.
Da die Gemeinden am Anfang der schweizerischen Staatsentwicklung standen - aus ihnen mit ihren Ländereien gingen ja erst die selbständigen Kantone hervor - verfügen auch sie über ein beträchtliches Mass an Autonomie. Sie verleihen das Bürgerrecht und nehmen zahlreiche Aufgaben wahr, die den Menschen unmittelbar und in seinem Alltag betreffen. Die meisten der über 3'000 Gemeinden kennen in der Institution der Gemeindeversammlung noch die direkte Form der Entscheidung, welche auf kantonaler Ebene in fast 700-jähriger Tradition durch die "Landsgemeinden" in Appenzell- Innerrhoden und in Glarus heute noch gepflegt wird.
Die Schweiz ist damit ein vielfältiges und sorgfältig durchgestaltetes politisches Gebilde, in dem sich Selbstverwaltung, Volksrechte und internationales Wirken in einer einmaligen Verknüpfung von Altbewährtem und Pioniergeist verbinden.
Teil II: Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftspioniere
Ab 1218: Goldschmiede und Seidenhändler
Seit Zürich eine reichsfreie Stadt war (1218), blühte das Handwerk der Goldschmiede, seit etwa 1250 der Seidenhandel und die Seidenfabrikation. Rund 300 Jahre dominierten Zürcher Goldschmiede das mittlere Europa. Die Reformation, welche dem Luxus abhold war, setzte dem ein Ende. Erst kurz vor 1600 bis etwa 1800 blühte das Goldschmiedehandwerk erneut.
Zürcher Seidentücher wurden bis nach Schwaben und Lothringen, Südfrankreich und England, Wien und Prag, Ungarn und Polen exportiert. Doch die Seidenindustrie verlor schon nach dem Anschluss Zürichs an die Eidgenossenschaft (1351) den Anschluss an die "aristokratische" Welt des deutschen Reiches, und nach dem Alten Zürichkrieg (1439-50) kam der Export völlig zum Erliegen. Erst nachdem sich Locarneser Glaubensflüchtlinge (unter anderen Muralt und Orell) 1555 in Zürich niedergelassen hatten, initiierten die Familien Werdmüller, Holzhalb und Schulthess einen neuen Aufschwung der Seidenindustrie, der über Jahrhunderte andauerte und im 19. Jahrhundert (Pestalozzi, Gossweiler, Usteri, Escher und Gessner, Bodmer, Arter, Zürrer und Abegg, Stehli und Stünzi) einen glänzenden Höhepunkt erfuhr.
Die Seidenhöfe der Werdmüller (1587) wurden 1710 von zwei Brüdern der Kaufmannsfamilie Escher gekauft. Die Seidenfirma "Muralt an der Sihl" (1612) wurde 1784 von der Familie Bodmer übernommen und bis ins 20. Jahrhundert weitergeführt. Der um 1830 gegründete Schwarzenbach-Konzern beschäftigte um 1900 weltweit mehr als 10 000 Personen und wurde später, nach dem Ausbau des Amerika-Geschäfts (Schwarzenbach Huber) um 1930 zum grössten Textilunternehmen der Welt. 1980 wurde die letzte Seidenweberei in Thalwil geschlossen. Heute produzieren nur noch Weisbrod-Zürrer (1825) in Hausen am Albis und Gessner (1833) in Wädenswil.
Bereits nach 1400 war auch die Baumwoll-Verarbeitung in Zürich heimisch geworden. Doch internationale Anerkennung erhielt sie erst 350 Jahre später. Nach 1690 breitete sich der Zeugdruck von Genf her ostwärts über die ganze Schweiz bis nach Zürich (1740), Glarus (1740) und in den Thurgau aus.
Basels Wirtschaft wurde seit dem Bau der ersten Rheinbrücke (1225) vom Fernhandel und von den zünftisch organisierten Gewerben (u. a. Weberei, Gerberei) getragen. Das Konzil von 1431-48 führte zu einem Aufschwung der Papierindustrie. Die 1460 gegründete Universität und die von weither stammenden Humanisten machten Basel bald zu einem Zentrum des Buchdrucks.
Die Berner Wirtschaft war fast nur von regionaler Bedeutung. Einzig die Lederproduktion (Gerberei) war exportfähig, und von etwa 1350-1450 blühte der Fernhandel.
An der Kreuzung der Verbindungswege zwischen Mittelmeer und Nordeuropa sowie zwischen den Messen de Champagne und Osteuropa war Genf schon im Mittelalter ein wichtiges Handelszentrum. 1420 wurde eine Filiale der Medici-Bank eröffnet; ein Grossteil der Messe-Geldgeschäfte wurde über italienische Banken abgewickelt. Der Markt hatte im 15. Jahrhundert europäische Bedeutung.
Die Leinenweberei in der Ostschweiz dürfte bereits im 13. Jahrhundert der grösste Exportfaktor der Schweiz gewesen sein. Im 14. Jahrhundert stellten bereits manche Betriebe auf die Produktion von Barchent (einem Mischgewebe aus dem billigen Leinen und der teuren Baumwolle) um. Nach 1770 verdrängte die Verarbeitung von Baumwolle die Leinwandindustrie völlig aus dieser Region (sie wurde vom Emmental und Oberaargau übernommen). Der Export der st. gallisch-appenzellischen Handelshäuser übertraf jenen Zürichs bald an Qualität wie Quantität.
Heilkraft der Bäder - gastfreundliche Unterkunft
Von 1230 bis 1530 - besonders aber im 15. Jahrhundert - pflegten die Schweizer (und einige Gäste) das heitere Leben in Thermalbädern, z. B. von Baden, St. Moritz, Leukerbad und Pfäfers - die meist schon in römischer Zeit frequentiert wurden. Die warmen Quellen von Brigerbad wurden 1471 wiederentdeckt; das Schwefelbad von Alvaneu wird erstmals 1474 beschrieben. Diese Bäder dienten nicht nur der Gesundheit und Hygiene, sondern auch der Geselligkeit. Auch Dampfbäder ("Schwitzstuben") waren beliebt.
Obwohl nach 1500 das Badeleben aus hygienischen wie ökonomischen Gründen drastisch zurückging, wurden doch noch einige Thermalbäder eröffnet, etwa Schwefelberg-Bad (1561) und Gurnigelbad (1591), Gontenbad (1597), Bad Schinznach (1658), Lenk (1689) Yverdon-les-Bains (1728) und "Heustrich Weyd" (1775).
Seit der karolingischen Zeit gab es auch an verschiedenen Orten Gasthöfe und Herbergen. Das Hotel "Drei Könige in Basel" wurde - der Legende nach - 1026 gegründet, das Zürcher Hotel "Storchen" und das Zunfthaus "Zum Rüden" - eine "Trinkstube" - um 1350. Auch das älteste Hotel in Interlaken stammt aus dem 14. Jahrhundert, der Landgasthof "Löwen" in Heimiswil wird 1340 erstmals urkundlich erwähnt, das "Wynhus zu Bären" in Münsingen 1371, der "Adler" in Murten 1396. 1412 wurde in der Basler Aeschenvorstadt der "schwarze Sternen" als "Herrenwirtschaft erbaut. Das Hotel "Schwert" in Zürich beherbergte 500 Jahre lang (1421-1919) Kaiser und Künstler, Abenteurer und Gelehrte. 1499 resp. 1570 wurde das Hotel "Crusch Alva" in den Bündner Bergen, in Zuoz, erbaut. Dem "Hotel du Lac" in Coppet wurde 1628 das exklusive Recht verbrieft, Gäste, die zu Pferd oder mit der Kutsche kamen, zu beherbergen. In Gersau bestand das Gasthaus "Schiff" bereits im 16. Jahrhundert; 1741 baute Andreas Camenzind den "Gersauer Hof".
Frühe Reisebeschreibungen der Schweiz stammen unter anderem um 1550 von den Deutschen Johannes Stumpf und Kaspar Brusch sowie vom Franzosen Joachim du Bellay, etwas später vom Philosophen Michel de Montaigne (1580/81) und vom englischen Dandy Thomas Coryate (1611). Fast hintereinander (ab 1637) reisten die Engländer John Milton (Dichter), Robert Boyle (Chemiker) und Edmund Waller (Lyriker) durch Europa und besuchten auch die Schweiz.
Inspiriert von Joseph Addisons (1699-1702) und Horace Walpoles "Grand Tour" durch Europa (1729-40), kamen ab 1750 ebenfalls in die Schweiz: die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, Oliver Goldsmith, Giacomo Girolamo Casanova, Edward Gibbon, James Boswell und William Beckford sowie André Chénier. Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt Dessau reiste mehrmals durch Europa auf der Suche nach Ideen für seine Landschaftsgärten; Goethe machte drei Reisen durch die Schweiz. Der englische Poet William Wordsworth pries in einem Gedicht "Prelude" (1805), das aber erst 1850 veröffentlicht wurde, seine Schweizerreise von 1790. Über ihre Schweizerreise berichtet ausgiebig die englische Lyrikerin Helen Maria Williams (1796), über seine "Wanderungen" ein Jahr später der Balte Karl Gotthard Grass.
Das erste Tourismushandbuch über das Reisen in der Schweiz stammt vom Preussen Johann Gottfried Ebel (1793).
Entdeckung der Alpen
Seit der karolingischen Zeit wurden die Pässe im Bündnerland (Septimer, Lukmanier, Julier, Ofenpass) und im Wallis viel benützt. Die Hospize auf dem Grossen und Kleinen St. Bernhard sind 1000 Jahre alt. Das Hospiz auf dem Septimer wurde um 1100 von Churer Bischof Wido gegründet. Der Spittel auf dem Simplon wird 1235 urkundlich erwähnt. Der Gotthardpass ist seit etwa 1200 passierbar nachdem die Schöllenenschlucht wegbar gemacht wurde.
Die Alpengipfel wurden damals gemieden. Sie waren von Sagen und Legenden umwoben und galten als Sitz von Dämonen. Noch 1387 sperrten die Behörden der Stadt Luzern den Mönch Niklaus Bruder und fünf geistliche Begleiter ein, weil sie den mythenumrankten Pilatus bestiegen hatten.
Befreit von kirchlichen Fesseln bestieg der St. Galler Reformator Vadian 1518 den Pilatus. Auch der Zürcher Naturforscher Conrad Gessner bestieg ihn 1555 - er glaubte aber noch an Drachen. Und noch 1619 wurde berichtet, ein Drache sei aus einer Höhle am Pilatus majestätisch über das Tal geflogen.
1538 veröffentlichte der Glarner Historiker Aegidius Tschudi die geographisch-antiquarische Untersuchung "Die uralt warhafftig Alpisch Rhetia". Die 1574 erschienenen historischen, geographischen und volkskundlichen Abhandlungen über das Wallis und über die Alpen des Theologen und Historikers Josias Simmler zählen heute - obwohl im Bett diktiert - zu den Pionierarbeiten auf dem Gebiete der Alpenkunde.
Um 1600 untersuchte der Luzerner Politiker und Gelehrte Renward Cysat die Flora des markanten Innerschweizer Bergs Rigi und rühmte die besondere Aussicht, die man von ihm aus geniesst. Wallfahrtskapellen wurden 1556 in Rigi-Kaltbad und 1689 im Klösterli errichtet.
1642 zeichnete Joseph Plepp den unteren Grindelwaldgletscher, und Mathäus Merian stach ihn in Kupfer. 50 Jahre später besuchten der 18jährige Markgraf Albrecht von Brandenburg und Thomas Coxe den Gletscher, und der Zürcher Arzt und Mathematiker Johann Jakob Scheuchzer begann (1694) mit der wissenschaftlichen Erforschung der Schweizer Bergwelt. Scheuchzer glaubte immer noch an Drachen (1718).
Doch erst etwa 1730 entwickelte sich in Europa der "Alpensinn". Das Bedürfnis nach Erholung in der guten Gebirgsluft, das Interesse an der Erforschung der Alpen, die sportliche Lust an der Erreichung größerer Höhen und das Gefühl für die Schönheit der Hochgebirgsnatur lockten nicht nur Gebildete und Adelige ins Berner Oberland, speziell ins Lauterbrunnental.
Albrecht von Haller (mit seinem Gedicht "Die Alpen", 1732), Rousseau und der deutsche Dichter Goethe (1775) erweckten mit ihren Berichten und Gedichten, später der englische Maler William Turner (ab 1802) und der deutsche Musiker Felix Mendelssohn-Bartholdy (1822 und 1831) mit ihren Zeichnungen und Aquarellen den Reisestrom. 1751 hat der Pfarrer und Griechischprofessor Johann Georg Altmann in seinem "Versuch einer historisch-physischen Beschreibung der helvetischen Eisgebirge" das Wissen seiner Zeit gesammelt. Der Genfer Jacques-Barthélemy Micheli du Crest zeichnete das erste wissenschaftliche Alpenpanorama (1754) im Gefängnis der Festung von Aarburg.
Zu den ersten namentlich bekannten Alpinisten zählen einige Engelberger Klosterleute, welche 1744 den von einem Gletscher bedeckten Titlis bestiegen, dann aus Genf die beiden Brüder und Geologen Jean-André und Guillaume-Antoine Deluc (seit 1754) sowie der Naturwissenschafter Horace-Bénédict de Saussure (1787 auf dem Montblanc), der Luzerner Kartograph Franz Ludwig Pfyffer von Wyher (ab 1762), die Landschaftsmaler Caspar Wolf, Marc-Théodore Bourrit, Heinrich Wüest, Ludwig Hess und Hans Conrad Escher von der Linth sowie der Bündner Priester Placidus a Spescha (ab 1782). Der Jungfraugipfel wurde erst 1811 von den Aargauer Brüdern Johann Rudolf und Hieronymus Meyer mit zwei Walliser Gemsjägern bestiegen.
1777 hatte der Begründer der Gletscherforschung, der Berner Jacob Samuel Wyttenbach, den ersten Führer durch die Alpen herausgegeben.
Seit 1800: Tourismus und Hotellerie
Die napoleonische Zeit brachte Frankreich und die Schweiz näher zusammen. Dabei begann sich der Tourismus kräftig zu entwickeln - in der Schweiz auch "Fremdenverkehr" genannt. Ebenfalls von Napoleon eingeleitet, erfolgte der Ausbau der Alpenpässe zu Fahrstrassen (z. B. Simplon 1805; Gotthard 1830). 1823 fuhr das erste Dampfschiff auf dem Genfersee.
Der französische Politiker und Schriftsteller François René de Chateaubriand besuchte von 1805 bis 1833 die Schweiz mehrfach, insbesondere Madame de Staël in Coppet. Diese wurde 1809 auch von der französischen Porträtistin Elisabeth Louise Vigée Le Brun gemalt.
Lord Byron besuchte 1816 in Cologny bei Genf Percy und Mary Shelley. Er veranlasste Mary zur Konzeption ihres Monster "Frankenstein" und seinen Begleiter John William Polidori zur Idee des "Vampir". Er selber schrieb nach einem Besuch im Schloss Chillon sein berühmtes Gedicht "The Prisoner of Chillon". In Genf weilte etwa 10 Jahre später auch Victor Hugo. 1832 besuchte Alexandre Dumas in Genf Chateaubriand. Franz Liszt lebte hier zeitweise von 1835-1839 mit der Gräfin Marie d'Agoult - George Sand besuchte die beiden. Der englische Kunstschriftsteller John Ruskin weilte seit 1833 mehrmals im Welschland. Gérard de Nerval bereiste 1839 das Welschland und die Deutschschweiz. 1845 weilte Gustave Flaubert in Genf und Chillon.
Der spätere Gouverneur von Victoria (Australien), Charles Joseph La Trobe, wuchs in England und in der Schweiz auf, war 1824-1827 in Neuenburg Hauslehrer und verfasste hier seine wunderbaren "Sketches of Swiss Scenery and Manners" unter dem Titel "The Alpenstock". Honoré de Balzac begegnete in Neuenburg 1833 Madame Eveline Hanska.
In seinem Briefroman "La Nouvelle Héloise" (1761) hatte Rousseau das Gebiet von Montreux-Clarens so schön beschrieben, dass seither dieses Gebiet für viele ein Traumziel war. Seit 1815 wurden hier bescheidene Pensionen eröffnet; 1837 das Hotel "le Cygne" (1906 in den Neubau des "Montreux-Palace" integriert), und noch im Frühling 1857 weilte Leo Tolstoi in Clarens im Angedenken an Rousseau. 1827 war bereits in Villeneuve das Hotel "Byron" eröffnet worden; 1842 folgte das Hotel "des Trois Couronnes" in Vevey.
Seit 1830 nahm die Hotellerie in der ganzen Schweiz einen raschen Aufschwung (von Almen, Baur, Badrutt, Seiler, Bucher-Durrer), und zwar in Städten wie in den Bergen. So wurde etwa das "Hotel des Bergues" in Genf 1834 und das "Baur en Ville" in Zürich 1338 eröffnet. Das Basler "Drei Könige" wurde 1842 neu gebaut. Vom 1835 in Luzern erbauten "Schwanen" malte William Turner 1841-45 mehrere Ansichten des Rigi mit Wasserfarben und in Öl.
Ab 1810 erfolgte der Ausbau der Fusswege auf den Rigi, die fortan auch mit Pferden begehbar waren. 1816 wurde zuoberst das erste Kulm-Gasthaus (eine Almhütte) der Schweiz eröffnet. Nun stehen in Vitznau, Weggis und bald auch in Arth Pferdeführer und Lastenträger für Bergtouristen bereit. Der klassizistische Bau des Hotels "Du Lac" in Weggis war 1838 fertiggestellt. 1871 wird die erste Bergbahn Europas, die Vitznau-Rigi-Bahn, eröffnet; vier Jahre später die Art-Rigi-Bahn. Im August 1868 verbrachte Königin Viktoria von England ihre Ferien in der Zentralschweiz und bestieg zu Pferd den Rigi. Genau zehn Jahre später folgte der amerikanische Schriftsteller Mark Twain. König Ludwig II. von Bayern bereiste 1865 und 1881 die Innerschweiz, das zweite Mal "auf den Spuren von Wilhelm Tell"; er soll auch den Rigi bestiegen haben.
Das erste Hotel in Grindelwald, "L'Hôtel de l'Aigle", wurde 1818 eröffnet. Seit 1839 folgten in rascher Folge Hotels in Lauterbrunnen, auf der Wengernalp und auf der Kleinen Scheidegg. Das erste Gasthaus im Walliser Saastal wurde 1833 eröffnet; 20 Jahre später eröffnete Alexander Seiler in Zermatt das "Bergsteigerhotel Monte Rosa".
1857 wird in London "The Alpine Club" gegründet; sechs Jahre später der Schweizer Alpen-Club. Der Pionier der Naturheilkunde und des natürlichen Lebens, Arnold Rikli, "erfand" das Bergwandern. 1863 veranstaltete Thomas Cook die erste begleitete "Gesellschaftsreise" ("Conducted Tour") in die Schweiz. Nun wurde die Schweiz als Land für Erholung, Ferien und Wintersport von Menschen aus ganz Europa gerne besucht.
1824-28 erfolgte der umfassende Neubau von Schinznach-Bad. Maria Isabella, die Infantin von Spanien, und Königin Hortense mit ihrem kleinen Sohn Charles-Louis-Napoléon Bonaparte sollen hier geweilt haben. 1859 wurde in Interlaken der Kursaal eröffnet, sechs Jahre später das neue "Victoria". 1831 wurde in St. Moritz ein Kurhaus mit Trinksaal und Badekabinen gebaut. Um 1840 wurde Ragaz zum Badeort, nach 1853 Schuls-Tarasp. 1868 errichtete der Arzt Alexander Spengler in Davos eine Kuranstalt; sechs Jahre später wurde eine Kur- und Seebadeanstalt in Flims eröffnet.
Davos beherbergte um 1880 die Schriftsteller John Addington Symonds und Robert Louis Stevenson. Später kamen viele andere. Der irisch-schottische Erfinder der Figur des "Sherlock Holmes", Sir Arthur Conan Doyle, besuchte nicht nur die Reichenbachfälle im Haslital (1891), sondern fuhr auch bei Davos Ski (1894).
1914 wurde in Hollywood die "Paramount Pictures Corporation" gegründet. Der Berg in der Mitte des Sternen-Rings war am Anfang das Matterhorn. Im Massstab 1:100 wurde das Matterhorn 1959 in Disneyland errichtet.
Alpine Musikinstrumente und Musikmit Unterstützung von http://www.tritonus.ch)
Die Musik der Bergler und Reisläufer, Bauern und Handwerker unterscheidet sich selbstverständlich stark von der militärischen, geistlichen wie höfischen Musik. Die geistliche Musik besteht weitgehend in Portativ- und Orgelmusik sowie Choralgesang. Die Spielleute und Vaganten hatten mitunter recht teure Instrumente wie Sängerharfe, Ud und Laute, Flöte und Fidel. In den Salons wurde mit Gitarre, grosser Harfe und Cembalo musiziert. Die Instrumente des bäuerlich-dörflichen Bereichs sind bedeutend einfacher.
Das Trümpi (die Maultrommel) ist in der Schweiz archäologisch vom 12. bis 15. Jahrhundert belegt, die Drehleiher wird 1407 erwähnt, das Rebec ("Rabögli") um 1500. Die Drehleier eignet sich sowohl für Tanzmusik wie für die Begeleitung von Gesang. Das "Scheitholz" (14./15. Jahrhundert), ein Vorläufer der Zither, hiess in der Schweiz "Hexenscheit". Andere besondere Instrumente der Volksmusik sind der Schwegel (Querpfeife) und die Schalmei (aus der sich die Oboe entwickelte), die dudelsackähnliche "Sackpfeife" (15. Jh.) und das Zupfinstrument "Cister" (16. Jh.). Der Schwegel ist, zusammen mit der Trommel, als "Feldspiel" bekannt, das um 1500 in den eidgenössischen Truppen die Sackpfeife ablöste. Ferner wurde die gestreckte Naturtrompete (Busine) für vielerlei Signale geblasen.
Die ersten dokumentarischen Nachweise für zwei spezifisch alpenländische Musikinstrumente stammen aus der Schweiz: "Hackbrett" (1447 - erfunden um 950 von Al Farabi) und "Alphorn" (1527, Kloster St. Urban - archäologisch seit ca. 1300 fassbar). Léonor d'Orléans, unter anderem Graf von Neuenburg, soll 1563 einen Alphornbläser aus dem Kanton Schwyz in seine Dienste genommen haben.
Wichtig ist festzuhalten, dass die alte Volksmusik nichts gemeinsam hat mit der bekannten "Ländlermusik", die sich im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausbreitete und viel echtes und eigenständiges Volksgut verdrängte. Der nasale, obertonreiche Klang wurde durch einen runden und weichen Klang abgelöst. Massgeblich daran beteiligt waren neue Instrumente wie Klarinette (erfunden: 1700) und Akkordeon (1829), welche den scharfen Klang der ersetzten. Später verwendete man auch Konzertzither (1830-60) und Akkordzither (1880), manchmal auch Klavier (1709) und Saxophon (1840). Auch die Bass-Begleitung durch ein dreisaitiges Bassett (1600) kam erst kurz vor 1800 auf. Die heute berühmte "Appenzeller Streichmusik" mit Violine und Cello hat sich von 1800 bis 1900 (Familie Alder) herausgebildet.
Historische Volkslieder, die von Friedensschlüssen und Schlachten, Herkunft und Helden (z. B. Wilhelm Tell) berichten, sind seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar.
Der Betruf ("Alpsegen") war ursprünglich wohl mit Zauber- und Viehsegen verschwistert, wandelte sich ab 1500 in eine mehr und mehr ins Christlich-Religiöse umfunktionierte Abwehr, Bitt- und Bann-Handlung, der noch lange das "Abgöttische" anhaftete. Der Kuhreihen, mit dem die Kühe auf der Weide eingetrieben und beim Melken beruhigt werden ist seit 1545 dokumentiert.
Das Wort Jodeln erscheint 1796 zum ersten Mal in einem Bericht. Man kann diesen Gebrauch der menschlichen Stimme als Fortsetzung der Minnesängerei ansehen. Goethe fand das "beliebte Jodeln", wie er 1828 schrieb, allerdings "nur im Freyen oder in grossen Räumen erträglich". Drei Jahre später zeigte sich der Musiker Felix Mendelssohn-Bartholdy vom Jodeln auf dem Rigi begeistert.
Schweizer Käse
Es wird gerne behauptet, die alten Römer hätten Schweizer Käse geschätzt und er habe in Rom zu den teuren Spezialitäten gehört. Dafür gibt es jedoch keine schriftlichen Nachweise (siehe: "Die Alten Römer und der Käse" und "Plinius über den Käse") noch gab es einen „Caseus Helveticus“. Das Wissen um die Käseherstellung überlebte in den frühmittelalterlichen Klöstern. Weisser Ziger wird auf den Glarner Alpen seit dem 8. Jahrhundert hergestellt. Um die Jahrtausendwende wird er als Glarner Abgabe an das Kloster Säckingen erwähnt. Bald wird er hier von den Stiftsdamen mit dem stark riechenden Zigerkraut (Hornklee) veredelt, den Kreuzritter aus dem Orient mitgebracht hatten. Nach 1400 wird er bereits auf dem Zürcher Markt verkauft. Seit 1463 muss er einen Glarner Ursprungsstempel tragen und ist damit einer der ersten Markenartikel der Welt. In den USA heisst er "Sap Sago".
Der Hartkäse Sbrinz gilt als älteste Käsesorte im mittelalterlichen Europa. Er soll bereits im 7. Jahrhundert hergestellt worden sein; als „Brientzer käss“ wird er allerdings erst 1530 in einem Dokument fassbar. 1115 taucht der Gruyère in Verträgen auf. Um 1200 werden Emmentaler und Raclette („Bratchäs“) erwähnt. Der Tête de Moine stammt aus dem 1140 gegründeten Kloster Bellelay in den Freibergen und wird 1192 erstmals erwähnt.
Erste längere Schilderungen der Alpwirtschaft finden sich um 1160 in den "Acta Murensia", den Aufzeichnungen des Klosters Muri. Der Appenzeller Käse wird 1282 erstmals erwähnt.
Emmentaler, Sbrinz, Gruyère und auch Appenzeller entwickelten sich zu Exportschlagern. Sie wurden im 15. Jahrhundert ausserhalb der Schweiz so rasant abgesetzt, dass die Obrigkeit wiederholt eingreifen musste, um dafür zu sorgen, dass die einheimische Bevölkerung nicht zu kurz kam.
Um 1700 intensivierte der Abt des Klosters Engelberg die Käse- und Viehexporte. Über den Gotthardpass wurden die grossen südlichen Absatzmärkte in Lugano, Varese und Mailand beliefert; Geschäftsbeziehungen bestanden bis Bergamo. Ab 1750 wurden Viehhaltung und Bewirtschaftung der Weideflächen rationalisiert. Es gelang den Engelbergern, die Käseproduktion zu steigern. Im 18. Jahrhundert wurde der Käseexport aus dem Emmental und dem Greyerzerland nach Frankreich zu einem grossen Geschäft.
Der Aufschwung der Milch- und Käsereiwirtschaft ist einer Abkehr von der bald ein Jahrtausend herrschenden Dreifelderwirtschaft zu verdanken. Grossen Einfluss hatten die 1759 in Bern gegründete Ökonomischen Gesellschaft: Der Anbau der Kunstgräser Klee, Esparsette und Luzerne, verbunden mit der Stallfütterung, führte zu einer Revolution der landwirtschaftlichen Betriebsweise. Nach 1800 wurden die ersten Talkäsereien gebaut (1802 Hofwil, 1815 Kiesen). Bereits 1820 nahmen Sennen aus der Schweiz im Allgäu die Herstellung von fetten, großen Rundkäsen (Emmentaler) auf. Handelshäuser (z. B. Castell; Gerber; Sutter-Fuster) sorgten für den Absatz im In- und Ausland. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Schweiz 2'600 Käsereien gezählt.
Tirggel, Meringues, Fondue, Leckerli, Absinth, Schokolade und Bündnerfleisch
Honiggebäcke gab es schon in der Antike. Die Klöster setzten die Tradition der als Bildfiguren gestalteten Opfergebäcke fort. 1461 wird in der Zürcher Landschaft erstmals ein "Dirgel" erwähnt, also ein Gebäck, das nicht aufgeht. Das älteste erhaltene Model dafür datiert aus dem selben Jahr.
Der Legende nach soll das Schaumgebäck Meringues um 1600 von einem Zuckerbäcker Namens Gasparini in Meiringen erfunden worden sein. Besser dokumentiert sind die anderen kulinarischen Spezialitäten der Schweiz.
Erst kürzlich wurde in einer Zürcher Bibliothek das älteste Rezept für das Käsegericht Fondue entdeckt: Es stammt aus der handgeschriebenen Rezeptsammlung einer Zürcher Hausfrau aus dem Jahr 1699. Das bekannte Rezept von Jean-Anthelme Brillat-Savarin entstand erst fast hundert Jahre später (1794).
Lebkuchenmacher gab es in Basel seit etwa 1350. Die Konzilszeit (1431-48) mit ihren gesteigerten Ansprüchen brachte einen starken Zuwachs von Lebküchern. Doch in den Basler Akten und Ratsbüchern kommt der Ausdruck "Leckerli" erst seit 1720 vor.
Eine Schweizer Spezialität im Spirituosenbereich ist der Absinth. Auf Neuenburger Gebiet ist der Konsum von mit Wermut versetztem Wein ab 1737 belegt, jener eines Wermut-Extrakts ab 1769 ("Bon Extrait d'Absinthe"). Absinth wird seit 1797 in Couvet im Val de Travers von den Familien Dubied und Pernod industriell hergestellt. Im 19. Jahrhundert wurde er zur gefährlichen Volksdroge. Schon 1837 tauch er auch in New Orleans auf.
Andere Schweizer Spirituosen sind Kirsch, Pflümli, Williams, Abricotine, Zwetschgen, Härdöpfler, Enzian, Chrüter. Der "Appenzeller Alpenbitter" ist seit 1907 patentiert.
Der Zuckerbäcker Philippe Suchard richtete 1826 bei Neuenburg die erste Schokoladenfabrik ein; im selben Jahr produzierte auch Jean Foulquier (später: die Marke Favarger) mitten in Genf Schokolade; vier Jahre später folgte Charles-Amédée Kohler, zwei weitere Jahre später François-Louis Cailler. David Sprüngli und sein Sohn Rudolf stellten um 1840 in Zürich erstmals Schokolade her.
Luftgetrocknetes Rindfleisch wird im Bündnerland seit Jahrhunderten hergestellt. Eine frühe Erwähnung findet sich im bekannten Reisebericht von Johann Gottfried Ebel 1793. Kurz nach 1900 richteten Engelhard Brügger in Parpan und Johann Spiess in Churwalden die ersten professionellen Fleischtrocknereien dafür ein. Analoges Trockenfleisch aus dem Wallis und Tessin heisst "Bindenfleisch".
Ab 1500: Banken; ab 1550: Uhrenmanufakturen
Bereits 1504 war in Basel die erste Schweizerische Staatsbank ("Basler Stadtwechsel") eingerichtet worden, die fast 150 Jahre lang die bedeutendste öffentliche Bank blieb. Daneben gab es die als Privatbankiers tätigen Händler von Basel, St. Gallen und Genf (banquiers-marchands), die über ein gut ausgebautes internationales Netz verfügten. Der Name der ersten Berner Bank, Malacrida, ist mit einem rasanten internationalen Aufstieg und einem ebenso raschen Zusammenbruch in der Spekulationskrise von 1720 verbunden. Namentlich fassbar sind dann seit 1741 die Privatbanken in St. Gallen (Wegelin) und Zürich (Rahn und Bodmer; Leu - zuerst staatlich; Pestalozzi). Gegen Ende des Jahrhunderts folgen welche in Lausanne (Hofstetter und Landolt), Paris (Hotttinger), Basel (La Roche) und Genf (Ferrier, Hentsch, Lombard). Die Börse in Genf wird erst 1850 eröffnet, diejenige von Zürich 1877.
Seit etwa 1550 wurden in Genf Taschenuhren hergestellt. Im Jahr 1690 exportierte Genf mehr als 60 000 Uhren.
Der Autodidakt Daniel Jean-Richard brachte führte 1680 die Uhrenherstellung im Neuenburger Jura ein. Abraham Favre, gründet 1737 in Le Locle eine Uhrenfabrik. Pierre Jaquet-Droz und sein Sohn Henri-Louis konstruierten hier ab 1770 ihre ausgeklügelten Automaten in Menschengestalt: den "Schreiber", den "Zeichner" und die "Musicienne". Abraham-Louis Perrelet erfand hier zur gleichen Zeit die "selbstaufziehende" Uhr, sein Schüler Jacques-Frédéric Houriet einen Regulator als Grundlage für den Chronometer. Ein anderer Schüler soll Abraham-Louis Bréguet gewesen sein.
Der Bauer Jehan-Jacques Blancpain führte um 1735 die Uhrmacherei in das Dorf Villeret bei St. Imier ein. Einer der ersten bekannten Uhrmacher in Genf war Jean-Marc Vacheron, der 1755 hier seine Werkstatt eröffnete. Den ersten Uhrenladen der Welt betrieb Theodor Beyer 1760 bei Schaffhausen, 1800 folgte ein Beyer-Geschäft in der Altstadt von Zürich.
Seit 1750: Chemikalien, Medikamente, Farben
1758 nahm Johann Rudolf Geigy in Basel den Handel mit Chemikalien und Medikamenten auf, hundert Jahre später begann einer seiner Nachfolger, ebenfalls Johann Rudolf Geigy, mit der Produktion von Anilinfarben. 1804 richtete Daniel Frey in Aarau einen kleinen chemischen Betrieb ein; 1812 Carl Friedrich Renz in Basel. Die Geschwister Schnorf gründeten 1810 in Aarau und 1818 in Uetikon am Zürichsee Gewerbebetriebe zur Produktion von Schwefelsäure und Sulfatsalzen. Zwei Jahre später richtete Jakob Ziegler-Pellis neben seiner Bleiche in Neftenbach ein Türkischrot-Färberei ein. Als Ergänzung zu seiner Apotheke in Burgdorf eröffnete Dr. J. Schnell im Jahre 1822 eine Farbenfabrik. 1844 versorgt Rudolf Maag, "der Färber" die Bauern bei Dielsdorf mit indigoblauem Stoff; sein Sohn Rudolf, "der Chemiker", produziert und exportiert Farbstoffe (1865), später Düngemittel und Rebspritzmittel.
1854 richtete Alexander Clavel ebenfalls in Basel eine Färberei ein, woraus später die CIBA wurde. Es folgten in Zofingen die Firma Siegfried, in Basel Durand & Huguenin, Sandoz und F. Hoffmann-La Roche sowie 1895 die Aromenhersteller Givaudan in Zürich und Chuit & Näf (später Firmenich) in Genf.
Ab 1800: Industrialisierung
1800 begründete die Einrichtung von mechanischen Spinnereien die Schweizer Textilindustrie, und kurz darauf erfolgten die Gründungen der Maschinen- und Schwerindustrie (Fischer, Escher-Wyss, Rieter, Zellweger, von Roll, Sulzer, Honegger, von Moos, ACMV, Burckhardt, Geilinger).
"Seit das Stadtmonopol umgestürzt ist, hat vielleicht kein Theil der Welt ein deutlicheres Bild gedeihlicheren Fabrikwesens dargewiesen als Zürich, der industriellste Kanton der Schweiz", berichtete John Bowring 1837 dem englischen Parlament. Der Spitzel im Dienste Seiner Majestät (und Herausgeber der Werke von Jeremy Bentham) hatte sich vor Ort überzeugt, wie erfolgreich das Zürcher Oberland sich im industriellen Wettlauf profilierte.
Die Stickerei war 1750 in St. Gallen eingeführt worden. Schon 1773 waren in der Ostschweiz und im Vorarlberg rund 6000 Stickerinnen für St. Galler Stickerei-Exporteure beschäftigt, 1790 bereits 30 000 bis 40 000. Im 19. Jahrhundert entstand dort ein Zentrum für mechanische Spitzenstickerei, und zwar nach der Erfindung der Handstickmaschine (1828) und des Schiffli-Stickautomaten (1863). Weltgeltung erlangten die St. Galler Stickereien um 1900 (Sturzenegger, Schläpfer).
Pierre-Louis Guinand und seine Nachkommen gründeten nach 1813 Glashütten und optische Werkstätten in Les Brenets und Paris, Jakob Kern gründete 1819 eine feinmechanische Werkstätte in Aarau, Samuel Laubscher 1846 eine Werkstätte zur Herstellung von Präzisionsschrauben in Malleray. Johann Jakob Jezler gründete 1822 in Schaffhausen eine Silbermanufaktur.
Schweizer Firmen gehören zu den frühen "Multis". So bauten etwa Johann Conrad und Georg Fischer 1833 zwei Fabriken in Österreich; Caspar Honegger erwarb 1845-50 die drei Papiermühlen in Sankt Mang und richtete in ihnen eine leistungsfähige Baumwollspinnerei ein. Die Uhrenfabrik "Baume Frères" bei La Chaux-de-Fonds gründete 1851 eine Tochtergesellschaft in London. Escher-Wysssiedelte sich 1856 in Ravensburg an.
Schon 1782 war in Zürich eine Brandversicherungsanstalt gegründet worden. Ab 1805 erfolgte in kurzer Zeit die Gründung von 14 kantonalen öffentlich-rechtlichen Gebäude-Brandversicherungsanstalten; 1825 wurde in Bern eine Versicherungsgesellschaft gegen Hagelschäden gegründet, ein Jahr später in Murten die Genossenschaft Schweizerische "Mobiliar" Versicherungsgesellschaft. Bis 1850 entstanden weit über 300 gegenseitige Hilfskassen mit dem Hauptzweck der Kranken-, Hinterbliebenen- und Altersfürsorge.
Seit 1800 entstanden in Zürich dauerhafte Baugeschäfte wie Brunner, Diener, Locher und Baur.
Ab 1848: Weiterer Aufschwung und technische Ideen
Die Umwandlung der alten Eidgenossenschaft in einen modernen, liberalen Bundesstaat im Jahre 1848 setzte weitere wirtschaftliche Kräfte und technische Ideen frei.
In den herkömmlichen Branchen kam es zu Fortschritten, etwa in der
Ebenfalls ab 1848 kamen neue Wirtschaftzweige auf:
Schweizer Pionierleistungen, Erfindungen und Medikamente
Weitgehend unbekannt ist, welche Pionierleistungen, Entdeckungen und Erfindungen von Schweizern gemacht wurden. Siehe die umfangreiche separate Liste mit rund 400 davon.
Imitation und Perfektion
Trotz dieser beeindruckenden Liste ist zu bemerken, dass die Schweizer in den wenigsten Fällen - sei es kulturell oder wirtschaftlich - zu den Pionieren gehörten. Sie waren meistens gut im Aufschnappen neuer Ideen (z. B. Papierproduktion und Buchdruck, Reformation, Stickerei) oder im Imitieren fremder Produkte (Stick- und Strickmaschinen) - und der nachfolgenden Perfektion.
Um 1880 wurde die Schweiz von Frankreich als Land betrügerischer Nachahmer ("pays des contre-facteurs") und vom Deutschen Reichstag wiederholt als "Piratenstaat" und "Raubstaat" bezeichnet. Der Zentralschweizer Unternehmer Adelrich Benziger meinte am schweizerischen Patentkongress von 1882: "Unsere Industrie ist nur dadurch zu der jetzigen Entwicklung gelangt, dass sie das Ausland benutzt hat - wenn das Diebstahl sei, so sind alle unsere Industriellen Diebe."
In manchen Bereichen wie bei den Universitäten, im Geldwesen und bei den Versicherungen, beim Instrumentenbau oder der Eisenbahn, bei Chemie und Pharmazie hinkte die Schweiz den andern Ländern weit hintendrein, drehte aber später oft mächtig auf.
Die Modernisierung der Landwirtschaft (ab 1750) sowie die Mechanisierung und Industrialisierung von Handwerk und Gewerbe (ab 1800) hat die Schweiz aber voll mitgemacht und ist damit zu Wohlstand gelangt.
Ganze Branchen fehlen - dafür Zulieferungsindustrie
Gewisse Industriebereiche fehlen in der Schweiz hingegen vollständig, , z. B. der Bau von Personenwagen, Unterhaltungselektronik und Computer. Unbedeutend sind die Produktion von Schiffen, Flugzeugen und Waffen sowie Optik und Fototechnik. Ferner fehlen international bekannte Getränke und Spirituosen, aber auch Luxusgüter wie Mode, Accessoires und Kosmetik, kostbare Möbel und Inneneinrichtungen.
Die Schweizer Industrie ist vielfach als Zulieferer tätig, beispielsweise mit Dämmmatten für die Automobilindustrie, mit Essenzen für die Parfumindustrie oder mit Seide und Stickereien für die Haute Couture.
Verschiedenerlei "Luxus"
Die einzigen Schweizer Luxusprodukte sind Granitfliesen und schöne Küchen, kostbare Stoffe, Spitzen und Stickereien, "Jezler"-Silber (1822), "Bally"-Schuhe (1851), "Akris"-Couture (1922) und "Strellson"-Anzüge (1984), "Boesch"-Boote (1952) sowie "Revox"- und "Goldmund"-Audio-Anlagen (1948 resp. 1981) und "Piega"-Lautsprecher (1986), "De Sede" Ledermöbel (1961), "Davidoff"-Zigarren (1911), teure Uhren und Juwelierarbeiten.
Hinzu kommen auf einer anderen Ebene landschaftliche Schönheiten, gut ausgebaute Verkehrsnetze und Sportanlagen, perfekte Dienstleistungen, gemütliche Gastfreundschaft und perfekte Hotellerie, erstklassige Privatschulen und modern ausgerüstete Kliniken.
Wissenschaftliche Blüte im 18. Jahrhundert
Es sieht so aus, als sei die Aufklärung in der Schweiz auf besonders fruchtbaren Boden gefallen, ergab sich doch von 1700 bis 1800 eine auffällige Blütezeiten von Wissenschaft und Forschung. Gleichzeitig bleib die Schweiz aber noch in alten Ängsten verhaftet, glaubte sie doch noch an Drachen und betrieb grausame Hexenverfolgungen bis 1782.
Erfindungen für den häuslichen Alltag
Die Erfindungen, die auf Schweizer zurückgehen, haben meist einen ausgesprochen praktischen Charakter, beispielsweise die Öllampe (Ami Argand, 1784), der Würfelzucker (1843), das Milchpulver (1867) und die Beutelsuppe (1886), das Armeemesser (1891), der "Kaba"-Schlüssel (1934) und der Minenschärfer (1940), der "Rex"-Sparschäler , der "Turmix"-Mixer, die elektrische Stichsäge "Scintilla" und das Ventil für Aerosol-Sprays (alle 1947-48), die Knoblauchpresse "Zyliss" (nach 1950), der Klettverschluss "Velcro" (1951), der Entkalker "Durgol" (1951), der pneumatische Zapfenzieher "Corky" (1963), die Hydrokultur "Luwasa" (1967) und die "WC-Ente" (1980).
Vielfach handelte es sich auch bloss darum, vorhandene Erfindungen alltagstauglich zu machen, etwa die Nähmaschine ("Bernina", 1893; "Elna", 1940), den Reissverschluss ("Riri", 1923), die Schnellwaage ("Busch", 1926), die Reiseschreibmaschine "Hermes Baby" (1935), den RECTA-Kompass (1941), Spannbeton (BBR, 1944), die Computermaus ("Logitech", 1981) oder das Komplett-Bügelsystem "LauraStar" (1986).
Viele kommerziell ungenutzte Erfindungen
Vielfach verliess die Schweizer auch bald der Mut und sie versäumten eine kommerzielle Nutzung, nachdem sie eine bahnbrechende Erfindung gemacht hatten. Das fing schon bald nach 1500 an mit der Opiumtinktur "Laudanum" (Paracelsus, 1520) und dem Bleistift (Conrad Gessner, 1565) und zeigte sich wiederum zur Zeit der Industrialisierung mit dem Elektrometer und Sonnenkollektor (1767), dem Hinterlader (1803), dem Explosionsmotor (1807) und den optische Linsen (um 1810), der Brennstoffzelle (1838) und der Karusselldrehbank (1839), der Schiessbaumwolle (1846), der Kunstseide (1855) und dem Automobil mit Zweitaktmotor (1880).
Im 20. Jahrhundert zeigte sich dieselbe Angst oder Unfähigkeit z. B. nach der Goudronnage (1902), dem Cellophan (1908), der Aluminiumfolie (1912) und dem Kräuselgarn "Helanca" (1931), dem Telephonbeantworter (1936), dem Deltaflugzeug (1947), dem "Eidophor"-Projektor (1953) und der elektronischen Rechenmaschine ERMETH (1955), der elektrischen Zahnbürste "Broxodent" (1960), der elektronischen Armbanduhr (1959), der Quarz-Armbanduhr (1967) und der LCD-Anzeige (1970), dem Arbeitsplatz-Rechner "Lilith" (1980) und dem Supercomputer "GigaBooster" (1995).
Chemikalien und Medikamente
Am einflussreichsten waren von den vielen Chemikalien und Medikamenten, welche die Basler Industrie zusätzlich zu den Farbstoffen seit 1895 herstellte, einerseits das DDT als Insektizid (1942) und der Klebstoff "Araldit", anderseits Coramin, Vitamin C, Cortison, LSD und die Tranquilizer sowie schliesslich das Kraftgetränk: "Isostar" (Wander, 1985). Auch das künstliche Hüftgelenk wurde ein Welterfolg (1960).
Schweizer Marken und Firmen im 20. Jahrhundert
Durch den Ersten Weltkrieg (1914-18) und die anschliessende Grippewelle in ganz Europa, die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde die Schweizer Wirtschaft in einigen Bereichen arg in Mitleidenschaft gezogen. Erst von 1950 bis 1990 erlebte sie einen erneuten Boom. Gleichzeitig erwuchs zuerst in den USA, dann im Fernen Osten starke Konkurrenz in fast allen Branchen.
Viele Unternehmensgründer sind in den noch heute bekannten Namen von Uhren, Schokoladen und Privatbanken sowie einigen übriggebliebenen Industriefirmen "verewigt".
Ebenfalls aus Firmen, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert haben, stammen "Kern"-Reisszeug (1819), "Steinfels"-Seife (1832), "Sihl"- und "Cham"-Papier, "Wybert"- (später: GABA)-Tabletten (1846) und "Zellerbalsam" (1863), "Schiesser"-Tricots, "Nabholz"-Trainer und "Zimmerli"-Herrenwäsche, "Aebi"- und "Bucher"-Landmaschinen, "Plüss-Stauffer"-Kitt, "Bülacher"-Flaschen (1891), "Oulevay"-Biskuits und "Herbalpina"-Kräuterbonbons
sowie im 20. Jahrhundert "Ovomaltine",
"Gala Doppelrahmfrischkäse", "Milka", "Sugus" und "Toblerone",
"Niaxa"-Waschmittel, "Kugler"- und "K+W"-Armaturen, "Hermes Baby", "SIG-Pistolen", "Geberit"-Spülkästen und das USM Haller Möbelbausystem, "Calida"-Pijamas, "Spatz"-Zelte und "Mammut"-Bergseile.
Nach einem Interbrand-Ranking aus dem Jahre 2001 steht die wertvollste Schweizer Marke "Nescafé" (1938) auf dem 23. Platz und ist 13 Mrd. Dollar wert.
Schweizer Marken von jüngeren Firmen - aus dem 20. Jahrhundert - bezeichnen ebenfalls praktische Dinge, die im Alltag gebraucht werden, z. B.
Weitere bekannte Schweizer Marken sind etwa: "Hispano-Suiza" (Mark Birkigt), "Rapid"-Motormäher (Jacob Fahrni), Mettler-Waagen (Erhard Mettler), "Mövenpick" (Ueli Prager), "Habasit"-Förderanlagen, "Garaventa" Seilbahnen und CWA Gondel- und Bergbahen, "Pilatus"-Flugzeuge, "Selecta"-Verkaufsautomaten, "Maxon" Motoren.
Der Libanese Nicolas G. Hayek rettete die Schweizer Uhrenindustrie mit seiner "Swatch" (1983).
Schweizer Global Players
Die heute 30 wichtigsten echten Schweizer "Global players" haben fast alle ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert und verfügen über zahlreiche Tochtergesellschaften. Es sind
Obwohl sie ihren Hauptsitz heute in der Schweiz haben, sind folgende internationale Unternehmen unterschiedlich "schweizerisch": Glencore, Metro und Cargill, ABB und Adecco, Danzas, Kühne & Nagel und Ziegler Group, Siemens Building Technologies und Liebherr, Richemont und Triumph, Cementia, Rehau und Serono, BASF Intertrade, Duferco, Mercuria, MSC, Nobel Biocare, Nycomed, Petroplus und Tetra Pak.
Um 1990 ging eine Epoche zu Ende
Um 1990 ging eine 200 Jahre dauernde Phase des Aufbaus und Booms zu Ende. Viele Firmen fusionierten, wurden dauernd umstrukturiert und aufgeteilt, verkauft und erhielten neue Namen, z. B. Acino, Alcorex, Alimarca, Amazys, Antalis, Aquilana, Ascom, Asklia, Axima, Axpo, Clientis, Conzzeta, Fenaco, Helsana, Implenia, Nexis Fibers, NextiraOne, Nextrom, Nuance, Omya, Polymeca, Sidenzia, Swiss Dairy Food, Swissgrid, Swisslog, Swissmill, SwissOptic, Swiss Property, Swiss Steel, Sympany, Unaxis, Unique, Valiant, Valora, Xstrata.
Weitere wenig geläufige Schweizer Namen sind: Actelion, Arpida, Avaloq, Careal, Cicor, Coltene, Cytos, EFG, Galexis, Gottex, Komax, Newave, Quadrant, Speedel, Tecan und Temenos.
Zahlreiche traditionsreiche Schweizer Unternehmen gerieten in ausländische Hände (siehe Liste: Ausverkauf der Schweizer Wirtschaft?).
2002 hiess es, die Schweiz habe die grösste Wirtschaftsberater-Dichte der Welt. Jeder vierte Arbeitsplatz ist von einem Ausländer besetzt.
Teil III: Schweizer im In- und Ausland und Ausländer in der Schweizsiehe auch: Berühmte Schweizer und bemerkenswerte Schweizer, Teil II
Die Täuferbewegung
1525 entstand in Zürich im Kreise der ehemaligen Schüler und Freunde des Reformators Huldrych Zwingli die Täuferbewegung. Sie breitete sich rasch in Europa aus und teilte sich in fünf Zweige: 1) Schweizer Brüder in der Eidgenossenschaft, im Elsass 2) Süddeutsche Täufer in Süddeutschland und Österreich 3) Mennoniten (seit 1535) in den Niederlanden und Norddeutschland 4) Hutterer (1529) in Tirol und Mähren 5) Baptisten in England (John Smyth und Thomas Helwys, 1609) und Amerika (Roger Williams, 1611).
Interne Konflikte bei den Schweizer Brüdern (1) im Bereich von Bern führten 1693 zur Bildung der Amischen durch Jakob Ammann (ca. 1644-1730). Er stammte aus dem Simmental, konvertierte etwa mit 35 Jahren zum Täufer und floh bald nach 1680 ins Elsass, wo er bis zu seinem Tod wirkte. Er verlangte eine strenge Gemeindedisziplin. Viele seiner Anhänger wanderten seit 1700 nach Nordamerika, hauptsächlich Pennsylvania, aus. Die Hutterer flohen seit 1767 nach Russland, seit 1874 nach Nordamerika. Auch viele Mennoniten wanderten seit 1772 nach Südrussland aus. Ein Drittel davon wanderte ab 1874 ebenfalls nach Kanada und USA aus. Die Baptisten begannen insbesondere nach 1792 in Asien und Afrika zu missionieren.
Ab 1500: Grosse Schweizer Persönlichkeiten
Das Gegengewicht zu den teuren Söldnern bildeten seit 1500 eine lange Reihe von Persönlichkeiten wie Staatsmänner, Gelehrte, Baumeister und Künstler, welche der Schweiz auch ein Gewicht im kulturellen Europa verschafften, allen voran die Reformatoren Huldrych Zwingli, Johann Jakob Ammann und Heinrich Bullinger in Zürich, Thomas Wyttenbach in Biel, Vadian in St. Gallen, Johannes Comander in Chur und Pierre Viret in Lausanne.
Die andern Reformatoren stammen aus dem Ausland (siehe später).
Bedeutung erlangte zu dieser Zeit der Zürcher Naturforscher Conrad Gessner und der Basler Stadtarzt Felix Platter. In der Aufklärungszeit folgten die Basler Mathematikerfamilie Bernoulli, der Berner Albrecht von Haller, die Genfer Naturforscher Charles Bonnet und sein Neffe Horace-Bénédict de Saussure sowie der vielseitige Gelehrte Simonde de Sismondi und der Erfinder der "Comics", Rodolphe Toepffer.
Zürich war ein geistiges Zentrum mit den beiden Literaturkritikern Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, dem Pfarrer und Physiognomiker Johann Caspar Lavater, dem Idyllen-Maler Salomon Gessner und dem Erzieher Heinrich Pestalozzi. Um 1860 folgten die Schriftsteller Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer und Johanna Spyri.
Der Verfasser des "Schweizerischen Robinsons", Johann David Wyss, war Pfarrer am Berner Münster; der Schriftsteller Jeremias Gotthelf stammte aus einer alten Berner Beamten- und Pfarrersfamilie, die beiden Kulturhistoriker Johann Jakob Bachofen und Jakob Burckhardt aus alten Basler Familien. Bedeutend waren auch die Maler Ferdinand Hodler und Cuno Amiet, die reformierten Theologen Karl Barth und Emil Brunner, der Zoologe Adolf Portmann sowie die Schriftsteller Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt.
Der Genfer Henri Dunant begründete 1864 das Rote Kreuz, der Genfer Pfarrer Louis-Lucien Rochat 1877 das Blaue Kreuz. Elie Ducommun, Redaktor und Kanzler des Staates Genf, war schon 1862 in Genf dem Friedensverein beigetreten und seither für Friedensorganisation und an Kongressen aktiv. Er organisierte 1891 das Berner "Internationale Friedensbüro" und leitete es bis zu seinem Tod 1906. Der 20jährige Genfer Hector Hodler, Sohn des Malers, gründete 1908 den Weltesperantobund.
Théodore Flournoy, Edouard Claparède und Pierre Bovet, Auguste Henri Forel, Eugen Bleuler, C. G. Jung und Oskar Pfister, Ludwig Binswanger, Walter Morgenthaler, Hermann Rorschach, Max Pulver, Alfred Carrard, Hans Zulliger, Jean Piaget, Medard Boss, Marie Meierhofer, Balthasar Staehelin und Jürg Willi wurden durch ihre psychiatrischen Forschungen und psychologischen Studien weit bekannt. 1980 hiess es, Zürich habe die höchste Psychologen-Dichte der Welt.
Nicht weniger als 21 Nobelpreisträger haben an der 1855 gegründeten Eidgenössischen Technischen Hochschule ihr Studium abgeschlossen oder gelehrt. 17 Nobelpreisträger waren am Europäischen Kernforschungsinstitut CERN in Genf tätig. Der Engländer Tim Berners-Lee und der Belgier Robert Cailliau erfanden hier 1991 das "World Wide Web" (www).
Eigenwillig Mediziner sind der Aargauer Maximilian Oskar Bircher-Benner, der Davoser Carl Spengler, der Berner Paul Niehans und die Zürcherin Elisabeth Kübler-Ross. Der ebenso eigenwillige Waadtländer Physiker Auguste Piccard erkundete 1931/32 mit dem Ballon auf 16 000 Meter Höhe als erster die Stratosphäre, sein Sohn Jacques stellte 1960 den Tiefseetauchrekord (-10 916 m) im Marianengraben auf, und Enkel Bertrand fuhr als erster Mensch 1999 im Ballon rund um die Erde.
Das solarbetriebene Experimentierfahrzeug "Spirit of Biel" gewann 1990 die "World Solar Challenge" in Australien. Der Astronaut Claude Nicollier aus Vevey absolvierte in den1990er Jahren vier Weltraummissionen.
Innerschweiz und Glarnerland
Kulturell bedeutende Werke der Innerschweiz sind die Handschriften aus dem Kloster Engelberg (12. Jh.), die Mariensequenz (eine Dichtung; 1180/90) und das mittelalterliche Osterspiel aus Muri (um 1250), die Luzerner Freilichtspiele (seit 1453), die reich illustrierte "Luzerner Chronik" des Diebold Schilling (1513), das Fasnachtsspiel "Convivii Process" des Renward Cysat (1593) und die astronomischen Entdeckungen seines Sohnes Johann Baptist Cysat (1619), die Medaillen des Schwyzers Johann Carl Hedlinger (um 1730) und das grosse Relief der Innerschweiz von Franz Ludwig Pfyffer von Wyher (1786). Im 18. Jahrhundert wichtig waren die beiden Luzerner Komponisten Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee und Joseph Franz Xaver Dominik Stalder. Im 18. Jahrhundert kamen aus Luzern der Philosoph Ignaz Paul Vital Troxler, der Komponist Xaver Schnyder von Wartensee und der Landschaftsmaler Robert Zünd. Im 20. Jahrhundert bedeutsam sind die Schriftsteller Heinrich Federer, Meinrad Inglin und Josef Maria Camenzind, der Goldschmied Meinrad Burch-Korrodi, die Maler Max von Moos und Hans Erni sowie der Multimediakünstler Urs Lüthi.
Aus dem Glarnerland stammen die Geschichtsschreiber Heinrich Loriti, genannt Glarean (1517-22 in Paris), und Aegidius Tschudi (1571), im 19. Jahrhundert die Naturwissenschafter Oswald Heer und Johann Jakob von Tschudi sowie der Rechtshistoriker Johann Jakob Blumer, im 20 Jahrhundert der Astrophysiker Fritz Zwicky und die Schriftsteller Ludwig Hohl und Eveline Hasler.
Seit römischer Zeit: Schweizer im Ausland siehe auch: Schweizer, die im Ausland wirkten
Offenbar zog es bereits die Helvetier nach Süden. Einer der ersten mit Namen bekannten „Schweizer“ ist ein Künstler oder Handwerker, Helico, der um 400 v. Chr. in Rom lebte. In Mantua wurde eine schwarz glasierte Schale aus der Zeit um 300 v. Chr. gefunden, auf der steht: „Ich gehöre einem Helvetier“. Dann setzt die Chronik der Schweizer im Ausland mit einem historischen Paukenschlag ein. 111. v. Chr. zogen junge Helvetier aus dem keltischen Stamm der Tiguriner zusammen mit drei germanischen Stämmen nach Südfrankreich und besiegten vier Jahre später unter dem jungen Anführer Divico ein römisches Heer. Die überlebenden Soldaten mussten unter dem Joch durch. Nach einem weiteren Sieg stiessen die vier Stämme gegen Italien vor, wurden aber bald zurückgetrieben. Ein knappes Jahrhundert war das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz unter römischer Herrschaft, und viele kräftige junge Männer mussten als Soldaten in den über halb Europa verstreuten römischen Heeren kämpfen. In der Spätblüte des römischen Reiches (ab 280) stellten mehrere angesehene Familien aus dem Wallis - aber merkwürdigerweise aus keinem anderen Gebiet der Schweiz - zahlreiche Senatoren in Rom.
Schon bald nach der ersten Christianisierung (ab 300) waren Geistliche und Mönche aus der Schweiz im Ausland tätig (beispielsweise Valentin von Rätien in Passau). Von Tuotilo, einem Künstler und Handwerker in St. Gallen, heisst es um 900, er sei "ein reisefertiger und weit der Länder und Städte kundiger Mensch" gewesen.
Etwa 32 der bekannten Minnesänger (ca. 1150-1300) stammen aus dem Gebiet der heutigen Schweiz, vor allem zwischen Konstanz und Zürich. Der Mystiker Heinrich Seuse stammt aus einer ritterlichen Familie aus dem Dörfchen Berg im Thurgau und wirkte in Konstanz und Ulm.
Tessiner Baumeister und Künstler sind seit 1140 in Italien tätig, nach 1550 vor allem am Petersdom, seit 1700 auch in Russland. Seit dem 13. Jahrhundert zogen Zuckerbäcker aus dem Bergell in die Republik Venedig, später auch in andere Länder, von Frankreich bis nach Russland. Rodolphe Salis gründete um 1880 in Paris das Restaurant-Kabarett "Theatre du Chat Noir". Auch aus andern Teilen Graubündens und aus dem Tessin wanderten Confiseure und Zuckerbäcker in die Ferne und brachten es oft als Kaffeehausbesitzer in den grossen städtischen Zentren Europas zu Wohlstand.
Seit 1400 weilten reisefreudige Kaufleute (Niklaus von Diesbach, Heinrich Halbisen), aber auch viele Gelehrte, Musiker und Maler in Deutschland oder Frankreich, seltener in Italien; seit 1830 auch in den USA. In diplomatischen Missionen leistete das Verhandlungsgeschick der Schweizer manche guten Dienste.
Der Dominikaner Jakob Sprenger aus Rheinfelden wirkte in Köln als Dozent und Inquisitor; seine Mitarbeit am "Malleus Maleficarum" des Heinrich Institoris (1487) wird bestritten. Der Bischof von Sitten, Matthäus Schiner, wurde 1511 wurde von Papst Julius II. zum Kardinal und ein Jahr später zum päpstlichen Legaten ernannt. Er führte die Eidgenossen zu den Siegen über Frankreich bei Pavia (1512) und Novara (1513) aber auch zur schmerzlichen Niederlage bei Marignano (1515), welche zu einer politischen Neubesinnung und zur Neutralität führte.
Die drei grössten Maler und Zeichner kurz nach 1500, Niklaus Manuel Deutsch, Urs Graf und Hans Leu, der Jüngere, waren in ihren unruhigen Leben unter anderem auch Reisläufer.
Der vielseitige Arzt Paracelsus, der Toggenburger Autodidakt Jost Bürgi und die Basler Künstlerfamilie Merian (Frankfurt am Main) waren mehrheitlich im Ausland tätig, in der Aufklärungszeit dann der Basler Theologe Johann Jakob Wettstein in Amsterdam, der Basler Mathematiker Leonhard Euler in St. Petersburg, der Genfer Jean-Jacques Rousseau in Frankreich, der Genfer Abraham Trembley in Leiden und London, der Neuenburger Jurist Emeric de Vattel in Dresden, der Winterthurer Theologe und Kunsttheoretiker Johann Georg Sulzer in Berlin und der Berner Altphilologe Daniel Albert Wyttenbach in Amsterdam und Leiden, der Brugger Arzt Johann Georg Zimmermann in Hannover, der Genfer Geologe und Meteorologe Jean-André Deluc in England.
Fast überall in Europa weilte der Genfer Maler Jean-Etienne Liotard. Der Winterthurer Porträtmaler Anton Graff lebte in Deutschland, der Zürcher Maler Johann Heinrich Füssli (Henry Fuseli: "The Nightmare", 1781) lebte in Rom und London, der Genfer Maler Jacques Laurent Agasse 1802-1849 in London.
1745 ging der junge Neuenburger Uhrmacher Ferdinand Berthoud nach Paris und baute dort bald Marinechronometer; 1775 gründete ein anderer junge Neuenburger, Abraham-Louis Bréguet, in Paris ein eigenes Uhrmachergeschäft. Zur selben Zeit stellte der Waadtländer Josiah Emery in Charing Cross in London Marineuhren und Pendulen her.
Seit 1770 versahen zahlreiche Schweizer Bankiers (die Familie Delessert, Jacques Necker, Etienne Clavière, Jean-Frédéric Perregaux, Hans Konrad Hottinger, Ulrich Zellweger) hohe Funktionen in Paris. Pierre-Isaac Thellusson wurde Direktor der Bank of England in London. Der Thurgauer Hans Conrad Hippenmeyer wurde 1815 zum Direktor der Österreichischen Nationalbank berufen.
Ab 1800: Ingenieure, Künstler Abenteurer und Gelehrte im Ausland
Seit 1800 wirkten auch Ingenieure im Ausland, etwa die Zürcher Johann Georg Bodmer und Adolf Guyer-Zeller, die Aargauer Conradin Zschokke und Carl Roman Abt sowie die Genfer Louis Favre, Théodore Turrettini und Mark Birkigt.
Aus dem Welschland zog es den Bildhauer James Pradier, die Maler Charles Gleyre, Théophile Alexandre Steinlen und Felix Valloton nach Paris, ebenso den Vater des Komponisten Maurice Ravel - einen der ersten Autokonstrukteure - , den Sprachforscher Jules Gilliéron, den Komponisten Gustave Doret sowie die Ärzte Sigismond Jaccoud und Victor Morax.
Der Genfer Porzellanmaler Abraham Constantin lebte in Paris, Florenz und Rom, der Basler Maler Arnold Böcklin in Rom und Florenz.
Der Geometrieprofessor Jakob Steiner und der Jurist Friedrich Ludwig Keller, der Mediziner Emile Henri Dubois-Reymond, der Botaniker Simon Schwendener und der Romanist Adolf Tobler lehrten in Berlin, der Mediziner Rudolf Albert Kölliker in Würzburg. Der Botaniker Karl Wilhelm von Nägeli, der Jurist Johann Caspar Bluntschli, der Basler Altphilologe Eduard Wölfflin und sein Sohn, der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin, lehrten in München. Die beiden Basler Mediziner Wilhelm His, Vater und Sohn, lehrten in Leipzig, der jüngere später auch in Berlin. Den Zürcher Victor Moritz Goldschmidt verschlug es nach Oslo, wo er die Geochemie begründete. Der Jurist Eugen Huber wirkte 10 Jahre, der Physiologe Emil Abderhalden über 30 Jahre in Halle.
1802 eröffnete Marie Grossholz aus Bern ihr Wachsmuseum in London (("Madame Tussaud's). 1838 führte der Waadtländer Antoine-Henri Jomini, der es in jungen Jahren zum General in französischen und russischen Diensten brachte, auf Grund seiner Erfahrungen die "Logistik" als gleichwertig neben Strategie und Taktik in die Kriegswissenschaft ein.
Der Tessiner Baumeister Gaspare Fossati rettete 1847 die Hagia Sophia vor dem Einsturz. Ein weiterer Tessiner Architekt, Antonio Croci, baute 1869 das "Château Valrose" bei Nizza mit einem eigenen Konzertsaal. Der Forscher und Abenteurer Johann-Ludwig Burckhardt ("Scheich Ibrahim Ibn Abdullah"), entdeckte 1812 die Stadt Petra und ein Jahr später den Tempel von Abu Simbel. Der Geschäftsmann und Forscher Werner Munzinger suchte nach den Quellen des Nils und wurde 1872 "Pascha" und Generalgouverneur des östlichen Sudans. Alfred Ilg war 1897-1906 äthiopischer Aussenminister. Der Tierarzt Arnold Theiler wanderte 1890 nach Südafrika aus und entwickelte dort einen Impfstoff gegen die Rinderpest. Der Arzt Alexandre Yersin studierte Pestepidemien im fernen Osten und betrieb landwirtschaftliche Studien in Indochina.
Der Walliser Cäsar Ritz gründete das "Grand Hotel" in Rom, eröffnete 1898 das "Ritz" an der Place Vendôme in Paris und bald darauf zwei weiter Hotels, die seinen Namen tragen, in London und Madrid. Der Neuenburger Architekt Charles-Edouard Jeanneret verblüffte seit 1914 mit neuartigen Ideen für Häuser und Städte; seit 1920 nannte er sich "Le Corbusier". Er baute hauptsächlich in Frankreich und Indien, aber auch in Moskau, Rio de Janeiro und Cambridge (Massachusetts).
Im 20 Jahrhundert war Paris erneut ein Anziehungspunkt, etwa für den Schriftsteller Blaise Cendrars, den Schauspieler Michel Simon, den Pianisten Alfred Cortot, den Komponisten Arthur Honegger und die Tänzerin Trudi Schoop sowie viele darstellende Künstler wie Jean Crotti, Augusto Giacometti, Meret Oppenheim, Robert Müller und Jean Tinguely. Nach Italien zog es zeitweise die Künstler Hermann Haller, Max Gubler und Hans Falk, den Komponisten Frank Martin und den Clown Grock. In Deutschland wirkten die Architekten Hannes Meyer und Max Bill, die Komponisten Rolf Liebermann und Heinrich Sutermeister sowie die Dirigenten Edwin Fischer und Peter Maag.
Schweizer in Amerikasiehe auch: Schweizer in USA und Kanada
Von der Schweizer Eigenart zeugen in den USA heute noch die Amish ( seit 1700) und Mennoniten (seit 1800), auch als "Dutch" (= deutsch) in Pennsylvania bezeichnet.
Zweimal amteten Schweizer als Generalgouverneur von Kanada: Sir Frederick Haldimand (1778-86) und George Prévost (1811-16). Albert Gallatin war Finanzminister unter dem amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson.
Es waren spanische Missionare, welche den Weinbau in Kalifornien (1769) einführten. Kurz vor 1800 versuchten es der Franzose Pierre Legaux in Pennsylvania und der Schweizer Jean-Jacques Dufour aus Montreux am Kentucky River. Der Tessiner Restaurateur Lorenzo Delmonico eröffnete 1843 das "Delmonico" in New York und führte die französische und italienische Küche in die amerikanische Gastronomie ein. 1845 liessen sich 108 Schweizer Siedler in Monroe, Wisconsin, - the "Green County" - nieder und begannen mit der Herstellung von Käse ("Swiss" und Limburger).
"General" Johann August Sutter entfachte den Goldrausch von 1848, Meyer Guggenheim begründete ein Wirtschaftsimperium, Jean Louis Rodolphe Agassiz die moderne amerikanische Naturwissenschaft und Philipp Schaff die ökumenische Kirchengeschichte. Der Appenzeller Techniker und Erfinder John Heinrich Kruesi war der engste Mitarbeiter von Thomas Alva Edison. Der Glarner W. N. Hailmann führte den Kindergarten in die USA ein und der Zuger John Meyenberg die Kondensmilch.
Kurz vor 1900 zog es den Psychiater Adolf Meyer, den Komponisten Al Dubin und den Seidenindustriellen Robert J. F. Schwarzenbach in die USA; es folgten der Autokonstrukteur Louis-Joseph Chevrolet und der Brückenbauer Othmar Hermann Ammann, etwas später die Musiker Rudolph Ganz und Ernest Bloch sowie der Filmregisseur William Wyler. Später kam die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross. Ein Vermögen erwarb sich Robert H. Abplanalp, der Erfinder des Ventils für Aerosol-Sprays.
Schweizer der zweiten Generation in den USA waren etwa in der Frühzeit der Arzt und Politiker Benjamin Rush und der Generalbundesanwalt William Wirt, später die Philanthropen Adrian Georg Iselin (New York) und George H. Hermann (Houston, Texas). Im 20. Jahrhundert bedeutsam waren Admiral Edward Walter Eberle, der Filmproduzent John Rudolf Freuler, die Filmschauspieler Wallace Beery und Yul Brynner, der Autorennfahrer und Flieger Eddie Rickenbacher und die Schriftstellerin Mari Sandoz.
Der Berner Bandleader Teddy Stauffer verbrachte 50 Jahre in Acapulco. Jacobo Arbenz Guzmán, Sohn eines Schweizer Apothekers, war 1951-54 Präsident von Guatemala. Eduardo Frei, Sohn eines Zürchers, war 1964-70 Präsident von Chile, sein Sohn dreissig Jahre später ebenfalls. Néstor Kirncher, ebenfalls Sohn eines Schweizers, war 2003-2007 Präsident von Argentinien.
Seit römischer Zeit: Ausländer in der Schweizsiehe auch: Ausländer in der Schweiz Germanischer Adel in der Schweiz
Seit das Gebiet der Schweiz vollständig unter römischer Kontrolle war (15. v. Chr.), weilten "Ausländer" hier: Heerführer, Soldaten und Veteranen, aber auch Beamte, Gutsbesitzer, Händler und Handwerker. Der Vater von Kaiser Vespasian wirkte als wohlhabender Bankier hier. Nach 300 kamen vor allem Missionare und Priester (z. B. Verena von Zurzach aus Ägypten), seit 1000 namhafte Gelehrte und Künstler, Baumeister und Werkleute (vor allem im 15. Jh.) sowie Dichter und Mystiker.
In fast allen Schweizer Städten waren von 1200-1500 italienische Geldwechsler, hauptsächlich aus der Lombardei tätig; nur die Basler hatte einheimische ("Hausgenossen").
Von den ersten grossen Malern der Schweiz kamen Konrad Witz (1431) und Hans Holbein (1514) aus Deutschland nach Basel.
Seit 1470 kamen zahlreiche Humanisten, z. B.
Offenbar war die Schweiz auch für Buchdrucker und Verleger interessant, denn es kamen ebenfalls seit 1470 unter anderen
Zwei der ältesten heute noch aktiven Firmen der Schweiz führen sich auf diese Zeit zurück: Der Verlag Schwabe in Basel auf Johann Petri (1488), der Verlag Orell Füssli in Zürich auf Christoph Froschauer (1519).
Etwa die Hälfte der Reformatoren stammt aus dem Ausland: Jean Calvin (Genf) und Guillaume Farel (Neuenburg) aus Frankreich, Johannes Stumpf (Zürich), Berchtold Haller (Bern), Johannes Oekolampadius (Basel) und Andreas Bodenstein von Karlstadt (Basel) aus Deutschland, Giulio da Milano (Bergell, Puschlav) und Pietro Paolo Vergerio (Engadin) aus Italien. Der schottische Reformator John Knox weilte vier Jahre in Genf im Exil.
Viel verdankt die Schweiz den reformierten Glaubensflüchtlingen aus Frankreich (seit 1536; Bartholomäusnacht 1572) und Italien (Chanforan 1532; Inquisition 1542). Eine zweite Wellte folgte nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685). Sie bereicherten das Land durch ihren Fleiss und ihre Kenntnisse im Buchdruck (wie soeben erwähnt in Genf), im Geldwesen und in der Uhrenmacherei (vor allem am Genfersee und im Jura), in der Ledergerberei und der Seidenfabrikation (in Basel und Zürich).
Als grosser Magnet erwies sich das Gebiet von Genf. Hier liessen sich nicht nur die meisten Hugenotten nieder, sondern später auch der Universalgelehrte Firmin Abauzit |